Nach dem schockierenden Urteil des Supreme Court gingen viele Menschen auf die Straße.
Nach dem schockierenden Urteil des Supreme Court gingen viele Menschen auf die Straße.Bild: dpa / Ben Gray

Nach schockierendem Urteil: US-Unternehmen wollen bei Schwangerschaftsabbrüchen helfen

28.06.2022, 16:1328.06.2022, 16:26

Am Freitag hat ein neues Urteil des obersten Gerichtshofs Entsetzen ausgelöst. Der US-Supreme Court hat das Abtreibungsrecht auf Bundesebene gekippt. Das Gericht hatte zuvor das seit 1973 bestehende und landesweit geltende Grundsatzurteil, das unter der Bezeichnung "Roe v. Wade" in die Rechtsgeschichte eingegangen ist, aufgehoben.

Die Folgen sind verheerend. Denn damit ist es den einzelnen Bundesstaaten freigestellt, Abtreibungen zu erlauben, sie einzuschränken oder auch komplett zu verbieten.

Demonstration gegen die Aufhebung des Urteils "Roe v. Wade".
Demonstration gegen die Aufhebung des Urteils "Roe v. Wade".Bild: imago images / imago images

Mehrere Unternehmen in den USA haben jetzt bei einer ungewollten Schwangerschaft und dem Wunsch nach einer Abtreibung Unterstützung angekündigt. Die "New York Times" hat eine Fülle von Statements veröffentlicht, in denen Unternehmen erklären, wie sie ungewollt Schwangeren unter die Arme greifen wollen.

Unternehmen wollen Mitarbeiterinnen Abtreibung ermöglichen

Bereits im Mai veröffentlichten einige von ihnen Richtlinien zur Deckung der Reisekosten für Mitarbeitende, die eine Abtreibung benötigen. Dazu gehörten laut "New York Times" Starbucks, Tesla, Yelp, Airbnb, Microsoft, Netflix, Patagonia, DoorDash, JPMorgan Chase, Levi Strauss, PayPal und Reddit.

Als die Entscheidung des obersten amerikanischen Gerichtshofs am Freitag verkündet wurde, schlossen sich weitere Unternehmen an. Die meisten von ihnen bezogen sich jedoch nicht direkt auf das ausgesprochene Urteil, berichtet die "New York Times".

So äußerte sich zum Beispiel das Unternehmen Johnson & Johnson, es sei bestrebt, "die Gesundheit für die Menschen, denen wir dienen, in Reichweite zu bringen." Außerdem sagten sie: "Wir glauben auch, dass Entscheidungen im Gesundheitswesen am besten von Einzelpersonen in Absprache mit ihrem Gesundheitsdienstleister getroffen werden."

Viele wollen Reisekosten übernehmen

Die bekannte Film- und Fernsehgesellschaft Warner Brothers teilte mit, dass sie die Reisekosten für Abtreibungen übernehmen würden.

Eine ganze Reihe von Unternehmen kündigte Ähnliches an. Darunter zum Beispiel Disney, das Modeunternehmen H&M, Starbucks oder Google. Bei Google sollen Mitarbeitende zudem "ohne Begründung" einen Umzug beantragen können.

Auch das Sportmodeunternehmen Nike gab an, Reise und Unterkunft würden im Fall des Falles übernommen werden.

Accenture, Expedia und die Match Group sagten, sie würden helfen, die Reisekosten für Mitarbeiter zu decken, die Gesundheitsversorgungsverfahren benötigen, die vor Ort nicht angeboten werden. Zur Match Group gehören die beannten Dating-Apps Tinder und OKCupid.

Auch der Facebook-Mutterkonzern Meta äußerte sich. Ein Vertreter sagte: "Wir beabsichtigen, im gesetzlich zulässigen Umfang Reisekostenerstattungen für Mitarbeiter anzubieten, die sie benötigen, um Zugang zu Gesundheitsversorgung und Reproduktionsdiensten außerhalb des Staates zu erhalten." Derzeit werde geprüft, wie das im Hinblick auf die damit verbundene rechtliche Komplexität möglich gemacht werden könne.

Das Bekleidungsunternehmen Patagonia, das für Outdoor-Kleidung bekannt ist, will ebenfalls Reisekosten übernehmen. Auf LinkedIn heißt es: "Die Betreuung der Mitarbeiter geht über die Grundkrankenversicherung hinaus." Außerdem: "Es bedeutet, die Entscheidungen der Mitarbeiter zu unterstützen, ob oder wann sie ein Kind bekommen."

Jonah Peretti, Vorstandsvorsitzender von BuzzFeed äußerte sich ebenfalls. Gegenüber den Mitarbeitenden sagte er am Freitag, dass Stipendien für Reisen aufgrund einer Abtreibung bereitgestellt werden würden. Er sagte:

"Die Entscheidung ist so rückschrittlich und entsetzlich für Frauen, dass sie uns dazu zwingt, uns als Unternehmen zu engagieren, um sicherzustellen, dass alle unsere betroffenen Mitarbeiter bei Bedarf finanzielle Mittel und Zugang zu sicheren Abtreibungen haben."
Jonah Peretti
Jonah Peretti, Vorstandsvorsitzender von BuzzFeed.
Jonah Peretti, Vorstandsvorsitzender von BuzzFeed.Bild: EFE / Andreu Dalmau

Vom Unternehmen Yelp meldete sich Mitbegründer und Geschäftsführer Jeremy Stoppelman. Die Entscheidung sei eine Bedrohung für die Gleichstellung der Geschlechter am Arbeitsplatz. "Wirtschaftsführer müssen sich für die Gesundheit und Sicherheit ihrer Mitarbeiter einsetzen, indem sie sich gegen die Welle von Abtreibungsverboten aussprechen, die als Ergebnis dieser Entscheidung ausgelöst werden (...)", sagte er. Auch "Yelp" möchte Reisekosten übernehmen.

Lange Liste mit Unternehmen

Die Liste der Arbeitgeber, die ihre Mitarbeitenden unterstützen wollen, geht noch weiter. Auf Instagram hat die "New York Times" diese veröffentlicht.

Eine Liste von Unternehmen, die bei einem Schwangerschaftsabbruch ihre Mitarbeitenden unterstützen will.
Eine Liste von Unternehmen, die bei einem Schwangerschaftsabbruch ihre Mitarbeitenden unterstützen will.Bild: Instagram/Screenshot / @nytimes

Es ist auch nicht das erste Mal, dass Unternehmen sich hinter ihr Personal stellen – dies war bereits nach dem verschärften Abtreibungsgesetz in Texas im vergangenen Jahr der Fall.

(and)

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