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Polizistin erschießt Schwarzen in seiner Wohnung – jetzt wird er als Kiffer dargestellt

15.09.18, 18:07

Zuerst erschießt eine weiße Polizistin einen schwarzen Mann in dessen eigener Wohnung. Und jetzt stürzt sich ein Fernsehsender auch noch auf die Nachricht, dass bei dem Mann sei Marihuana gefunden wurde.

Der Fall ist tragisch und gibt bislang viele Rätsel auf: Eine Polizistin außer Dienst erschoss am Donnerstag vergangener Woche den 26-jährigen Botham Jean in seinem Apartment. Die 30-jährige Amber Guyger erzählte später, dass sie nach der Arbeit nach Hause gegangen sei und das Stockwerk verwechselt habe.

Die Tür sei aber offen gewesen, weshalb sie eingetreten sei. Plötzlich habe sie eine Silhouette gesehen und sei derart erschrocken, dass sie ihre Waffe gezückt und abgedrückt habe. Erst als sie zum Telefon ging und die 911, den Polizeinotruf, gewählt habe, sie ihr aufgefallen, dass sie in der falschen Wohnung gewesen sei.

So die Version der Polizistin. Bewohner des Blocks berichten jedoch, dass sie ein Klopfgeräusch gehört hätten. Auch habe die Frau lautstark um Einlass gebeten.

Starb durch die Schüsse einer Polizistin: Botham Jean. bild: ap/harding university

Momentan ist unklar, was an jenem Abend in Dallas wirklich passierte. Fest steht: Für Botham Jean endete der Abend tödlich. Amber Guyger wurde am Sonntag verhaftet. Drei Tage nach den fatalen Schüssen.

Amber Guyger wird im Gefängnis registriert.  Video: YouTube/WFAA

Am Donnerstag dieser Woche nahm die Familie schließlich Abschied von dem 26-Jährigen. 

Angehörige trauern um Botham Jean. bild: ap/the dallas morning news

Noch am selben Tag wurden Jeans Familie und ihre Anwälte dann jedoch von einer ganz anderen Nachricht überrascht: Der lokale Fernsehsender Fox 4 News berichtete, dass in Jeans Wohnung Marihuana gefunden wurde.

Mit den tödlichen Schüssen hat diese Nachricht augenscheinlich nichts zu tun. Für die Berichterstattung wird der Sender deshalb seitdem in den Sozialen Medien aufs Schärfste kritisiert. Der Vorwurf: Die Polizei und die Fox-Journalisten würden im Nachhinein versuchen, den Getöteten in einem dubiosem Licht erscheinen zu lassen.

"Jean wurde nicht nur nie wegen eines Verbrechens verurteilt, er wurde auch nie wegen eines Verbrechens angeklagt, nie verhaftet", sagt Lee Merritt, die Anwältin, die die Familie vertritt, der "Washington Post". "Es brauchte eine weiße Polizistin aus Dallas, die in sein Haus einbrach und ihn erschoss, bis er als Krimineller gebrandmarkt wurde."

Es sei bezeichnend, dass die Polizei bei einer Morduntersuchung nach Drogen suche, so Merrit. "Der einzige Zweck ist es, nach Informationen zu suchen, um die Toten zu beschmutzen."

Ob es auch bei der Polizistin eine Hausdurchsuchung gegeben hat, wollten die Behörden derweil nicht mitteilen.

(cma)

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