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YAYEH KEHL, AFGHANISTAN - NOVEMBER 14:  An Afghani squats on a wall while a group of U.S. Army soldiers from the 82nd Airborne Division secure an area during the inspection of a local bazaar November 14, 2002 in the town of Yayeh Kehl, Paktia province, south of Kabul, Afghanistan. U.S. troops conducted a four-day operation searching for weapons and suspected militant linked to al-Qaeda in the area.  (Photo by Amel Emric-Pool/Getty Images)

US-Soldaten der 82. Airborne Division 2002 in Afghanistan. Bild: Getty

"Afghanistan Papers" enthüllen die Wahrheit über den Afghanistan-Krieg

Ein jetzt veröffentlichter Bericht zeigt, wie das amerikanische Volk seit 18 Jahren angelogen wird.

All diese Menschen sind dem Krieg in Afghanistan bisher zum Opfer gefallen, den die USA und Verbündete seit 2001 führen. Und das für nichts, wie ein am Montag veröffentlichter Insiderbericht belegt. Demnach wurden im zentralasiatischen Land kaum oder keine Fortschritte erzielt.

"Washington Post" veröffentlicht "Afghanistan Papers"

Obschon der Krieg die USA seit Beginn eine Billion US-Dollar gekostet hat, hat sich die Situation vor Ort kaum verbessert. Dies geht aus den "Afghanistan Papers" hervor, den die "Washington Post" veröffentlicht hat.

Bislang wurden die Ergebnisse des US-Sonderinspektors für den Wiederaufbau Afghanistans unter Verschluss gehalten, doch die "Washington Post" erzwang die Veröffentlichung vor Gericht.

Wie der Bericht enthüllt, wurde die Bürger in den USA von den Präsidenten George W. Bush, Barack Obama und Donald Trump an der Nase herumgeführt. Die Zustände in Afghanistan wurden seit 2002 konsequent beschönigt.

Insgesamt führten die Inspektoren unter der Leitung von John Sopko 600 Interviews mit betroffenen Personen, die im Krieg eine Rolle spielten. Das Resultat ist vernichtend. "Das amerikanische Volk ist konstant belogen worden", sagt Sopko.

Demnach wurden während der ganzen Zeit des Krieges Statistiken manipuliert, damit die US-Bevölkerung glaubt, man sei daran, den Krieg zu gewinnen.

Vernichtende Aussagen von Militärs

Wie Gespräche mit hochrangigen Militärs zutage führten, war den Truppen vor Ort kaum klar, was die eigentlichen Ziele sind. Douglas Lute, Generalleutnant unter Bush und Obama, gab gegenüber den Interviewern im Jahr 2015 zu Protokoll: "Uns fehlte ein grundlegendes Verständnis von Afghanistan – wir wussten nicht, was wir taten."

Lute fügte hinzu: "Was versuchen wir hier zu tun? Wir hatten nicht den Hauch einer Ahnung, was wir vorhatten. Wenn das amerikanische Volk das Ausmass dieser Dysfunktion kennen würde... 2400 Menschen starben."

In einem anderen Interview sagte der pensionierte Navy Seal Jeffrey Eggers, der für Bush und Obama im Krieg war: "Was haben wir für diese Billion Dollar bekommen? War es eine Billion Dollar wert? Nach der Ermordung Osama bin Ladens, sagte ich, dass Osama wahrscheinlich in seinem Wassergrab lacht, wenn man bedenkt, wie viel wir für Afghanistan ausgegeben haben."

DOVER, DE - FEBRUARY 06:  A U.S. Army carry team moves the transfer case of U.S. Army Brig. Gen. Terence J. Hildner during a dignified transfer at Dover Air Force Base February 6, 2012 in Dover, Delaware. A one-star U.S. Army general from Fairfax County, Virginia, Hildner was found dead in his Kabul sleeping quarters Friday. The Defense Department said Hildner is the highest-ranking officer to die during the war in Afghanistan.  (Photo by Chip Somodevilla/Getty Images)

der Leichnam eines US-Soldaten wird 2012 in seine Heimat zurückgebracht. Bild: Getty

Ein vernichtendes Fazit zieht James Dobbins, Afghanistan-Sonderbotschafter unter Bush und Obama: "Wir marschieren nicht in ein armes Land ein, um es reich zu machen, und wir marschieren nicht in autoritäre Länder ein, um daraus Demokratien zu machen – wir marschieren in brutale Länder ein, um Frieden zu stiften, und dabei haben wir in Afghanistan klar versagt."

Das viele Geld, das in den Krieg in Afghanistan floss, hatte laut Ryan Crocker, zweimaliger US-Botschafter in Kabul, sogar einen negativen Effekt. "Unser größtes Projekt war wahrscheinlich die Entwicklung massiver Korruption", sagte Crocker im Interview.

Vergleich mit "Pentagon Papers"

Die "Afghanistan Papers" werden nun bereits mit den Pentagon Papers verglichen, die im Jahr 1971 die Lügen der US-Regierung über den Vietnamkrieg aufdeckten. Momentan befinden sich noch rund 13.000 US-Truppen in Afghanistan. Möglich, dass der Druck nun wächst, diese so schnell wie möglich abzuziehen.

Donald Trump, kein Freund der Auslandseinsätze der US-Armee, kündigte bei einem Besuch an Thanksgiving auf dem Bagram-Flugplatz an, die Truppen zwar zu reduzieren. Von einem vollständigen Rückzug wollte er damals aber noch nichts wissen. Die USA würden solange in Afghanistan bleiben, bis sie einen Deal mit den Taliban hätten. "Oder", so Trump, "wir haben den totalen Sieg und sie wollen den Deal unbedingt machen."

Nur: Weiß eigentlich irgendjemand, wie dieser Sieg überhaupt aussehen würde?

(cma)

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