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Für Donald Trump steigt in der Coronavirus-Krise die Ansteckungsgefahr

Die Coronavirus-Krise spitzt sich auch in den USA zu. Die politischen Risiken und Nebenwirkungen für Donald Trump steigen – und jetzt häufen sich in seinem engsten Zirkel die Verdachtsfälle.

Fabian Reinbold / t-online

Die Angst vor dem Coronavirus rückt immer näher an Donald Trump heran. Die Verdachtsfälle im politischen Washington häufen sich – insbesondere im engen Zirkel um den US-Präsidenten.

Am Montag gaben sich fünf seiner Verbündeten aus dem Kongress in eine zweiwöchige Selbstquarantäne. Sie alle hatten auf der Konservativen-Konferenz CPAC, auf der auch Trump Ende Februar selbst gesprochen hatte, Kontakt mit einem Infizierten.

Trumps neuer Stabschef Mark Meadows wolle sich bis Mittwoch aus der Öffentlichkeit fernhalten – er hatte bei CPAC ebenfalls Kontakt mit dem Infizierten. Mindestens zwei ebenfalls betroffene Abgeordnete hatten in den vergangenen Tagen noch engen Kontakt mit dem Präsidenten.

Wie problematisch das sein könnte, zeigt der Fall des Abgeordneten aus Florida, Matt Gaetz, der ein leidenschaftlicher Trump-Verteidiger ist.

Party und Flug mit Trump – dann Quarantäne

Am vergangenen Mittwoch hatte Gaetz sich im Kongress eine Gasmaske übergeschnallt, als über Maßnahmen gegen die Coronavirus-Krise beraten wurde. Er wollte sich offenbar lustig machen über das, was man in Trumps Lager als Panikmache über das Virus sah. Am Wochenende war Gaetz auf einer Party in Mar-a-Lago mit Trump, am Montag fuhr er sogar mit Trump in dessen gepanzertem Fahrzeug und flog mit ihm in der Präsidentenmaschine Air Force One – doch noch auf dem Flug erfuhr Gaetz, dass auch er Kontakt mit der Person bei CPAC gehabt hatte.

Daraufhin begab sich Gaetz in der Präsidentenmaschine in eine abgelegene Ecke und dann in eine selbstverordnete zweiwöchige Quarantäne.

Schwärzester Tag seit 2008

Für Trump, der lange die Auswirkungen des Coronavirus kleingeredet und die politischen Gegner und die Medien der Panikmache bezichtigt hatte, rückt die Krise nun gefährlich nah an ihn heran: Da sind nicht nur die Verdachtsfälle aus seinem Umfeld, da sind die steigenden Fallzahlen in der 320-Millionen-Einwohner-Nation – und da sind die wirtschaftlichen Folgen, die sich kaum noch verdrängen lassen. Am Montag schossen die Börsen erneut steil hinab: Es war der schwärzeste Tag an der Wall Street seit der Finanzkrise im Jahr 2008.

Das Risiko ist für Trump persönlich und politisch. Persönlich, weil Trump gehört mit seinen 73 Jahren zu der Hochrisiko-Gruppe derer gehört, bei denen die Krankheit Covid-19 einen schweren Verlauf nehmen kann.

Politisch, weil die Krise eine Rezession auslösen könnte und damit Trumps Wahlkampfsstrategie in Mitleidenschaft ziehen würde. Und weil der Präsident mit seinen Äußerungen und Auftritten zum Coronavirus Zweifel nährt, ob er über eine Strategie für die vielleicht größte Krise seiner Amtszeit verfügt.

Trump steuert um

Trump trat am Montagabend unangekündigt vor die Presse im Weißen Haus. Dort wollte er die Sorgen an den Märkten lindern. Er sprach von "weitreichenden wirtschaftlichen Maßnahmen", die er im Laufe des Dienstags mit der republikanischen Führung im Kongress erörtern und dann der Öffentlichkeit vorstellen wolle. Diskutiert werden Lohnsteuererleichterungen, sowie Hilfen für Arbeitnehmer, die nach Stundenlohn bezahlt werden - für die also bei Arbeitsausfall Einbußen entstehen. In den USA gibt es keine flächendeckende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Trump steuert also um, nachdem er viele Wochen lang die Krise und ihre möglichen Folgen verharmlost hat. Unter anderem hatte er mehrfach behauptet, die USA hätten die Lage unter Kontrolle. Er hatte früh Einreisen aus China untersagt, aber die Zeit nicht genutzt, um das Gesundheitssystem des Landes vorzubereiten: Bis vor wenigen Tagen waren so gut wie keine funktionierenden Coronavirus-Tests verfügbar. Immer noch sind zu wenige vorhanden.

Zahl der Fälle dürfte rapide steigen

Mindestens 26 Amerikaner sind bereits nachweislich an Covid-19 gestorben, die Zahl der bekannten Fälle liegt nun laut CNN bei mehr als 700 – und dürfte weiter rapide ansteigen, weil nun flächendeckender auf das Virus getestet wird.

In der Nähe von San Francisco wurden am Montag Passagiere des Kreuzfahrtschiffes "Grand Princess" von Bord gebracht, 20 von ihnen waren positiv getestet worden. Ein Teil von ihnen soll auf Militärbasen in Quarantäne gebracht werden.

Trump müsste die Nation also eigentlich auf weitere schlechte Nachrichten gefasst machen. Doch der Präsident selbst wollte am Montagabend keine Fragen zur Verbreitung des Coronavirus beantworten und überließ nach der Ankündigung von wirtschaftlichen Maßnahmen das Podium den Experten. Auf die Frage, ob er sich denn auf das Virus habe testen lassen, gab Trump beim Verlassen des Podiums keinerlei Antwort.

Trump: "kerngesund"

Sein Vizepräsident Mike Pence, der die Leitung der Corona-Taskforce übernommen hatte, sagte, er kenne die Antwort nicht. Er selbst habe sich nicht testen lassen, sagte Pence, der ebenfalls bei CPAC aufgetreten war.

Am späten Abend meldete sich die Pressesprecherin des Weißen Hauses zu Wort. Trump sei bislang nicht auf Covid-19 getestet worden, weil er keinen andauernden Kontakt zu Infizierten gehabt habe. Außerdem, betonte sie, sei der Präsident "kerngesund".

In den kommenden Tagen verzichtet Trump, anders als in den Vorwochen, auf Wahlkampfveranstaltungen. Anders sieht es bei den Demokraten aus: Am Dienstag halten sechs Bundesstaaten ihre Vorwahlen ab. Ihre eifrig wahlkämpfenden Präsidentschaftskandidaten, Bernie Sanders (78) und Joe Biden (77), fallen wie Trump in die Risikogruppe.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de.

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