International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Bild: imago/montage

So kam es zur ersten offiziellen Lüge von Donald Trump

23.08.18, 15:29

Ralph Steiner

7,6 am Tag. Das ist nicht die Anzahl Burger oder Becher Cola, die Fast-Food-Liebhaber Donald Trump täglich zu sich nimmt. Nein, durchschnittlich 7,6 falsche oder irreführende Aussagen des US-Präsidenten hatte der Fact Checker der Washington Post bis Anfang August dokumentiert. In 558 Tagen US-Präsidentschaft sind das insgesamt 4229 Aussagen – falsche oder irreführende.

Von seinen Beratern, seinen Pressesprechern, wurde Trump lange gedeckt. Man erinnere sich nur an den kuriosen Auftritt von Kellyanne Conway, die einst von alternativen Fakten sprach. Trumps Rechtsanwalt Rudy Giuliani erklärte vor einigen Tagen dann:

"Wahrheit ist nicht Wahrheit."

Dass man Trumps Aussagen Lügen nennen sollte, fordern Kritiker des Präsidenten schon lange. Wie die "Washington Post" schreibt, habe man jedoch lange gezögert, Verbales, das Donald Trump von sich gegeben hat und das durch den Fact Checker ging, als Lüge zu bezeichnen. Es sei schwierig, zu dokumentieren, ob der Präsident wisse, dass er nicht die Wahrheit sage. Bis jetzt.

Es geht um die mittlerweile bekannten Fälle von Schweigegeldzahlungen an Pornostar Stormy Daniels und Playboy-Model Karen McDougal. Diesbezüglich kam die erste Leugnung bereits vier Tage vor der Wahl Trumps zum Präsidenten der USA, als seine Sprecherin Hope Hicks ohne Absicherung sagte: "Wir wissen nichts davon."

Die zweite Lüge datiert die "Washington Post" auf den Januar dieses Jahres, als Trump-Anwalt Michael Cohen meinte, die Anschuldigungen seien "seltsam". Im März hieß es von zwei Sprechern des Präsidenten – Raj Shah und Sarah Huckabee Sanders – öffentlich, dass Trump alle Behauptungen und Zahlungen verweigere. Auch der Anwalt Cohens beteiligte sich an der Diskussion und erklärte, dass der Präsident "nichts davon wusste".

White House press secretary Sarah Huckabee Sanders listens to a question during the daily press briefing at the White House, Wednesday, Aug. 22, 2018, in Washington. (AP Photo/Alex Brandon)

Sarah Huckabee Sanders Bild: AP

Mit einem einfachen "Nein" antwortete Trump im April auf die Frage, ob er von einer Zahlung an Pornostar Stormy Daniels (bürgerlich: Stephanie Clifford) wisse.

Von einer Lüge nichts wissen wollte auch Trump-Sprecherin Sanders am Mittwoch, es sei "eine lächerliche Anschuldigung" zu sagen, der Präsident habe das amerikanische Volk angelogen.

Wie die "Washington Post" nun schreibt, biete das Schuldbekenntnis von Trumps Anwalt Cohen unbestreitbare Beweise dafür, dass Trump und seine Verbündeten bezüglich Zahlungen an Stormy Daniels und Playboy-Model Karen McDougal nicht ehrlich gewesen waren.

Die erste Lüge: "Kein Wissen"

Am 4. November 2016

Vier Tage vor der Wahl Trumps berichtet das "Wall Street Journal", dass der "National Enquirer" zugestimmt hat, 150.000 Dollar an McDougal für eine angebliche Affäre mit Donald Trump zu bezahlen, dies aber nicht veröffentlicht. Die Herausgeberin des Promiblatts "National Enquirer", die American Media Inc. (AMI), versucht sich mit einer Erklärung aus der Affäre zu ziehen.

Fakt ist heute, dass Trumps Anwalt Michael Cohen mit dem Vorsitzenden von AMI im August 2015 eine Vereinbarung schloss, wonach AMI negative Geschichten über Trumps "Beziehungen zu Frauen" behandeln würde, indem es sie kauft und dann nicht veröffentlicht. Im August 2016 erhielt Playboy-Model McDougal von AMI 150.000 Dollar für die Rechte an ihrer Story – die der "National Enquirer nie veröffentlicht hat". Vor Gericht sagte Cohen, er habe auf "Antrag des Kandidaten" gehandelt und gewusst, dass dies illegal sei.

FILE - In this Aug. 21, 2018 file photo, Michael Cohen, former personal lawyer to President Donald Trump, leaves federal court after reaching a plea agreement in New York. Investigators in New York state issued a subpoena to Cohen as part of their probe into the Trump Foundation, an official with Democratic Gov. Andrew Cuomo's administration confirmed to The Associated Press on Wednesday, Aug. 22. (AP Photo/Craig Ruttle, File)

Trumps Anwalt Michael Cohen Bild: ap

Mehr Offenbarungen, mehr Desinformation

12. Januar 2018

Das "Wall Street Journal" berichtet über eine Zahlung von 130.000 Dollar an Stormy Daniels. Das Weiße Haus und Cohen umgehen Fragen zur Zahlung und leugnen, dass je eine Affäre stattgefunden hat. Cohen sagt: 

"Das ist jetzt das zweite Mal, dass Sie merkwürdige Anschuldigungen gegen meinen Klienten erheben. Sie haben über ein Jahr lang versucht, diese falsche Geschichte weiterzuführen; eine Geschichte, die seit mindestens 2011 von allen Parteien bestritten wird."

