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Donald Trump versucht,die Bedrohung durch das Coronavirus herunterzuspielen. Bild: Getty

Drei Gründe, weshalb Trump das Coronavirus fürchten muss

Philipp Löpfe / watson.ch

Donald Trump leidet unter einer Keimphobie. Er duldet es nicht, dass jemand sein Smartphone berührt, und hat einst seinen Stabschef Mick Mulvaney während eines Interviews aus dem Oval Office gewiesen, weil dieser leicht gehüstelt hatte.

So gesehen müsste der Präsident der eifrigste Warner vor dem sich ausbreitenden Coronavirus sein. Doch das Gegenteil ist der Fall. Trump unternimmt alles, um dessen Gefährlichkeit herabzuspielen. Der Grund: Was er noch mehr fürchtet als Bakterien und Viren, ist die Möglichkeit, dass er die Wahlen im kommenden November verlieren wird.

Diese Angst ist sehr begründet. Und das sind die drei Gründe:

Das chaotische US-Gesundheitssystem

Das Coronavirus hat in den USA nicht nur elf Todesopfer gefordert, es zeigt auch schonungslos die Schwächen des amerikanischen Gesundheitssystems auf. So ist beispielsweise die relativ tiefe Anzahl von Infizierten (aktuell: 159) irreführend, denn dieser Umstand ist vor allem darauf zurückzuführen, dass bisher kaum Tests durchgeführt werden konnten.

U.S. Secretary of Health and Human Services Alex Azar speaks during a House Appropriations Subcommittee hearing in Washington, U.S., February 26, 2020. REUTERS/Amanda Voisard.

Alex Azar, Chef der US-Gesundheitsbehörde, sagt im Kongress aus. Bild: reuters / AMANDA VOISARD

Der Grund liegt in der peinlichen Tatsache, dass die Testkits der offiziellen Behörde, der Centers of Disease Control (CDC), sich bisher als fehlerhaft erwiesen haben. Vergangene Woche konnten bloß rund 500 Tests durchgeführt werden. Experten gehen deshalb davon aus, dass die Dunkelziffer der Erkrankungen weit höher liegt als die offiziell ausgewiesenen Zahlen.

Inzwischen dürfen deutlich mehr Labore landesweit die Tests durchführen. Und Task-Force-Chef und Vize-Präsident Mike Pence kündigte an, dass in den nächsten Tagen bis zu 1,5 Millionen Test-Kits zur Verfügung stehen werden.

Ärmere Amerikaner lassen sich zudem oft gar nicht testen. Sie haben entweder eine schlechte oder gar keine Krankenversicherung. Das führt zu absurden Zuständen, wie das Beispiel eines Mannes in Florida zeigt: Er hatte die typischen Symptome von Covid-19 und ließ sich in einem Krankenhaus testen. Der Test fiel negativ aus, doch der Mann musste eine Rechnung von über 3000 Dollar berappen.

Angesichts der Tatsache, dass rund die Hälfte der Amerikanerinnen und Amerikaner über keinerlei Ersparnisse verfügen und in Schwierigkeiten geraten, wenn sie unerwartete Ausgaben von 400 Dollar begleichen müssen, ist damit zu rechnen, dass viele Infizierte sich nicht testen lassen und somit dafür sorgen, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Democratic presidential candidate Sen. Bernie Sanders, I-Vt., speaks at a campaign stop at the Bernie 2020 Cedar Rapids Field Office, Sunday, Feb. 2, 2020, in Cedar Rapids, Iowa. (AP Photo/Andrew Harnik)

Bernie Sanders in Aktion: Sein Plan für eine Einheitskrankenkasse sieht plötzlich sehr attraktiv aus. Bild: ap / Andrew Harnik

Innenpolitisch ist das Coronavirus ein Steilpass für eine Einheitskrankenkasse, wie sie etwa Bernie Sanders fordert. Mit einer solchen Kasse wären die Tests gratis. Trump und die Republikaner hingegen wollen die bescheidenen Ausweitungen der Krankenversicherung auf den unteren Mittelstand wieder rückgängig machen. Das könnte sich nun als Eigentor erweisen.

Die nervösen Finanzmärkte

Nicht nur die ärmeren Amerikaner leiden unter dem Coronavirus. Auch der obere Mittelstand ist betroffen, und das hängt mit den Aktienbörsen zusammen:

Aktien spielen eine zentrale Rolle in der amerikanischen Altersvorsorge. Viele Amerikaner haben ein sogenanntes 401K-Paket, ein Portfolio von Aktien, das den Grundstock ihrer Versicherung bildet. Ihre Rente ist damit direkt mit dem Zustand der Aktienbörse verknüpft.

