International
Boeing 737 MAX aircraft are parked at a Boeing production facility in Renton, Washington, U.S. March 11, 2019. REUTERS/David Ryder

Bild: rtr

Training auf dem iPad – schwere Anschuldigungen gegen Boeing und US-Flugaufsicht

Innerhalb kurzer Zeit sind zwei Flugzeuge des Typs 737 MAX abgestürzt. Rund 350 Menschen kamen bei den Unglücken ums Leben. Wie aus verschiedenen Medienberichten bekannt wurde, beschäftigt sich die US-Regierung seit Oktober mit dem ersten Absturz.

Das Verkehrsministerium untersuche dabei die Frage, ob die US-Flugaufsicht Federal Aviation Administration (FAA) geeignete Standards und Analysen bei der Zulassung des neuen Kontrollsystems MCAS genutzt habe. Dieses soll verhindern, dass der Schub der Triebwerke im Steigflug derart stark wird, dass sich die Maschine nicht mehr gerade ausrichten lässt. Bei beiden Vorfällen wurden nach dem Start äußerst unregelmäßige Flugkurven festgestellt.

Boeing kontrollierte sich selber

Die "Seattle Times" berichtet nun Brisantes: 2015 wollte Boeing seine neue Maschine möglichst rasch zertifizieren lassen. Die zuständige FAA ist ihrer Pflicht offenbar nicht nachgekommen und hat den Ingenieuren von Boeing teilweise die Verantwortung für die Testes des Kontrollsystems übertragen.

In anderen Worten: Boeing kontrollierte sich selber. Die Analysen würden aber erhebliche Mängel aufweisen – die Flugaufsicht hat dies aber nicht geprüft. Gegenüber der Zeitung haben sich derzeitige und ehemalige Ingenieure von Boeing zum Sicherheitsbericht des MACS geäußert. Sie wollten anonym bleiben.

"Die Leistungsfähigkeit des neuen Kontrollsystems wurde unterbewertet. (...) Nachdem das Flugzeug zum Einsatz kam, konnte das MCAS das Heck mehr als vier Mal weiter bewegen, als im Sicherheitsbericht angegeben."

Es wurde nicht berücksichtigt, wie sich das System zurücksetzten lässt, wenn der Pilot eingreift. Dadurch wurde die potentielle Wirkung, dass sich das Flugzeug nach unten neigt, missachtet.

(...) Selbst die Aktivierung des Systems bei Gefahrenstufe ‹gefährlich›, basierend auf dem Eingang eines einzigen Sensors, hätte ausgeschlossen werden müssen – und doch wurde es so konzipiert.»

Gepfuscht wurde auch bei der FAA

Laut "Seattle Times" hat die FAA Boeing über die Jahre immer mehr Befugnisse übertragen. Bei der Zertifizierung der späteren Unglücksmaschine wurden die Aufgaben geteilt. Mehrere Techniker der Flugaufsicht geben an, dabei von ihren Managern unter Druck gesetzt worden zu sein, damit die Maschine möglichst schnell zugelassen werde.

"Es gab keine vollständige und ordnungsgemäße Überprüfung der Dokumente", sagte ein ehemalige Ingenieur. Wichtig war offenbar nur, dass man im Zeitplan nicht weiter zurückfällt. Denn: Die Entwicklung des MAX war bereits neun Monate hinter dem Konkurrenten Airbus A320neo im Rückstand.

Und wenn eine weitere Deadline anrückte, sollen die Manager die Sicherheitsdokumente auch mal schnell selber unterschrieben haben – anstelle der technischen Experten.

Wollte Boeing Kosten sparen?

Das Kontrollsystem MCAS wurde eigentlich entwickelt, sich nur in extremen Situationen einzuschalten. Bei beiden Abstürzen wird aber vermutet, dass die Software maßgeblich zum Unglück beigetragen hat. Man geht davon aus, dass die Piloten das System nicht rechtzeitig deaktivieren konnten, obwohl der Hersteller wiederholt betont hat, dass dies möglich sei.

Boeing selber preist seinen neusten Flieger mit erheblichen Kostenvorteilen an. Airlines können angeblich "mit einer 737 MAX-Flotte Millionen von Dollar sparen". Der Verdacht liegt jetzt aber nahe, dass vor allem der Hersteller von Einsparungen profitieren wollte.

Denn: Boeing sah es nicht als Notwendigkeit an, Piloten für das neue System zu schulen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass die meisten Kapitäne davon nichts wussten – auch im Pilotenhandbuch soll das MCAS nicht vermerkt sein.

Dennis Tajer, Sprecher der Allied Pilots Association von American Airlines, hat bereits Erfahrung mit der Boeing 737 MAX. Er steuerte auch das Vorgängermodell 737 NG. Tajer sagt, er habe das Training für die neue Maschine während rund einer Stunde auf einem iPad absolviert. Flugsimulatoren kamen nicht zum Einsatz.

Weltweit wurden mehr als 5000 Flugzeuge vom Typ 737 MAX bestellt. Ohne Kurse und Trainings kann Boeing also eine ganze Menge Geld sparen.

(mit Material von reu/afp)

Das könnte dich auch interessieren:

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Bitte hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg merkt Favre nicht, dass das Mikro bereits an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotzdem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi noch kurz vor Auftritt: Wie er beim "Fernsehgarten" alle täuschte

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

"Null Toleranz gegen Rassismus" – und 5 weitere Punkte aus Merkels Bundestags-Rede

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

Helene Fischer: Erstes reguläres Konzert für 2020 angekündigt

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel

Helene Fischer verrät, für welche Gage sie am Anfang spielen musste

Link zum Artikel

Bachelorette Gerda verrät, was in ihrer ersten Nacht mit Keno wirklich passierte

Link zum Artikel

Als Gauland sich im ZDF verteidigen will, reicht es Lanz: "Albern, das ist albern"

Link zum Artikel

Helene Fischer erklärt, was vor Auszeit geschah: "So etwas noch nie erlebt"

Link zum Artikel

Kandidat zwingt RTL, "Bachelorette"-Finale zu ändern: "Wir waren selbst überrascht"

Link zum Artikel

"Hätten es besser machen können" – Salihamidzic gibt Fehler in Transferperiode zu

Link zum Artikel

"Höhle der Löwen": Gründer sorgte für Eklat in QVC-Sendung

Link zum Artikel

Neue Foto von Lena Meyer-Landrut sorgt für hämischen Helene-Fischer-Kommentar

Link zum Artikel

"Wer wird Millionär": Oliver Pocher lästert fies über Jauchs Millionen-Gewinner

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Informiert euch!": Greta Thunberg liest den Amerikanern in US-Show die Leviten

Greta Thunberg versuchte bei der "Daily Show" von Trevor Noah, die Amerikaner in Sachen Klimawandel wachzurütteln. Dabei nahm sie kein Blatt vor den Mund.

Fakten statt Lacher: Am Mittwoch war Greta Thunberg bei Trevor Noah zu Gast. Im Interview sprechen sie über das Engagement der 16-Jährigen. Warum es vor allem die jungen Leute seien, die sich so sehr mit der Klimathematik beschäftigen, will Noah wissen. Thunbergs Antwort:

Auch wenn sie für diese Antwort einige Lacher erntet, bleibt Thunberg größtenteils ernst. Sie tischt einen Fakt nach dem anderen auf. So spricht sie davon, dass die Leute zu wenig informiert seien und nicht genau wüssten, …

Artikel lesen
Link zum Artikel