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Bierdetektive und Völkerschauen: 5 historische Fakten zum Oktoberfest

Bild: imago stock&people

Am 22. September wird zum 185ten Mal das Oktoberfest in München eröffnet! Und das Traditionsfest hat schon so einiges an deutscher Geschichte und Kuriositäten mitgenommen. Alleine 24-mal mussten die Wiesn ausfallen (u.a. wegen einer Cholera-Epidemie) und 1881 wurde hier zum ersten Mal ein ganzer Ochse auf einer "eigens dazu construirten Maschine" (Werbung des Metzgers) gebraten.

Früher gab's auf den Wiesn nicht nur Bier und Schießbuden, sondern auch die "drei dicksten Mädchen" Elsa, Elvira und Bertha. 

Historisches Bild mit den DREI DICKSTEN MÄDCHEN Elsa, Elvira und Bertha - Exponat im Münchener Bier- und Oktoberfestmuseum, 2005

Exponat aus dem Münchener Bier- und Oktoberfestmuseum Bild: imago

Und weil es das wohl weltweit bekannteste deutsche Volksfest ist, kommen hier die 5 wichtigsten historischen Fakten zum Mitreden!

Übrigens: Wer so richtig eintauchen will, kann dies auf dem Blog der "Münchner Stadtgeschichte" tun, die als eine Quelle für diesen Artikel diente. Auch die Seite des Oktoberfests München hält ein paar historische Fakten bereit.

Warum das Oktoberfest im September ist

Der Grund ist so simpel, da hätte man drauf kommen können: Das Wetter

Das erste Oktoberfest soll noch am 17. Oktober stattgefunden haben, doch schon 1828 wurde der erste Antrag gestellt, das Oktoberfest doch bitte in den September zu verlegen – die Wahrscheinlichkeit dann noch ein paar schöne Tage zu erwischen, sei da einfach größer. 

Weil die Festwiese bis dahin aber noch landwirtschaftlich genutzt wurde, weigerte sich die Stadt jedoch – die Ernte wäre dann noch nicht eingefahren.

„Weil bey dem Oktober-Feste die umliegenden änger vieler Privater begangen und befahren werden, was den bestehenden Kulturverordnungen gemäß vor Michaeli um so weniger geschehen darf, da in hiesiger Gegend das Grumet vor Ende September nicht eingebracht wird“.

Der Magistrat am 14.2.1830

Wie zur Rache warteten in den Folgejahren Regengüsse und sogar Schneestürme auf die Besucher des Oktoberfests, die Bierzelte blieben dementsprechend leer. 

Vielleicht hatte "Die schöne Coletta" auch nur deshalb Zeit um 1880 so schön zu posieren.

Historisches Bild der Kellnerin DIE SCHÖNE COLETTA aus dem Jahre 1880 - Exponat im Münchener Bier- und Oktoberfestmuseum

Exponat im Münchener Bier- und Oktoberfestmuseum Bild: imago

Erst als die Felder um die Theresienwiese zu Bauland umgewandelt wurden, konnte das Terminproblem angegangen werden. 1904 beschloss der Magistrat endlich, dass das Oktoberfest schon im September beginnen sollte.

Die Sonne scheint! Besucher am Löwenbräu-Zelt 1907:

München, Löwenbräu, Leute beim Oktoberfest, Zieher 1907

Bild: imago stock&people

Das Oktoberfest ist eigentlich eine Hochzeitsfeier

Die Wiesn waren eigentlich ein ausgedehntes Hochzeitsfest. Nachdem am 12. Oktober 1810 Kronprinz Ludwig seine Prinzessin Therese ehelichte, feierte das Volk in München ganze fünf Tage lang. Dabei trugen die meisten Kinder zur Feier bayerische Traditionskleidung, es wurde viel gegessen und Orchester-Musik gelauscht.

Pferderennen auf der Oktoberfestwiese (geschätztes Aufnahmedatum 1909)

München, Pferderennen auf der Oktoberfestwiese, Zuschauer !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT! 1909

Bild: imago stock&people

Das Highlight zuletzt war ein großes Pferderennen: 30 Pferde mussten drei Runden um die Oktoberfestwiese reiten. Der Gewinner war ein 12-jähriger Jockey auf seinem Apfelschimmel, der sich mit 18 Minuten und 14 Sekunden an die Spitze galoppierte. Zu Ehren der Braut wurde das Rennfeld übrigens danach zur "Theresienwiese" umbenannt (kurz "Die Wiesn").  

Die Wiesn haben Bierbetrüger gestoppt 

Nur dank des Oktoberfestes gibt es auch den "Verein gegen betrügerisches Einschenken". Dieser wurde 1899 gegründet – das Vereinszeichen? Ein am Galgen baumelnder Kellner...

Postkarte vom Oktoberfest, Aufnahmedatum unbekannt:

München Bayern, Gruß vom Oktoberfest, Bierwerbung !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT!

