International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Bild: imago/UPI/Screenshoot Youtube https://www.youtube.com/watch?v=KZMx5G-LdxM/montage

Trump schießt sich selbst ab – ausgerechnet bei "Fox & Friends"

27.04.18, 14:01 27.04.18, 19:38

Philipp Löpfe 

In einem stürmischen Interview faselt der Präsident wirres Zeug – und zerstört seine Verteidigungsstrategie im Cohen-Fall.

MSNBC und Fox News sind Todfeinde im amerikanischen TV-Business. Doch am vergangenen Donnerstag hat Lawrence O’Donell, Moderator der MSNBC-Sendung "The Last Word", seinen Zuschauern eindrücklich empfohlen, das Interview anzuschauen, das Donald Trump den Gastgebern von "Fox & Friends" gewährt hat – und zwar in seiner gesamten Länge von qualvollen 31 Minuten.

So sehen Menschen aus, die 31 Minuten lang Trump zuhören müssen: 

Video: YouTube/British Columbia

"Fox & Friends" ist das Sprachrohr Trumps. Die drei Moderatoren Steve Doocy, Ainsley Earhardt und Brian Kilmade schrecken vor keiner Peinlichkeit zurück, um dem Präsidenten zu schmeicheln. Am Donnerstag war das wirre Geschwätz des Präsidenten selbst den Fox-Schoßhunden zu viel. Mit den Worten: "Herr Präsident, Sie haben sicher noch eine Million Dinge zu tun" warfen sie ihn förmlich aus der Sendung. Was war geschehen?

Selbst für Trumpsche Verhältnisse war das Interview chaotisch. Der Präsident beantwortete keine Frage, sondern prahlte einmal mehr mit seinem Wahlsieg, zog einmal mehr über Hillary Clinton her, verdammte das FBI, wollte nichts von Zusammenarbeit mit den Russen wissen und erwähnte, dass er seiner Gattin zum Geburtstag eine "sehr schöne Karte" geschenkt habe.

Michael Avenatti, Stormy Daniels' attorney, left, watches as Michael Cohen, center, President Donald Trump's personal attorney, leaves federal court in New York, Thursday, April 26, 2018. President Donald Trump said that Cohen, his personal attorney, represented him

Hat mächtig Stress: Michael Cohen, Trumps langjähriger Anwalt. Bild: AP

All dies wäre halb so schlimm gewesen, hätte Trump nicht einen für ihn möglicherweise fatalen Fehler begangen. Es geht um Folgendes: Das FBI hat die Büros und Wohnung seines persönlichen Anwalts und Mann fürs Grobe, Michael Cohen, durchsucht und dabei eine Menge Dokumente und technische Geräte wie Handys und Laptops beschlagnahmt.

Cohen bewegt sich seit rund zwölf Jahren im engsten Kreis von Trump. Er weiss über seine Geschäfte Bescheid, vor allem über die dreckigen. Als Fixer hat er auch das Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels bezahlt. Das war auch der Anlass für die Hausdurchsuchung.

Trump fixt gerne. Noch bevor es überhaupt zu Problemen kommen kann: 

Trump und seine Anwälte setzten alle Hebel in Bewegung, um zu verhindern, dass die beschlagnahmten Dokumente und technischen Geräte ausgewertet werden können. Dabei beriefen sie sich auf das Anwaltsgeheimnis, das in den USA als unantastbar gilt.

Michael Avenatti, Stormy Daniels' attorney, leaves federal court in New York after a hearing for Michael Cohen, President Donald Trump's personal attorney, Thursday, April 26, 2018. (AP Photo/Mary Altaffer)

Kann sein Glück kaum fassen: Michael Avenatti, Anwalt von Stormy Daniels. Bild: AP

Im Interview hat Trump nun diese Strategie gegen die Wand gefahren. Cohen sei eigentlich gar kein Anwalt, er sei mehr ein Businessman, führte Trump aus und ergänzte: "Ich habe nichts mit seinen Geschäften zu tun. Ich kann Ihnen höchstens sagen, er ist ein guter Typ."

Michael Avenatti, der sehr clevere Anwalt von Stormy Daniels, konnte sein Glück kaum fassen. "Das ist ein wahres Geschenk des Himmels. Ich weiss gar nicht, wie ich das verdient habe", erklärte er in mehreren TV-Shows. Tatsächlich hat Trump in diesem Interview nicht nur seine Anwaltsgeheimnis-Strategie zerstört, er hat auch erstmals zugegeben, dass Cohen ihn im Fall Daniels vertritt. Bisher hat er stets bestritten, dass er je Sex mit dem Pornostar gehabt habe.

