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Kolumne zuhause

Bild: getty montage

Ich hatte nur mit einem Mann Sex. Jetzt hat mich ein Date nach Hause eingeladen...

Lea ist mit Anfang 30 Witwe geworden. Jetzt beginnt sie wieder mit dem Dating. Folge 5 ihrer Kolumne 

24.07.18, 18:48 14.08.18, 11:07

lea laufer

Der Tod meines Freundes, nachdem wir 14 Jahre zusammen verbracht haben, liegt mittlerweile fast zwei Jahre zurück.

Nun sitze ich hier, mit einem guten Freund in einer Bar, angetrunken und in verwegener Stimmung. Er hat um die Freigabe meines Handys gebeten, mir Tinder installiert und als ich von der Toilette wiederkomme grinst er mich an und sagt:

"Schon 5 Matches. Das läuft"

Tinder kenne ich bis dahin als App für schnelle und meistens auch kurze Geschichten, Unverbindliches, Party People und Selbstdarsteller, Hipster und Weltenbummler.

Wie passe ich darein?

Ich bin Mutter zweier Kinder mit bis dato genau einem Sexualpartner, arbeite in einem 9-to-5-Job und schlafe in der Regel um 21 Uhr vor dem Laptop ein.

"No ons" schreibe ich in mein Profil.

Alles in allem nicht die typische Tinder-Zielgruppe. Oder ist das ein Vorurteil?

Irgendwo gibt es ja auch diese ominösen Tinder-Paare, jeder scheint irgendjemanden zu kennen, der über Tinder die große Liebe gefunden hat. Ich halte das zu diesem Zeitpunkt noch für denkbar. Nach dem betrunkenen ersten Swipen passiert wochenlang nichts. Die Methodik und oft auch der Ton sind anders als in der ökologisch-sozialen Partnerbörse, schneller, direkter.

Ich werde angeschrieben, reagiere jedoch häufig nicht. Falls ich doch reagiere, verläuft das Gespräch öfter mal im Sande, wenn ich mich nicht gleich treffen kann oder will. Alles scheint oberflächlicher. Ich plane täglich, die App zu löschen und mache es dann doch nicht. Irgendwie hat es einen Reiz, wie ein Spiel, mit dem man sich in der S-Bahn die Wartezeit vertreibt.

Das geht so bis zu einem Abend im Frühling.

Ich sitze gerade auf dem Sofa meines Cousins. Wir hatten nie ein besonders herzliches Verhältnis, sind recht unterschiedlich. Die angespannte Phase der Krankheit und des Sterbens meines Freundes haben es nicht besser gemacht, leider.

Er sitzt dort auf dem Sofa und schwadroniert vor sich hin, über "die Frauen", die immer weniger Moral hätten. Promiskuität sei ein Problem unserer Gesellschaft die Verantwortung dafür sieht er vor allem bei den Frauen.

Irgendwann ist er bei Tinder angelangt, wie die sich da quasi verkaufen, kaum besser als Prostituierte. 

Seine ganze Familie nickt zustimmend, im Hintergrund läuft leise die Glotze, irgendein Bauer sucht irgendeine Frau.

Ich kenne kaum andere weibliche Profile von Tinder und ich bin keine Feministin, aber dennoch nervt mich die selbstgefällige Haltung.

Und warum wird immer mit zweierlei Maß gemessen (über die Männer wird selbstverständlich kein Wort verloren)?

Ich habe keine Kraft für eine Konfrontation, die Vergangenheit hat gezeigt, dass es besser ist, die Faust in der Tasche zu machen. Ich nicke leise und schreibe noch während wir alle dort sitzen – vor allem aus Trotz – dem attraktivsten Mann unter allen Matches an.

Er sieht gut aus, aber ich finde ihn auch deshalb attraktiv, weil er ein Bild mit kleinem Mädchen (mutmaßlich seine Tochter) im Profil hat.  

Bilder von Kindern im Tinder Profil kann man finden, wie man will, aber für mich ist das zunächst mal ein positives Signal. 

Wer nur ficken will, stellt so ein Bild nicht ein, denke ich.

Er antwortet locker und lustig. Schnell fragt er nach einem Treffen, diesmal willige ich ein. Am Wochenende treffen wir uns in einer Bar. Mittlerweile bin ich nicht mehr so nervös, wie am Anfang des Dating-Projekts.

Wir führen ein gutes Gespräch, sind im "flow". Er ist interessant und charismatisch. Danach gehen wir spazieren, am Ende bringt er mich zur Haltestelle und lädt mich für einen der kommenden Abende zu sich nach Hause ein. Ich freue mich. Als ich einige Tage darauf mit einer Flasche Wein in der Hand bei ihm klingele, bin ich doch nervös.

Es ist das erste Mal, dass ich zu jemandem nach Hause gehe, das erste Mal, dass ich jemanden sympathisch und attraktiv finde. Das erste Mal, dass etwas passieren könnte.

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