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London, UK - July 30, 2018: The buttons of the photo app Instagram, surrounded by WhatsApp, Facebook, Messages and other apps on the screen of an iPhone.

Bild: iStock Unreleased

Die Tötung einer 17-Jährigen schreckt Instagram auf – die Plattform steht in der Kritik

Es ist eine schreckliche Tat, die gerade in den USA für Schlagzeilen sorgt: Ein Mann tötet mutmaßlich eine junge Frau und veröffentlicht dann Bilder ihrer Leiche auf Instagram.

Laut "Buzzfeed News" lud der Tatverdächtige sogar noch Fotos in seine Instagram-Story, als Polizeibeamte ihn schon gefasst hatten.

Der Fall entfacht erneut eine Debatte über die Verantworung von Social-Media-Plattformen und zeigt, wie Täter ihre Social-Accounts als eine Art Schaufenster missbrauchen können. Die Tech-Branche, das ist schon lange klar, steht beim Kampf gegen solche Inhalte vor großen Herausforderungen.

Was ist passiert?

Der Verdächtige in diesem Fall ist der 21-jährige Brandon C. Am Sonntag soll er die 17-jährige Bianca D. aus Utica im US-Bundesstaat New York ermordet haben.

Bianca D. hatte rund 35.000 Follower auf Instgram. Entgegen anders lautender, falscher Berichte waren Bianca D. und der Tatverdächtige kein Paar. D.s Schwester schrieb auf Instagram, C. sei ein "enger Freund der Familie" gewesen.

Wie der "Rolling Stone" berichtet, waren Bianca D. und Brandon C. am Samstag auf einem Konzert. Am Sonntag dann erstach C. mutmaßlich die Frau. Schon kurze Zeit später tauchten die ersten Fotos des Opfers auf Instgram, Discord und 4chan auf.

Nutzer von Discord benachrichtigten dann die Polizei in Utica.

Was geschah auf Instagram?

Ein Polizeibeamter berichtete dem "Rolling Stone", die Beamten hätten die Betreiber der Plattformen über die Opfer-Fotos benachrichtigt. Eine Antwort aber habe es nicht gegeben.

Auf Instagram ist der Account des Tatverdächtigen mittlerweile deaktiviert. "Wir haben auch Maßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass andere die auf diesem Konto geposteten Inhalte erneut in Instagram hochladen", sagte ein Sprecher von Instagram gegenüber dem "Rolling Stone".

Nutzer kritisierten die Betreiber der Plattform, dass Fotos des Opfers zu lange auf dem Netzwerk zirkuliert seien. Der Fall von Bianca D. zeigt einmal mehr: Erscheint Bildmaterial eines Verbrechens auf einem sozialen Netzwerk, brauchen die Betreiber noch immer zu lange, um die Aufnahmen wieder von der Plattform zu verbannen.

Social-Media-Anbieter stecken dabei in einem ewigen Dilemma.

Verlassen sie sich auf automatisierte Erkennung von strafbaren Inhalten, etwa Bilder eines Mords, von Hass-Verbrechen oder Terrorismus, laufen sie immer auch Gefahr, legale Beiträge ihrer User zu löschen, oder schlimme Fehler bei der Einschätzung von Sachverhalten zu machen.

Das passierte Youtube etwa beim Brand von Notre-Dame:

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Video: watson/max biederbeck, katharina kücke

Andere hochkritische Inhalte bleiben bis heute auf den Netzwerken stehen:

Auf der anderen Seite befürchten User sogenannten Over-Blocking, dass ihre freie Meinungsäußerung im Netz gefährden könnte. Im vergangenen Jahr hatte es deshalb zahlreiche Demonstrationen von Tausenden Menschen in Europa gegeben, um automatische Erkennungssysteme auf den Plattformen zu verhindern: die berüchtigten Upload-Filter.

Auf der anderen Seite machen sich Facebook, Instagram, Twitter und Co. mittlerweile strafbar, wenn sie illegale oder strafbare Inhalte zu lange auf ihren Plattformen haben. Sie müssen so schnell wie möglich reagieren. Gerade bei Live-Angeboten wie den Insta-Stories sind herkömmliche Melde-Systeme für User aber oft viel zu langsam, um eine Verbreitung zu verhindern.

Aktueller Beweis dafür: Laut "Mashable" waren Fotos der Leiche im Fall Bianca D. bis Dienstag immer noch auffindbar auf Instagram.

Wie geht es nun weiter?

Brandon C. wurde des Totschlags angeklagt. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft.

Nach der Tötung von Bianca D. riefen Nutzer auf Instagram dazu auf, Fotos des Opfers zu markieren und stattdessen Zeichnungen des Mädchens zu verbreiten.

(ll)

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