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Will dass der Virus sich an seinen Zeitplan hält: Präsident Trump. Bild: imago/ Sarah Silbiger

Trumps gefährliche Corona-Propaganda: So ringen US-Sender mit ihm

Philipp Löpfe / watson.ch

Einzelne Regionalstationen des öffentlichen amerikanischen TVs haben sich bereits aus den täglichen Briefings des amerikanischen Präsidenten verabschiedet. Am Montag haben die führenden Kabelstationen MSNBC und CNN vorzeitig eine Übertragung einer Pressekonferenz Donald Trumps abgebrochen.

Grund für die drastische und einmalige Aktion ist die Tatsache, dass Trump die täglichen Pressekonferenzen in eine Art Mini-Wahlkampf-Veranstaltungen verwandelt hat. Anstatt seine Bürgerinnen und Bürger besonnen über den Stand von Covid-19 zu orientieren und die entsprechenden Maßnahmen zu erläutern, verbreitet er eine Mischung aus Prahlerei und Fake News.

Das sieht dann etwa so aus:

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Video: YouTube/NBC News

Der Kampf der US-Sender mit dem lügenden Präsidenten wird weitergehen. Mehrere führende TV-Köpfe haben sich in den vergangenen Tagen dafür ausgesprochen, die Aussagen Trumps auszublenden und stattdessen die Experten zu Wort kommen zu lassen.

Trump gibt sich selbst bei seinem Kampf gegen das Virus zehn von zehn Punkten. Er rühmt den "unglaublichen und fantastischen Job", den er und sein Team leisten. Er verbreitet gefährliche Halbwahrheiten über ein Malaria-Medikament. Er erklärt im Brustton der Überzeugung, keinen einzigen Fehler begangen zu haben, und kanzelt Journalisten ab, die kritische Fragen stellen.

Director of the National Institute of Allergy and Infectious Diseases at the National Institutes of Health Dr. Anthony Fauci waits for President Donald Trump to deliver remarks on the COVID-19 Coronavirus pandemic alongside members of the Coronavirus Task Force in the Brady Press Briefing Room at the White House in Washington, DC, March 25, 2020, in Washington, D.C. PUBLICATIONxNOTxINxUSA Copyright: xSarahxSilbigerx

Steht oft ratlos im Hintergrund: Immunologe Anthony Fauci., ein führender Berater der US-Regierung. Bild: imago/ Sarah Silbiger

Vor allem aber benützt er nun die Pressekonferenzen für sein bisher gefährlichstes Unterfangen: Er will bereits nach Ostern, also am 12. April, den Ausnahmezustand wieder aufheben und die Amerikanerinnen und Amerikaner wieder zur normalen Arbeit schicken. Er wolle nicht, dass "das Kurieren der Krankheit schlimmer sei als die Krankheit selbst", so Trump.

Ostern sei doch der ideale Zeitpunkt, so der Präsident. Er wünsche sich, dass dann die "Kirchen gerammelt voll seien", und die Menschen danach wieder ihrer normalen Tätigkeiten nachgehen werden.

Epidemiologen wähnen sich im falschen Film. Der Präsident spricht von vollen Kirchen und Rückkehr zur Normalität zu einem Zeitpunkt, da die Epidemie so richtig Fahrt aufnimmt. Mehr als 68.000 Menschen sind in den USA mittlerweile mit dem Coronavirus infiziert, über 1000 Todesopfer hat Covid-19 bereits gefordert.

Besonders schlimm ist die Lage in New York City. Dort werden rund die Hälfte der Infizierten gezählt. In den Spitälern werden die letzten Betten auf den Intensivstationen verteilt. Tote müssen in Kühllastwagen gelagert werden. Ärzte sprechen von "apokalyptischen Zuständen".

Schockierende Studie für die USA

In der "New York Times" haben Spezialisten Modellrechnungen erstellt, die den Verlauf der Epidemie mit oder ohne strikte soziale Distanzierung aufzeigen. Das Resultat: Wird die Maßnahme nach zwei Wochen aufgehoben, werden bis zu 128 Millionen Menschen angesteckt. Bleiben die Maßnahmen zwei Monate in Kraft, dann sind es noch 14 Millionen Menschen.

Tom Inglesby von der Johns-Hopkins-University, einer weltweit führenden Instanz auf dem Gebiet der Pandemie, erklärt dazu:

"Jeder, der nun die Aufhebung der sozialen Distanzierung empfiehlt, muss sich im Klaren darüber sein, was dies für das Land bedeutet. Covid würde sich weit, schnell und schrecklich verbreiten und könnte möglicherweise in den kommenden Jahren Millionen Menschen töten und gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Schaden anrichten."

Selbst der Experte des Weißen Hauses, Fauci, weist darauf hin, dass sich "das Virus leider nicht an einen Zeitplan halte" und man deswegen flexibel reagieren müsse.

Trump schert sich nicht darum. Er will an seinem Plan festhalten, denn er weiß, dass zumindest die Mehrheit seiner Partei und führende Wirtschaftsvertreter hinter ihm stehen.

Republikaner verschlimmern das Chaos

Das Verhalten von vielen maßgebenden Vertretern der Grand Old Party ist jenseits von gut und böse. In Florida beispielsweise weigert sich Gouverneur Ron DeSantis, ein Hardcore-Trump-Fan, bis heute, Restaurants zu schließen und Ansammlungen von Menschengruppen zu verbieten. Florida ist ein Rentnerparadies und hat gute Chancen, New York bald als Epizentrum der Epidemie abzulösen.

Andere republikanische Gouverneure tun es ihm gleich. So hat etwa im Bundesstaat Mississippi Gouverneur Tate Reeves die Schutzmaßnahmen einzelner Städte wieder aufgehoben.

March 20, 2020, Daytona Beach, United States: People enjoy the sun and surf during a spring break at Daytona Beach after Florida Governor Ron DeSantis refused to order the state s beaches closed as the number of COVID-19 cases increases across the state. Local officials have closed other Florida beaches, including those in Miami, Ft. Lauderdale, and Tampa. Daytona Beach United States - ZUMAs197 20200320zaas197191 Copyright: xPaulxHennessyx

Tut so, als wäre es ein ganz normaler Montag: Daytona Beach, Miami. Bild: imago/ Paul Hennessy

Dan Patrick, der Vize-Gouverneur von Texas, geht noch einen Schritt weiter. Er fordert, die Alten sollten sich opfern, damit die Jungen die sogenannte Herdenimmunität erwerben und so die Wirtschaft wieder in Schwung bringen können.

Die gleiche Forderung stellt auch Glenn Beck, ein ehemaliger Starmoderator von Fox News. "Lieber sterbe ich, als dass die Wirtschaft stirbt", erklärte er vollmundig. Es ist jedoch davon abzuraten, zu Ostern die Kirchen mit Menschen vollzupacken.

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