A trader works on the floor at the New York Stock Exchange (NYSE) in New York City, New York, U.S., March 3, 2020. REUTERS/Andrew Kelly

Die Lage an den Märkten ist angespannt. Bild: reuters / ANDREW KELLY

Im Boom der vergangenen drei Jahre war "401K" ein regelmäßiges Stichwort bei den prahlerischen Reden von Präsident Trump. Derzeit jedoch verspüren die Rentner in Florida wenig Freude, wenn sie auf ihr 401K-Paket schauen. Die Kurse sind vergangene Woche mehr als elf Prozent eingebrochen, und die Wahrscheinlichkeit, dass die Talfahrt weitergehen wird, ist groß.

Zwar werden die Zentralbanken alle Hebel in Bewegung setzen, um einen ausgewachsenen Crash zu verhindern. So hat die Bank of Japan bereits angekündigt, sie werde die Kurse mit einer weiteren Geldschwemme stützen, und hat damit vorübergehend für eine Beruhigung gesorgt.

Experten bezweifeln jedoch, dass sich die Märkte diesmal allein mit geldpolitischen Mitteln beruhigen lassen. Bis Klarheit über den weiteren Verlauf der Epidemie herrscht, wird die Achterbahn an den Finanzmärkten weitergehen. Und auch die Rentner in Florida, eigentlich treue Trump-Wähler, werden extrem sauer, wenn sie dabei Geld verlieren.

Das Gespenst einer Rezession geht um

Noch vor ein paar Monaten waren sich Ökonomen und Bankanalysten einig: 2020 wird es in den USA zu keiner Rezession kommen. Heute tönt es ganz anders. Das verhasste R-Wort taucht immer häufiger in den Prognosen auf und lässt nicht nur Unternehmer, sondern auch Trump schlecht schlafen.

Die amerikanische Wirtschaft muss derzeit einen doppelten Haken verkraften. Das lässt sich am Beispiel von Apple illustrieren: China ist einerseits die wichtigste Produktionsstätte von Apple. Die Mehrheit der Iphones wird dort gefertigt. Weil die chinesische Produktion wochenlang lahmgelegt war, meldet Apple bereits, der Start der neuen iPhone-Generation werde sich verzögern.

Andererseits ist China auch der zweitgrößte Absatzmarkt für Apple. Die Verkäufe des iPhone sind jedoch eingebrochen, weil die Chinesen sich derzeit nicht in Kauflaune befinden, und weil sie über die US-Handelspolitik verärgert sind. Apple hat daher bereits eine Gewinnwarnung für das erste Quartal veröffentlicht.

Internationale Konzerne wie Apple wird der Coronavirus-Sturm nicht so leicht umhauen. Doch das Rückgrat der amerikanischen Wirtschaft bilden die kleinen und mittleren Unternehmen. Sie schaffen die meisten Jobs, sie sind jedoch weit schlechter gegen einen Abschwung der Wirtschaft gerüstet.

Rund 70 Prozent des US-Bruttoinlandprodukts entfallen heute auf den Konsum. Angenommen, die Amerikaner schrauben ihre Konsumausgaben zurück, dann werden es die Unternehmen zuerst zu spüren bekommen und mit Entlassungen reagieren. Die rekordniedrige Arbeitslosigkeit – ein weiterer Trumpf von Trump – wäre dann bald Geschichte.

Eine Rezession würde die US-Wirtschaft auf dem falschen Bein erwischen. Die Notenbank, die Fed, hat kürzlich bekannt gegeben, dass sich die Kreditkartenschulden der Amerikaner kumuliert auf 930 Milliarden Dollar belaufen. Das ist mehr als vor der Finanzkrise 2008. Bricht der Konsum ein, dann könnte demnach eine gefährliche Deflationsspirale in Gang gesetzt werden.

Die Tatsache, dass die US-Wirtschaft im internationalen Vergleich noch gut dasteht, ist ein schwacher Trost. Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind düster geworden. "Das Coronavirus hat die Weltwirtschaft in den Überlebensmodus versetzt", stellt der Ökonom Eswar Prasad in der "New York Times" fest. "Die Ausbreitung des Virus fügt der Reiseindustrie, dem Handel und den Versorgungsketten großen Schaden zu."

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