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Iranian Students' News Agency, I / twitter/ imago, starface

Warum sich Trump im Persischen Golf verzockt hat

Die USA wollen den Iran mit "maximalem Druck" in die Knie zwingen. Stattdessen erhalten sie nun "maximalen Widerstand".

Philipp Löpfe

Für die brennenden Tanker im Persischen Golf gibt es zwei vollständig konträre Erklärungen. Die eine besagt: Die Amerikaner suchen einen Vorwand, um den Iran militärisch anzugreifen.

Die Vertreter dieser These verweisen auf die Ursprünge des Vietnamkrieges. Damals hatten die USA tatsächlich einen Angriff der Nordvietnamesen auf ein Schiff im Golf von Tonkin vorgetäuscht, um Truppen nach Indochina zu schicken. Auch George W. Bush hat seinen Irakkrieg mit erfundenen Massenvernichtungswaffen legitimiert.

A landing signals officer aboard the Nimitz-class aircraft carrier USS Abraham Lincoln (CVN 72) watch as an F/A-18F Super Hornet from the

Drohgebärde: Kampfjets starten von der USS Abraham Lincoln. Bild: X80001

Dass die Amerikaner diesen Trick erneut versuchen, ist möglich, jedoch kaum wahrscheinlich. Es wäre schlicht zu offensichtlich – und man sollte selbst Trump nicht unterschätzen.

Diese zweite These besagt, dass tatsächlich der Iran für den Angriff verantwortlich ist. Sie wird von den meisten westlichen Geheimdiensten gestützt, und es gibt auch plausible Gründe dafür:

Die brennenden Tanker befinden sich nahe der Straße von Hormus. Das ist kein Zufall. Die knapp fünf Kilometer breite Meerenge ist das wohl wichtigste Nadelöhr des internationalen Ölhandels. Täglich werden rund 18 Millionen Fass des schwarzen Goldes durch die Straße von Hormus geschippert. Das sind rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfes.

Secretary of State Mike Pompeo closes his remarks as he departs after a media availability, at the State Department, Thursday, June 13, 2019, in Washington. Pompeo says Iran is believed to be responsible for attacks on 2 tankers near Persian Gulf. (AP Photo/Alex Brandon)

Secretary of State Mike Pompeo glaubt an einen Angriff des Irans auf den Öltanker. Bild: AP

Wird diese Durchfahrt gesperrt, dann hat dies gravierende Konsequenzen für die Weltwirtschaft, vor allem für den Westen. Die Straße von Hormus grenzt an Oman und den Iran. Die Mullahs in Teheran haben damit alle Trümpfe in der Hand.

Sie könnten die Meerenge unpassierbar machen, zum Beispiel, indem sie mit Raketenangriffen ein paar Tanker versenken. Die US-Navy ist zwar im Persischen Golf sehr präsent. Ob sie einen solchen Angriff verhindern könnte, ist umstritten.

Die Iraner könnten daher den Amerikanern mit den brennenden Tankern eine eindeutige Botschaft vermitteln wollen: Sie reagieren auf das Vorgehen der USA. Trump hat den von seinem Vorgänger ausgehandelten Atomsperrvertrag gekündigt. Er will die Mullahs mit äußert harten Sanktionen gegen den Iran dazu zwingen, ein neues Abkommen abzuschließen.

Auf Anraten seiner Hardliner, Sicherheitsberater John Bolton und Außenminister Pompeo, wählt Trump dabei die gleiche Vorgehensweise wie gegen Nordkorea: Zuerst drohen, dann verhandeln. Auf diese Weise hofft er, Ayatollah Ali Chamene’i an den Verhandlungstisch zu locken.

Erste Annäherungen hat Trump dabei bereits gemacht. Es gehe ihm keineswegs um einen "regime change", einen Umsturz, versicherte er und fügte hinzu, er sei jederzeit zu Gesprächen bereit.

Ihn will Trump am Verhandlungstisch sehen, Staatsoberhaupt Ayatollah Chamenei

Iran's Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei speaks during his meeting with a group of University students in Tehran, Iran, May 22, 2019. Official Khamenei website/Handout via REUTERS ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. NO RESALES. NO ARCHIVES

Bild: X80001

Doch der Iran ist nicht Nordkorea. Khamenei nicht Kim Jong Un. Irans starker Mann hat keinen "schönen" Brief nach Washington übermittelt, und er wird es wohl auch künftig nicht tun.

Dem japanischen Premierminister Shinzo Abe, der derzeit in Teheran weilt und im Konflikt zu vermitteln sucht, erklärte er unmissverständlich: "Ich halte Trump nicht für eine Person, mit der ich Botschaften austausche. Wir werden nicht mit den Vereinigten Staaten verhandeln."

Mit den harten Sanktionen sorgen die Amerikaner zwar für viel Leid bei der Bevölkerung. Ihr Ziel verfehlen sie jedoch bei weitem. Anstatt einen Aufstand gegen die Mullahs zu provozieren, wächst erneut die Wut gegen den "Großen Teufel Amerika".

In Teheran entsteht eine ähnliche Stimmung wie nach dem Sturz des Schahs. "Amerika kann kein verdammtes Ding gegen uns unternehmen", triumphierte damals Revolutionsführer Ruhollah Khomeini.

Trumps Rechnung ist nicht aufgegangen.

Mit der Kündigung des Atomsperrvertrages hat er auch seine Verbündeten, Deutschland und Frankreich, verärgert. Mit seinen Sanktionen stärkt er die Hardliner in Teheran. Gleichzeitig bringt er sich selbst in Zugzwang.

Als Zeichen seiner militärischen Potenz hat er den Flugzeugträger USS Abraham Lincoln in den Persischen Golf beordert und die Truppen in der Gegend um 1500 Mann aufgestockt.

Diese Kriegsspiele erhöhen die Gefahr einer militärischen Konfrontation erheblich. Die ehemalige CIA-Analystin Helima Croft erklärt in der "Financial Times": "Das ist genau die Art von Zwischenfällen, vor denen wir gewarnt haben, und die die Region an den Rand eines Krieges bringen können."

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