Bild: imago stock&people

Schon damals gab es Beschwerden, dass die Wirte zu wenig Bier in die Krüge füllen würden. Gerade bei Tonkrügen war es häufig schwer zu sagen, wie viele Milliliter tatsächlich als eine Maß über den Tresen gingen. 

Um den Betrug aufzudecken, waren sogar "Bierdetektive" unterwegs, was den Mitgliedern bald den Schimpfnamen "Drei-Quartl-Fuchser" einbrachte. 1911 fordert der Verein die Erhöhung des Schaumraumes oberhalb des Eichstrichs auf 4 Zentimeter. Das wurde allerdings erst 73 Jahre später umgesetzt. 

Rutsche auf dem Oktoberfest, Aufnahmedatum unbekannt:

München Oberbayern, auf dem Oktoberfest, Hugo Haase Leipzig, Besucher !AUFNAHMEDATUM GESCHÄTZT!

Bild: imago stock&people

Juden durften 1933 nicht mehr aufs Oktoberfest

1930 waren die Nationalsozialisten zwar noch nicht an der Macht, die Vergnügen auf den Wiesn waren jedoch durchaus rassistisch. Völkerschauen gehörten seit Jahren zum festen Programm. So wurde 1930 zum Beispiel die „aussterbenden Lippen-Negerinnen vom Stamme der Sara-Kaba“ präsentiert.

Blick auf das Oktoberfest, Winzerer Fähndl, Fahnen 1930:

München Bayern, Blick auf das Oktoberfest, Winzerer Fähndl, Fahnen 1930

Bild: imago stock&people

Am 1. September 1933 durften Juden dann auf polizeiliche Anordnung nicht mehr am Oktoberfest teilnehmen – weder als Gäste, noch als Mitarbeiter.

"Personen jüdischer Abstammung, gleich welcher Staatsangehörigkeit, werden im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung zum Oktoberfest zur Verabreichung von Speisen und Getränken sowie zur Veranstaltung von Lustbarkeiten nicht zugelassen."

Aus den "ortspolizeiliche(n) Vorschriften" 1933

1936 wurden die Fahnen Bayerns und Münchens dann auf Anordnung des NS-Stadtrats auf der gesamten Theresienwiese abgehängt und durch Hakenkreuzfahnen einheitlich ersetzt. Lange wehten diese allerdings auch nicht: Ab 1939 mussten die Wiesn kriegsbedingt (und für die nächsten sechs Jahre) ausfallen.

In Anbetracht des Zustands der Stadt kein Wunder (hier ein Blick auf die Münchener Frauenkirche 1940):

Bombed Frauenkirche, Munich of Bavaria, Germany 02067

bombed Frauenkirche Munich of Bavaria Germany  1940

Bild: imago stock&people

Die US-Besatzer ersetzten Schießstände durch Bälle-Werfen

München lag in der amerikanischen Besatzungszone und schon 1946 wurde der bayerischen Stadt wieder ein "Herbstfest" auf der Theresienwiese erlaubt. Allerdings die entschärfte Nachkriegsversion: Statt Schießbuden durften die Besucher nur Ringe und Bälle werfen, es wurde nur Dünnbier ausgeschenkt (weniger als 2% Alkohol) und Brote und Wurst gab es gegen Lebensmittelmarken. 

Wiesn-Festumzug auf der Ludwigsstraße 1957:


24.09.1957, Muenchen, Bayern, Deutschland - Wiesn-Festumzug auf der Ludwigsstrasse. (QF, europäisch, München, Gebäude, Häuser, Schützenumzug, Männer) 00S570924A025.JPG MODEL RELEASE: NO, PROPERTY RELEASE: NO MR:N

Bild: imago stock&people

Trotz der Restriktionen war das Herbstfest ein voller Erfolg. In den nächsten drei Jahrzehnten wuchs das Oktoberfest unaufhaltsam an und wurde zu einem kommerziellen Coup.

23 September 1964: Ein Prosit der Gemütlichkeit.

FESTIVALS OKTOBERFEST IN MUNICH ; 23 SEPTEMBER 1964, Copyright: Topfoto PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY UnitedArchivesIPU484645

Bild: imago stock&people

Und so feiern Bayerns Fußballer 2018:

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"Lass dich nicht abschleppen!" 8 Jodel, die eigentlich alles zur Wiesn sagen 

Rein in die Tracht und hoch die Mass! Und egal wie teuer die auch sein mag, die ein oder andere zu viel, wird immer sehr, sehr gerne getrunken. 

Weil das aber noch nicht alles sein kann und die Wiesn in München noch ein paar Tage andauert, haben wir 8 Jodel gesammelt, die viele Facetten des Treibens erklären: Lustig, peinlich und verwirrend. Wie das Oktoberfest eben auch. 

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