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SAN DIEGO, CA - JULY 20:  E-scooters from Lime and Bird sit outside San Diego Comic-Con on July 20, 2018 in San Diego, California. More than 100,000 attendees are expected at the annual comic and entertainment convention.  (Photo by Mario Tama/Getty Images)

Bild: Getty Images

Stadt versinkt in E-Scootern – und zwei Typen machen ein Geschäft daraus

Praktisch keine Stadt auf der Welt, in der man nicht auf E-Scooter trifft. Überall fahren Menschen geräuschlos durch die Straßen – und lassen die Scooter dann irgendwo stehen oder liegen. Vor allem in San Diego.

Dario Cantieni / watson.ch

Februar 2018: Das Unheil nimmt seinen Anfang. San Diego bekommt seine eigenen E-Scooter. Verschiedene Start-ups wie "Bird" oder "Lime" bieten ihre smoothen Gefährte der breiten Masse zur Fortbewegung an. Etwas, das zur umweltfreundlichen Ausrichtung der Stadt passt.

San Diego will die Treibhausgasemissionen senken. Schnell finden sich bis zu 30.000 Benutzerinnen und Benutzer auf den E-Scootern wieder. Ein Boom, wie er im Buche steht.

Doch bereits im folgenden Sommer wehren sich diverse Geschäftsinhaber und Bewohner der Stadt gegen die motorisierten Trottinette. Der Türsteher eines Clubs sagt zur "New York Times", dass die E-Scooter vor dem Club herumgeworfen wurden und BesucherInnen darüber stolperten. Außerdem habe er mindestens 20 Unfälle mit E-Scootern beobachtet.

Allgemein kommt es immer wieder zu teils schweren Unfällen. Im Frühling erschien eine dreimonatige Studie des "Centers for Disease Control and Prevention" und den "Public Health and Transportation Departments" in Austin, Texas, die aufzeigt, dass pro 100.000 Rollerfahrten 20 Menschen verletzt wurden.

So kam es, dass die Aktivistengruppe "Safe Walkways" Beschwerde gegen die E-Scooter bei den Regierungsbehören in San Diego einreichten. Die über Facebook organisierte Gruppe demonstrierte außerdem auf der Promenade des Mission Beach und hielt Schilder in die Höhe mit "Safety Not Scooters" oder "BoardWALK".

So ist's heute

Die Stadtverwaltung von San Diego will jetzt etwas gegen die Masse der Roller unternehmen. Praktisch an jeder Ecke sieht man irgendwelche Gefährte rumliegen. Bis zu 70 auf einem Haufen, so eine Reporterin der "New York Times". Das soll sich ändern – und zwar mit Regulierungen.

Im Juli dieses Jahres beschränkte San Diego die Bewilligungen der E-Scooter auf 20.000 Stück. Außerdem wurden an drei Tagen 2500 E-Scooter beschlagnahmt, die gegen das Parkverbot verstießen.

So sieht's aktuell an manch einer Ecke in San Diego aus. Der originale NYT-Artikel zum Thema. twitter

Man habe den E-Scooter-Betreibern klar gemacht, dass man mit aller Härte gegen sie vorgehen werde, so die Stadtverwaltung. Diese räumen zum Teil Fehler ein und sind bestrebt, ihre Fahrzeuge sicherer zu machen. So rüsten sie beispielsweise die E-Scooter mit besseren Akkus, größeren Rädern oder längerer Laufzeit aus.

So machen zwei Typen Geld

Bei allem Ärger, zwei Bewohner von San Diego dürfen sich über die E-Scooter-Flut freuen. Nämlich Dan Borelli und John Heinkel von "ScootScoop". Sozusagen E-Scooter-Kopfgeldjäger.

Der Verleiher und der Abschleppdienst-Betreiber haben sich nämlich zusammengetan und räumen eigenhändig die E-Scooter von privatem Grund und Boden. Weil diese da illegalerweise abgestellt wurden, werden sie jetzt von den beiden gesammelt und den E-Scooter-Betreibern in Rechnung gestellt.

50 Dollar fürs Einsammeln, 2 Dollar pro Tag fürs Lagern. Ein Geschäft, das sich lohnen dürfte, haben sie doch schon über 12.500 E-Scooter abgeschleppt. Im Auftrag von 250 ortsansässigen Firmen. Einige Betreiber hätten ihre Gefährte tatsächlich wieder zurückgekauft, freuen sich die beiden in der "New York Times".

Viel Grund zur Freude haben sie aber nicht lange. Die beiden E-Scooter-Kopfgeldjäger wurden von den großen Betreibern "Lime" und "Bird" verklagt, legten aber Berufung ein.

Lindsey Haswell, Kommunikationsleiterin von "Lime", bezeichnete die beiden als "opportunistische Geschäftsleute, die auf den Straßen Roller stehlen, ohne das Gesetz zu respektieren und versuchen, auf Kosten von San Diego Profit zu machen."

Und so wird der E-Scooter-Krieg in San Diego wohl noch eine Weile weitergehen, denn Haswell gibt sich in der "New York Times" kämpferisch und meint: "Wir haben in San Diego ebenso viele Anhänger wie Kritiker."

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