Die Lüge entwickelt sich: Cohen hat die Überweisung selbst bezahlt

13. Februar 2018

Michael Cohen erzählt der "New York Times", dass er sein eigenes Geld benutzt habe, um Pornostar Stormy Daniels zu bezahlen.

"Weder die Trump-Organisation noch die Trump-Kampagne waren an der Transaktion mit Ms. Clifford beteiligt und haben mir die Zahlung weder direkt noch indirekt erstattet. Die Zahlung an Ms. Clifford war rechtmäßig und war weder eine Wahlkampfspende noch eine Wahlkampfausgabe."

Fakt ist heute, dass Cohen, der sich schuldig zu zwei Verstößen gegen das Wahlkampf-Finanzgesetz bekennt, sagte, dass er von der Trump-Organisation entschädigt wurde. Gerichtseinreichungen zeigten, dass das Unternehmen die Zahlungen zur Deckung von Cohens Steuern "hochgerechnet" hat und auch einen Bonus in Höhe von insgesamt 420.000 Dollar an Zahlungen hinzufügte.

7. März 2018

Sarah Huckabee Sanders, die Sprecherin des Weißen Hauses, sagt gegenüber Medien: "Ich habe mit dem Präsidenten darüber gesprochen. Es gab keine Kenntnis von irgendwelchen Zahlungen des Präsidenten und er hat all diese Anschuldigungen zurückgewiesen."

9. März 2018

Stormy Daniels Anwalt Michael Avenatti veröffentlicht E-Mails, die zeigen, dass Cohen seine Trump-Organization-Mailadresse verwendet hat, um die Überweisung von 130.000 Dollar zu tätigen. Cohen sagt zur E-Mail-Adresse, dies bedeute nichts, "ich habe sie im Grunde für alles benutzt".

26. März 2018

Stormy Daniels äußert sich in einem Gespräch auf "CBS" zur Affäre mit Donald Trump. Raj Shah, Sprecher des Weißen Hauses, wird gefragt, ob Trump gegen Wahlkampf-Finanzgesetze verstoßen hat, verweist aber auf dessen Anwalt Cohen:

"Der Präsident hat die zugrunde liegenden Behauptungen entschieden, klar und konsequent zurückgewiesen."

28. März 2018

Cohen-Anwalt David Schwartz sagt gegenüber "CNN": "Der Präsident wusste nichts von der Vereinbarung. Zumindest hat Michael Cohen ihm nie von der Vereinbarung erzählt. Das kann ich Ihnen sagen."

Fakt ist heute: Cohen, schuldig plädierend, sagte, dass er "in Koordination mit und auf Anweisung eines Kandidaten für ein Bundesamt" arbeitete. Um Zahlungen zu leisten und um McDougal und Daniels davon abzuhalten, ihre Geschichten zu erzählen.

5. April 2018

Donald Trump sagt zu Reportern, dass er nichts von der 130.000-Dollar-Zahlung wusste. Die "Washington Post" druckt folgende Konversation ab:

Reporter: "Wussten Sie von der Zahlung von 130.000 Dollar an Stormy Daniels?"

Trump: "Nein, nein, nein."

Reporter: "Warum hat Michael Cohen dann (die Zahlung) geleistet, wenn alles nicht wahr sein sollte?"

Trump: "Sie müssen Michael Cohen fragen. Michael ist mein Anwalt, Sie müssen Michael fragen."

Reporter: "Wissen Sie, woher er das Geld für diese Zahlung hat?"

Trump: "Nein, ich weiß es nicht."

Fakt ist heute, dass jede Antwort falsch war. Donald Trump wusste von der Zahlung, er wusste, dass Cohen sie tätigte, um die Geschichte zu töten und er wusste, dass Cohen dafür entschädigt wurde.

President Donald Trump speaks before presenting Valerie Nessel the Medal of Honor for her husband Air Force Tech. Sgt. John A. Chapman, posthumously for conspicuous gallantry, during a ceremony in the East Room of the White House in Washington, Wednesday, Aug. 22, 2018. (AP Photo/Andrew Harnik)

Wie weiter mit Donald Trump? Bild: AP

Die Lüge verschiebt sich wieder: Trump "wusste von der allgemeinen Regelung"

2. Mai 2018

Anwalt Rudy Giuliani sagt gegenüber "Fox News", dass Trump Cohen die Zahlung von 130'000 Dollar zurückerstattet hat, es aber nicht als Verletzung der Kampagnenfinanzierung angesehen werden könne.

