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Bild: Digital Vision/getty/watson montage

Trumps Rede zeigt: Der Mann verliert seine Macht

Keine Überraschungen, kein Punch: Die State-of-the-Union-Rede des Präsidenten war ein Abbild seiner Situation unter den neuen Machtverhältnissen in Washington.

Philipp Löpfe / watson.ch

Der Präsident braucht dringend einen neuen Redeschreiber. Seine State-of-the-Union-Rede war langweilig, so langweilig, dass danach selbst die Witze der Comedians wie Stephen Colbert, Trevor Noah, Jimmy Kimmel & Co. flach waren.

Donald Trump hatte altbekannte Lügen und Prahlereien wiederholt, die von den emsigen Fakten-Checkern widerlegt worden waren, noch bevor er in die Zielgerade seiner mehr als 80 Minuten dauernden pathetischen Ansprache einbog.

Im Vorfeld der Rede hatte Trump Großes angekündigt. Doch der Berg hat eine Maus geboren: Kein Ausweg aus der Mauer-Frage, keine Ankündigung des Notrechts, unverbindliche Versprechungen. Trauriger Höhepunkt war die Ankündigung, dass Trump sich Ende Februar erneut mit Nordkoreas Diktator Kim Jong Un treffen will.

Trump verliert an Macht. Das hat seine Rede deutlich gemacht. Die verlorenen Midtermwahlen, die Schlappe beim Shutdown und die Souveränität von Nancy Pelosi, der Mehrheitsführerin im Abgeordnetenhaus, zeigen Spuren.

Trump hat sich in eine Sackgasse manövriert. Trotzig hält er an seiner Absicht fest, eine Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen. Unablässig wiederholt er Schauergeschichten von Karawanen, die in die Vereinigten Staaten eindringen und nichts ahnende Amerikaner ermorden und Frauen vergewaltigen wollen.

Einen Plan, wie er seine Mauer finanzieren will, hat er hingegen nicht vorgelegt. Die Demokraten werden ihm mit ihrer Mehrheit im Abgeordnetenhaus die Mittel verweigern. Einen zweiten Shutdown wird der Präsident nicht riskieren, zu katastrophal waren die Folgen. Mittels Notrecht die Mauer zu erzwingen ist keine gute Idee. Davon raten ihm selbst die Schmeichler in der eigenen Partei ab.

Trumps Rede wurde eingerahmt von einem Appell an die Gemeinsamkeit und die Überparteilichkeit. Es war eine Farce. Stunden zuvor noch hatte der Präsident Chuck Schumer, den Anführer der Demokraten im Senat, als "Hundesohn" bezeichnet und den ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden als "dumm" gescholten.

In seiner Rolle als Vermittler wirkt Trump etwa so glaubwürdig wie Dschingis Khan als Friedensstifter. Die State-of-the-Union-Rede war, was man in Washington neuerdings als großen "Nothingburger" bezeichnet. Oder um es mit Shakespeare auszudrücken, sie war "Full of sound and fury, signifying nothing."

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Video: watson/Max Biederbeck, Lia Haubner

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