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Harvey Weinstein zum Prozessauftakt. Nun wurde er verurteilt. Bild: Getty

Wie der Fall Weinstein und #MeToo Hollywood verändert haben

Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ist der Vergewaltigung und schweren sexuelle Nötigung schuldig gesprochen worden. Das Urteil der Geschworenen wurde am Montag im Gericht in New York verkündet. In zwei Anklagepunkten wegen wiederholter sexueller Angriffe wurde der 67-Jährige dagegen freigesprochen.

Der Fall Weinstein war Auslöser für die Erstarkung der #MeToo-Bewegung, die Frauen dazu ermutigt, ihre Erfahrungen sexueller Übergriffe unter diesem Hashtag zu teilen.

Über die Machenschaften von Harvey Weinstein wussten eigentlich viele Personen in Hollywood Bescheid, doch der Filmmogul war dermaßen mächtig und die Schauspieler, Regisseure und Agenten so abhängig von ihm, dass sich offenbar niemand traute, die Wahrheit auszusprechen. Mit den öffentlichen Anschuldigungen gegen Weinstein und dem Aufwind der #MeToo-Bewegung änderte sich in dieser Hinsicht einiges in der US-Traumfabrik Hollywood.

Mehr Schutz für Schauspielerinnen

Wie die deutsche Schauspielerin Karola Raimond gegenüber dem SRF sagte, gebe es "ein neues Bewusstsein in der Filmindustrie". So sei es mittlerweile möglich, sexuelle Belästigung anzusprechen – vor wenigen Jahren war dies noch undenkbar. Nachdem der Weinstein-Skandal 2017 von der "New York Times" öffentlich gemacht wurde, begannen Jahre der Aufarbeitung krasser Missstände. Scheinbar mit Erfolg, wie Raimond bemerkt: "Als Schauspielerin hast du das Gefühl, dass du mehr Schutz hast."

Bei Verdacht auf sexuelle Übergriffe fackeln manche Studios nicht lange. So entschieden sich die Macher des quasi schon fertig produzierten Films "All the Money in the World" etwa dazu, alle Szenen mit dem Schauspieler Kevin Spacey mit einem anderen Schauspieler nochmals neu zu drehen. Spacey wurde im Vorfeld von mehreren Männern sexuelle Belästigung vorgeworfen.

 Entertainment Bilder des Tages US filmmaker and actor Woody Allen attends a presser in San Sebastian, Spain, 09 July 2019, on occasion of the beginning of his latest film s shooting in San Sebastian. Allen will begin sooting his latest work, starring among others Christoph Waltz, Louis Garrel and Spanish actress Elena Anaya from 10 July until 23 August in San Sebastian. Woody Allen to begin film set in San Sebastian ACHTUNG: NUR REDAKTIONELLE NUTZUNG PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xJavierxEtxezarretax GRAFCAV6232 20190709-636982799182009129

Steht im Verdacht, seine Adoptivtochter missbraucht zu haben: Woody Allen. Bild: www.imago-images.de

Auch Woody Allens neuester Streich "A Rainy Day in New York" wird seit Monaten nicht veröffentlicht, weil dem Regisseur von der eigenen Adoptivtochter sexueller Missbrauch vorgeworfen wird. Allen weist jegliche Anschuldigungen von sich.

Studios nehmen Problem ernst

Die Hollywood-Studios nehmen die Sache sehr ernst, wie auch das Aufkommen von sogenannten "Intimacy Directors" zeigt. Diese werden am Set bei intimen Szenen mit Körperkontakt gebraucht: Sie stellen sicher, dass für alle Beteiligten keine Grenzen überschritten werden. Früher wurden solche Szenen gedreht, ohne im voraus die Schauspieler abzuholen, wie Marcus Watson, ein sogenannter Intimacy Director, zuständig für intime Szenen, gegenüber SRF bestätigt:

"Viele Schauspielerinnen und Schauspieler haben früher unangenehme Erfahrungen gemacht. Wir stellen sicher, dass die individuellen Ängste berücksichtigt werden, und dass beim Dreh alle die Macht über ihren Körper behalten."

Die Angst vor Anschuldigungen ist bei männlichen Produzenten und Regisseuren spürbar, meint Raimond. Viele trauten sich nicht mehr, sich alleine mit Nachwuchs-Schauspielerinnen zu treffen. Der Verdacht alleine reiche oftmals aus, um den Ruf zu zerstören. Laut Raimond gibt es jedoch auch kritische Stimmen:

"Es gibt hier auch Stimmen, die denken, dass es etwas zu weit gegangen ist, dass zu viele Karrieren von sehr talentierten Künstlern zerstört wurden."

Auch rechtlich ist die Lage für die Schauspielerinnen verbessert worden. Sogenannte Verschwiegenheitsklauseln werden in gewissen Bundesstaaten bei Vorwürfen sexueller Belästigung eingeschränkt. Früher waren solche Verträge das Frei-Ticket für Täter wie Weinstein, da sexuelle Übergriffe dadurch geheimgehalten wurden. Brenda Guttierez, eine der Pioniere der #MeToo-Bewegung zeigt sich erfreut über die Entwicklung in Hollywood: "Vieles ist definitiv besser geworden. Übergriffe werden nicht mehr verschwiegen. Natürlich kann vieles noch besser werden. Aber es braucht Zeit, jahrzehntealte Missstände auszumerzen."

(mim/watson.ch)

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