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Das Coronavirus hat sich über die ganze Welt verteilt. Jetzt spürt die Wirtschaft seine Folgen. Bild: getty images / Victoria Gnatiuk

Coronavirus nimmt Einfluss auf Wirtschaft – Warum jetzt der Crash kommt

Coronavirus und Ölkrieg sorgen für Chaos an den Finanzmärkten. Die Frage ist nicht ob, sondern wie weit die Kurse in die Tiefe rauschen werden.

Philipp Löpfe / watson.ch

Die zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen, die sogenannte T-Bonds, sind der zuverlässigste Indikator für den Zustand der Weltwirtschaft. Jetzt ist die Rendite der T-Bonds unter 0.5 Prozent gesunken. Letztmals war dies beim Ausbruch des Golfkrieges im Jahr 1991 der Fall.

Wenn Investoren für eine langjährige Staatsanleihe praktisch keine Rendite mehr verlangen, dann bedeutet dies, dass sie nur noch eines wollen: Sicherheit. Und wenn diese Staatsanleihe von den USA emittiert wird, dann bedeutet dies: Die gesamte Weltwirtschaft ist in Gefahr, denn die USA sind der zuverlässigste Schuldner und amerikanische Wirtschaft ist nach wie vor die größte der Welt. Gerät Amerika in Schwierigkeiten, reißt es alle anderen in den Abgrund.

Die US-Wirtschaft ist definitiv in Schwierigkeiten. Zwischen Saudi-Arabien und Russland ist ein Ölkrieg ausgebrochen. Der Preis für das schwarze Gold ist gegen 30 Prozent eingebrochen. "Tiefe Ölpreise werden Houston in eine Geisterstadt verwandeln", sagt Stephen Innes, Chefstratege der Beratungsfirma AxiCorp in der "Financial Times". "Das erhöht die Gefahr von Pleiten und Krediten, die nicht mehr bedient werden."

Industrial landscape.  Oil pumps against the setting sun.

Ob die Ölpumpen in Bakersfield, Kalifornien bald stillstehen? (Symbolbild) Bild: getty images / Leonid Ikan

Dank dem Schieferöl sind die USA zum größten Ölproduzenten der Welt geworden. Bei einem Preis pro Fass von unter 30 Dollar lohnt sich jedoch das Fracking nicht mehr. Das hat zur Folge, dass die Schieferöl-Produktion rasch zum Stillstand kommt, mit verheerenden Folgen: Arbeiter werden entlassen, Unternehmen gehen bankrott, Banken sitzen auf faulen Krediten.

Der Ölkrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland hat die Finanzmärkte bereits in Aufruhr gesetzt. Die Japan ist der Nikkei-Index mehr als 5 Prozent gefallen. Die Futures für den Dow Jones und den S&P, die beiden wichtigsten US-Börsen ebenfalls. Der Dollar verliert an Wert. Die europäischen Börsen sind am Montagmorgen regelrecht abgestürzt.

Das wird weitreichende Folgen haben. Die US-Wirtschaft lebt zu rund 70 Prozent vom Konsum. Wer sein Vermögen schrumpfen sieht, hat wenig Lust zum Shoppen. Es ist damit zu rechnen, dass der Konsum schlagartig einbrechen wird und damit eine Verelendungsspirale in Gang kommt: Weniger Konsum führt zu mehr Arbeitslosigkeit, was wiederum den Konsum dämpft, etc.

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Wenn das Vermögen des US-Amerikaners schrumpft, kann der Konsum zurückgehen. Bild: getty images / Asawin_Klabma

Besonders betroffen von einem Börsencrash werden die Pensionierten sein, vor allem des oberen Mittelstandes. Ihr Altersvermögen ist mehrheitlich mit den sogenannten 401K-Plänen direkt mit den Aktienmärkten verbunden. Sinken die Kurse, sinken die Renten.

Es rächt sich jedoch generell, dass die US-Wirtschaft direkt vom Wohl der Aktienbörsen abhängig geworden ist. Der im längsten Börsenboom der Nachkriegszeit aufgebaute Wohlstand droht nun, über Nacht zu schmelzen. Daher hat die amerikanische Notenbank letzte Woche auch zu drastischen Maßnahmen gegriffen und den Leitzins um 0.5 Prozent gesenkt.

Die Wirkung ist bereits verpufft. Trumps Steuersenkung hat dazu geführt, dass die US-Unternehmen ihre Aktienrückkäufe nochmals massiv hochgefahren haben. Das hat den Boom beschleunigt, aber auch die Gefahr eines Absturzes erhöht.

Der bedingungslose Glaube an den Shareholder-Value wird sich nun rächen. Ein Crash wird den Amerikaner drastisch vor Augen führen, wie abhängig ihre Wirtschaft vom Wohl der Börsen geworden ist.

Dazu kommt, dass die USA sehr schlecht auf diesen Crash vorbereitet sind. Unternehmen und Privathaushalte sind höher verschuldet als 2008. Ob Unternehmensanleihen oder Auto- und Studentenkredite, alle befinden sich im tiefroten Bereich.

Die geringe soziale Absicherung wird sich ebenfalls rächen. Millionen von Amerikaner haben keine oder eine unzureichende Krankenversicherung und werden sich deshalb nicht auf Covid-19 testen lassen. Sie werden krank zur Arbeit gehen, weil sie keinen bezahlten Krankenurlaub haben. All dies wird die Ausbreitung des Coronavirus noch beschleunigen und damit die Panik anheizen.

Wie sieht es da für unsere Nachbarn aus der Schweiz aus?

Auch dort werden reihenweise Anlässe abgesagt, bleiben Sportstadien, Kinos und Bars leer; und bei der Swiss und den Hoteliers dürfte die Stimmung auch schon besser gewesen sein.

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Leere Tribünen beim Match zwischen EV Zug und den SC Langnau Tigers. Bild: imago images / Just Pictures

Anders als die USA besitzt die Schweiz jedoch sogenannte "automatische Stabilisatoren", will heißen: Instrumente, die verhindern, dass die Wirtschaft ungebremst absackt. Dazu gehören Krankenkassen, Arbeitslosenversicherung, etc. Die Schweizer AHV, in Deutschland mit der Rentenversicherung gleichzusetzen, ist bloß bedingt vom Zustand der Aktienmärkte abhängig. Wer krank ist, kann – ja muss – zu Hause bleiben, ohne dass er um seinen Lohn bangen muss.

Die Krise von 2009 hat zudem gezeigt, dass der Bund mit gezielten Maßnahmen wie Finanzierung von Kurzarbeit das Schlimmste verhindern kann. Wir können den Turbulenzen daher gefasst entgegenblicken. Aber lustig werden wird es nicht.

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