Giuliani sagt weiter:

"Er (Trump) wusste nichts von den Einzelheiten, soweit ich weiß. Aber er wusste von der allgemeinen Regelung, dass sich Michael um solche Dinge kümmern würde."

3. Mai 2018

Trump setzt zum vermeintlichen Arrangement einen Tweet ab und bekräftigt erneut, dass das geflossene Geld nichts mit dem Wahlkampf zu tun habe.

Fakt ist heute: Es handelte sich bei dieser Aussage um eine Lüge. Die Trump Organization hat Cohen die oben erwähnten 420'000 Dollar zurückerstattet, in monatlichen Raten an 35'000 Dollar. Verbucht wurden sie als Vorschuss für juristische Arbeiten. Die Staatsanwaltschaft schrieb: "Die monatlichen Rechnungen, die Cohen eingereicht hatte, standen nicht im Zusammenhang mit irgendwelchen juristischen Dienstleistungen, die er 2017 erbracht hatte."

Die Lüge entfaltet sich

4. Mai 2018

Trumps Anwalt Rudy Giuliani veröffentlicht eine Erklärung und behauptet, die Zahlung an Stormy Daniels sei nur dazu gedacht gewesen, "die Familie des Präsidenten vor schmerzhafter Werbung über eine angebliche Affäre zu schütze" und, dass "es auf jeden Fall geschehen wäre, ob er nun ein Kandidat war oder nicht".

Fakt ist heute: Der Deal mit Daniels war Teil einer Vereinbarung, um Donald Trump vor negativen Geschichten zu schützen.

22. August 2018

In einem Interview mit Fox News versuchte Präsident Trump, das Thema neu zu formulieren. Er bestand darauf, dass die Zahlungen keine "Wahlkampfverletzung" gewesen seien. Die Zahlungen "kamen nicht aus der Kampagne" sagte er. "Sie kamen von mir."

Laut der "Washington Post" sagt Trump nach Monaten des Lügens und Täuschens immer noch nicht die Wahrheit.

So einfach kannst du Trump anrufen

Diese Promis sollten unbedingt in die Politik gehen

Trump, Trump, Trump:

Trump will weiter kritische Twitter-Follower verbannen können

Ihre Königliche Hoheit, Präsident Donald J. Trump – will sich notfalls selbst begnadigen

Soziopath, Hochstapler, Egomane: Netflix-Doku zeigt den wahren Donald Trump

Merkel ist auch wegen Trump erneut angetreten – sagt ein Obama-Vertrauter

Trump, der Unberührbare – was hinter seiner neuen Verteidigungsstrategie steckt

Trump nach Rassismus-Tweet von Roseanne: "Bei mir hat sich ABC nie entschuldigt!"

Warum Trump gerade einen Super-Bowl-Champion aus dem Weißen Haus ausgeladen hat

Ein bisschen gut für die Demokratie – ein bisschen sehr gut für Angela Merkel

"So unfair, so böse"– Trump sauer wegen Spekulationen um seine Melania

In diesem "bescheidenen" Hotel treffen sich Donald Trump und Kim Jong-un

Warum Trumps Null-Toleranz-Politik an der US-Grenze nicht normal ist

Trumps nächster Berater tritt zurück - Nummer 18 auf unserer Liste

Der Angriff in Syrien hat sich gelohnt – zumindest für Trump

Er liebt Trump und Taylor Swift – jetzt wurde der "Asian-Nazi" verhaftet 

Affäre um Porno-Star: FBI durchsucht Büro von Trumps Anwalt

19 mal "Soo Saaad!": Erinnerst du dich an diese Trump-Aussteiger?

5 Attacken auf Trump – jetzt schlägt der US-Präsident auf Twitter zurück

Donald Trump droht mit Raketenangriff nach Giftgasangriff auf Syrien

Boxer mit Trump-Mauer auf Shorts wird von Mexikaner zerstört

Luftangriffe auf Syrien – Trump will Truppen schnellstmöglich abziehen

Mueller hat neue Beweise und bringt damit Trump-Anwalt immer mehr in die Klemme

Comey: Trump ist "moralisch nicht geeignet" fürs Präsidentenamt

Trump feuert Außenminister Rex Tillerson – weil der seinen Job macht

Der US-Senat bestätigt Hardliner Pompeo als Außenminister – so kam's

Wer hat Angst vor der Waffenlobby NRA? Donald Trump

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wegen Sex im Auto – Malaysia lässt lesbisches Paar auspeitschen

Malaysia steht wegen der Verhängung einer Prügelstrafe gegen ein lesbisches Paar in der Kritik. Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" forderte das südostasiatische Land am Mittwoch auf, auf die Auspeitschung von zwei Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren zu verzichten.

Sie hatten in einem Auto Sex miteinander. Deshalb wurden sie zu sechs Hieben mit einem Bambusstock verurteilt. In einem Prozess hatten sie sich schuldig bekannt. Die Strafe soll am 3. September vollstreckt …

Artikel lesen