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President Donald Trump speaks at a campaign rally at the Bank of Oklahoma Center in Tulsa, Oklahoma on Saturday, June 20, 2020. President Donald Trump s campaign rally in Tulsa comes as coronavirus cases are on the rise in many states across the country. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY OKH20200620186 KYLExRIVAS

US-Präsident Donald Trump in Tulsa. Bild: www.imago-images.de / KYLE RIVAS

Trump bei Wahlkampfauftritt: "Habe zu meinen Leuten gesagt: Verlangsamt bitte die Tests"

US-Präsident Donald Trump hatte einen wilden Abend versprochen. Und wild sollte es werden.

Bei einer Massenkundgebung, der ersten seit Beginn der Corona-Krise, in Tulsa im US-Bundesstaat sprach Trump über langsamere Corona-Tests, griff Deutschland an – und musste angesichts der Zuschauerzahlen eine Blamage hinnehmen.

"Ich habe zu meinen Leuten gesagt, verlangsamt bitte die Tests"

Die inzwischen ausgeweiteten Tests seien ein "zweischneidiges Schwert", sagte Trump unter Applaus. "Wenn man in diesem Ausmaß testet, wird man mehr Menschen finden, man wird mehr Fälle finden, also habe ich meinen Leuten gesagt: 'Verlangsamt bitte die Tests'."

Es ist nicht das erste Mal, dass Trump den Corona-Tests die Schuld zuschob für die hohen Fallzahlen in den USA, mittlerweile gibt es über 2,2 Millionen bestätigter Infizierungen.

Aus dem Weißen Haus hieß es auf dpa-Anfrage, Trump habe "offensichtlich gescherzt". Die USA führten die Welt bei der Anzahl der Tests mit mehr als 25 Millionen an.

Trump verglich das Coronavirus in Tulsa außerdem erneut mit einer Grippe – auf Englisch "Flu". Trump sagte, er kenne für das Virus 19 verschiedene Namen, darunter "Kung Flu". Trump sprach erneut von einem "chinesischen Virus". China hätte das Virus am Ursprung stoppen müssen. Beide Begriffe für das Virus werden in den USA als rassistisch verurteilt.

Trump attackiert wieder einmal Deutschland

Trump bekräftigte bei dem Auftritt seine Pläne, fast 10.000 US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Der US-Präsident sagte, Deutschland schulde der Nato wegen unzureichender Verteidigungsausgaben in den vergangenen 25 Jahren in Wahrheit "eine Billion Dollar". Trump übte in dem Zusammenhang erneut Kritik an der geplanten Ostsee-Pipeline Nord-Stream 2, die Gas von Russland nach Deutschland bringen soll.

"Wir sollen Deutschland vor Russland beschützen", sagte Trump unter Applaus. "Aber Deutschland zahlt Russland Milliarden Dollar für Energie, die aus einer Pipeline kommt, einer brandneuen Pipeline." Trump kritisiert seit langem, dass Deutschland das selbstgesteckte Ziel der Nato für Verteidigungsausgaben nicht erfülle.

Das Zwei-Prozent-Ziel der Nato sieht vor, dass sich alle Alliierten bis 2024 dem Ziel annähern, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben. Deutschland hat die Ausgaben in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert, lag aber 2019 dennoch erst bei einem BIP-Anteil von 1,38 Prozent.

Trump sagte am Samstagabend, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe ihm im vergangenen Jahr zugesagt, das Zwei-Prozent-Ziel "bis 2030 oder vielleicht 2032" zu erfüllen. Er habe geantwortet: "Nein, Angela, das funktioniert nicht." Solange die USA mit der Bundesregierung über Rüstungsausgaben debattierten, würden die US-Truppen in Deutschland reduziert. "Ich habe gesagt, was ist mit den vergangenen 25 Jahren und all dem Geld, das Ihr uns schuldet? Sie haben das ganze Geld vergessen, das nicht bezahlt wurde." Der Präsident fügte hinzu: "Was ist mit der Billion Dollar, die Ihr wirklich schuldig seid?"

Trump und die Zuschauerzahl

Trump liebt den Auftritt vor großen Menschenmengen. Der Gouverneur von Oklahoma, ein zutiefst republikanischer Bundesstaat, erlaubte ihm den Auftritt am Samstagabend (Ortszeit).

Noch vor wenigen Tagen hatte Trump auf Twitter angegeben, für die Kundgebung seien bereits eine Million Tickets nachgefragt. Dabei passen in die Mehrzweckhalle von Tulsa rund 19.000 Zuschauer.

Reporter vor Ort berichten, dass die Halle bei Weitem nicht ausverkauft gewesen sei. Auf Fotos sind deutlich die leeren Ränge zu sehen. Auch Reden draußen vor der Halle seien abgesagt worden.

Teilnehmer der Kundgebung mussten sich bei der Registrierung damit einverstanden erklären, dass die Wahlkampf-Organisatoren nicht für eine Covid-19-Erkrankung und mögliche Folgen haftbar gemacht werden können. Vor Trumps Kundgebung wurden sechs Mitarbeiter seines Wahlkampfteams in Tulsa positiv auf das Coronavirus getestet.

Trump und die Proteste

Der US-Präsident teilte auch gegen die Anti-Rassismus-Proteste in seinem Land aus. "Der verwirrte linke Mob versucht, unsere Geschichte zu zerstören, unsere Denkmäler – unsere schönen Denkmäler – zu entweihen, unsere Statuen niederzureißen und jeden zu bestrafen, abzusagen und zu verfolgen, der seinen Forderungen nach absoluter und vollständiger Kontrolle nicht entspricht. Wir fügen uns nicht", sagte Trump.

(ll/dpa)

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