Trump ist gerne der Elefant im Porzellanladen: 

Michael Cohen könnte sich als Trumps Archillesferse erweisen. Dem "Wall Street Journal" zufolge schwört er ihm zwar nach wie vor Nibelungentreue – "Boss, ich vermisse dich so. Ich wünschte, ich wäre bei dir in Washington", soll er ihm in einem Telefongespräch gesagt haben –, doch die Zweifel an seiner Standhaftigkeit wachsen.

Das hängt auch mit Trumps Persönlichkeit zusammen.

Tony Schwartz, der Ghostwriter seines Bestsellers "The Art of the Deal", erklärt in der "New York Times": "Menschen sind keine Menschen für ihn, sie sind Instrumente seines Egos. Das Schicksal eines jeden, der sich mit Trump einlässt, besteht darin, dass er letztlich weggeworfen wird."

Offensichtlich hat auch Cohen Angst, bald weggeworfen zu werden. Trump distanziert sich immer mehr von ihm und mindert seine Bedeutung. Der Fixer ist auch frustriert. Angeblich wollte er mit Trump ins Weisse Haus ziehen, als Stabschef beispielsweise, hatte jedoch nie eine Chance. Im privaten Kreis soll Trump Cohen als "Elefant im Porzellanladen" bezeichnet haben. Elefanten sind dünnhäutig. Das könnte Trumps Verhängnis werden.

Trump, Trump, Trump 

Trump will weiter kritische Twitter-Follower verbannen können

Ihre Königliche Hoheit, Präsident Donald J. Trump – will sich notfalls selbst begnadigen

Soziopath, Hochstapler, Egomane: Netflix-Doku zeigt den wahren Donald Trump

Merkel ist auch wegen Trump erneut angetreten – sagt ein Obama-Vertrauter

Trump, der Unberührbare – was hinter seiner neuen Verteidigungsstrategie steckt

Trump nach Rassismus-Tweet von Roseanne: "Bei mir hat sich ABC nie entschuldigt!"

Warum Trump gerade einen Super-Bowl-Champion aus dem Weißen Haus ausgeladen hat

Ein bisschen gut für die Demokratie – ein bisschen sehr gut für Angela Merkel

"So unfair, so böse"– Trump sauer wegen Spekulationen um seine Melania

In diesem "bescheidenen" Hotel treffen sich Donald Trump und Kim Jong-un

Warum Trumps Null-Toleranz-Politik an der US-Grenze nicht normal ist

Trumps nächster Berater tritt zurück - Nummer 18 auf unserer Liste

Der Angriff in Syrien hat sich gelohnt – zumindest für Trump

Er liebt Trump und Taylor Swift – jetzt wurde der "Asian-Nazi" verhaftet 

Affäre um Porno-Star: FBI durchsucht Büro von Trumps Anwalt

19 mal "Soo Saaad!": Erinnerst du dich an diese Trump-Aussteiger?

5 Attacken auf Trump – jetzt schlägt der US-Präsident auf Twitter zurück

Donald Trump droht mit Raketenangriff nach Giftgasangriff auf Syrien

Boxer mit Trump-Mauer auf Shorts wird von Mexikaner zerstört

Luftangriffe auf Syrien – Trump will Truppen schnellstmöglich abziehen

Mueller hat neue Beweise und bringt damit Trump-Anwalt immer mehr in die Klemme

Comey: Trump ist "moralisch nicht geeignet" fürs Präsidentenamt

Trump feuert Außenminister Rex Tillerson – weil der seinen Job macht

Der US-Senat bestätigt Hardliner Pompeo als Außenminister – so kam's

Wer hat Angst vor der Waffenlobby NRA? Donald Trump

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Dieser Mann will Steve Bannon nach Europa holen – helfen soll auch die AfD 

Mischaël Modrikamen will von Beginn an dabei gewesen sein. Stolz erzählt der 52-jährge Belgier: "Ich habe Donald Trump unterstützt, da war er noch nicht einmal Präsidentschaftskandidat". Damals habe er eine Videobotschaft für Trump aufgenommen, die Millionen angeklickt haben. Zur Vereidigung Trumps sei er extra nach Washington geflogen. "Als einziger belgischer Politiker", sagt Modrikamen. Eine Ehre.

Er selbst ist Chef einer kleinen rechtsnationalen Partei in Wallonien. In seiner Begeisterung …

Artikel lesen