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Ein Totgesagter trumpft auf: Joe Biden am Dienstag in Los Angeles. Bild: ap / John Locher

Biden und Sanders müssen sich vereinen – dann schlagen sie Trump

Joe Biden ist nach dem Super Tuesday der klare Favorit für die Nominierung als Herausforderer von Donald Trump. Die Demokraten dürfen aber nicht den gleichen Fehler machen wie 2016 und Bernie Sanders ausgrenzen.

Peter Blunschi / watson.ch

Seltsame Dinge geschehen im US-Wahlkampf. Da lag Joe Biden gerade am Boden, angezählt und kurz vor dem K. o. Nun reckt er triumphierend die Fäuste. Am Super Tuesday hat sich der 77-jährige ehemalige Vizepräsident endgültig zum Favoriten für die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der Demokraten aufgeschwungen.

Es war kein Durchmarsch, aber eine beeindruckende Siegesserie. Die Strategie, die Kandidierenden des moderaten Flügels noch vor diesem Großkampftag hinter Biden zu versammeln, ist voll aufgegangen. Einige Erfolge stechen ins Auge, in erster Linie natürlich jener im gewichtigen Bundesstaat Texas mit seinem großen Latino-Anteil an der Bevölkerung.

Noch symbolträchtiger ist Bidens klarer Sieg in relativ wohlhabenden Massachusetts, der eine bittere Niederlage ist für Elizabeth Warren (es ist ihr Heimatstaat) und Bernie Sanders (er stammt aus dem benachbarten Vermont). Beide haben sich gegenseitig die Stimmen der linken Wählerschaft abgejagt.

Keine linken "Experimente"

Das passt zu Bidens Erfolgen in den Suburbs. In diesen Vororten haben die Demokraten bei den Midterms 2018 die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobert. Daraus lässt sich schließen, dass ein beträchtlicher Teil der demokratischen Basis wenig von linken "Experimenten" hält und einen Kandidaten will, der in die Mitte ausstrahlt.

Bernie Sanders ist nicht aus dem Rennen, er hat immerhin in Kalifornien gewonnen. Ansonsten verlief der Super Tuesday für ihn ernüchternd. Die "Washington Post" verweist darauf, dass die Beteiligung der Jungen – das wichtigste Segment des 78-jährigen Senators – unterdurchschnittlich war. Sanders’ vollmundige Behauptung, er könne die Jungen mobilisieren, hat sich in diesem Vorwahl-Zyklus bislang überhaupt nicht bestätigt.

Sanders ist nicht aus dem Rennen, aber für ihn wird es schwierig. Schon am nächsten Dienstag – einem "Mini Super Tuesday" mit Wahlen in sieben Staaten – könnte ihm Biden endgültig davonziehen. Für die Parteielite wäre dies ein Wunschszenario.

Und doch sie darf den Fehler nicht wiederholen, den sie bei den Wahlen vor vier Jahren gemacht hat.

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Trotz Siegerpose: Der Super Tuesday verlief für Bernie Sanders ernüchternd. Bild: reuters / MIKE SEGAR

Damals wurde Bernie Sanders nach einem erbitterten Vorwahl-Duell gegen Hillary Clinton faktisch marginalisiert, zum großen Ärger seiner eingefleischten Anhänger. Dies zeigte sich am Parteikonvent in Philadelphia. Als Sanders pflichtbewusst zur Wahl von Clinton aufrief, verließen einige seiner Fans unter wüstem Gesang die Arena.

Gemeinsame Wahlplattform

Viele blieben am Wahltag zu Hause, einige wählten Trump. Ein solches Szenario müssen die Demokraten so weit wie möglich verhindern. Das geht nur, wenn Biden und Sanders rechtzeitig aufeinander zugehen und eine gemeinsame Wahlplattform zimmern.

Biden und die "Moderaten" müssen anerkennen, dass Sanders mit seinen radikalen Ideen einen Nerv bei vielen Jungen trifft, für die die USA längst kein "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" mehr sind. Ein höherer Mindestlohn, ein besserer Zugang zu einer Krankenversicherung und zu Hochschul-Bildung gehören ins Wahlprogramm.

Sanders und seine Fans wiederum müssen einsehen, dass sich sein Programm selbst dann nicht umsetzen lässt, wenn er ins Weiße Haus einziehen sollte. Er dürfte an den Realitäten in Washington scheitern, ob im Kongress oder im Obersten Gerichtshof. Dieser könnte seine geplante Vermögenssteuer für Superreiche zum Beispiel als verfassungswidrig kassieren.

Bloomberg ist raus

Davor warnt Mike Bloomberg, der sonst durchaus der Meinung ist, dass Milliardäre wie er mehr Steuern zahlen sollten. Für den ehemaligen Bürgermeister von New York verlief der Super Tuesday ebenfalls frustrierend. Obwohl er 500 Millionen Dollar in Werbung investiert hat, lag Bloomberg in sämtlichen Bundesstaaten hinter Biden und Sanders.

Er hat seine Kandidatur inzwischen zurückgezogen – um seine finanzielle Feuerkraft in den Dienst von Joe Biden zu stellen. Und was Elizabeth Warren in diesen Vorwahlen noch erreichen will, weiß nur sie allein. Sie kann einzig Sanders’ Kandidatur beschädigen.

Kein idealer Kandidat

Kommt es zum Schulterschluss, sind die Chancen der Demokraten auf einen Sieg gegen Trump besser, als viele meinen. Natürlich wäre Biden kein idealer Kandidat. Er ist berüchtigt für seine verbalen Fehltritte, und in letzter Zeit leistete er sich Aussetzer, die Zweifel an seiner geistigen Fitness weckten und von Trump genüsslich ausgeschlachtet werden.

Kritiker verweisen zudem auf die Ukraine-Affäre um seinen Sohn Hunter Biden. Wer so argumentiert, verfällt dem Trump-Narrativ. Ist nicht der Präsident ein Ausbund an Korruption, der wie die Karikatur eines Mafioso regiert? Ist er mit komplexen Themen nicht total überfordert, wie derzeit sein Umgang mit der Corona-Krise zeigt?

Joe Biden hat eine reelle Chance gegen Donald Trump. Gefährlich für die Demokraten ist ein anderer Faktor. In Texas erhielten demokratische Wähler mysteriöse Roboter-Anrufe, in denen es hieß, die Wahl finde erst am Mittwoch statt. Sie sollten offensichtlich vom Wählen abgehalten werden. Es ist ein Vorgeschmack auf die schmutzigen Tricks, die bis zur Wahl im November zu erwarten sind.

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