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Kein Einkaufen mehr, keine Spaziergänge: Auch alte Menschen müssen sich an unsere neuen Regeln halten. Bitte erklärt ihnen, warum. Aber am Telefon! Bild: imago images/Noah Wedel

Liebe Enkel: Macht euren Großeltern klar, dass sie zu Hause bleiben müssen

Vor allem die Senioren verkennen die Dringlichkeit, die angezeigt ist. Ein Aufruf an die Jüngeren, mit den Älteren zu sprechen.

Sarah Serafini / watson.ch

Liebe watson-User. Die meisten von euch gehören wohl nicht zur Risikogruppe des Coronavirus. Die meisten von euch haben aber Eltern oder Großeltern, die über 65 Jahre alt sind und die jetzt zu den meistgefährdeten Personen in unserer Bevölkerung gehören. Nur scheinen sie das bisher noch zu wenig begriffen zu haben. Oder wie lässt sich erklären, dass draußen immer noch so viele Senioren unterwegs sind?

Liebe watson-User, liebe Kinder von Eltern, liebe Enkel von Großeltern. Ich weiß nicht, woran es liegt. Vielleicht am Informationsgraben, der sich nun mitten durch die Generationen frisst? Vielleicht daran, dass nun die einen mit Livetickern, Pushnachrichten oder Facebook-Posts im Minutentakt über die aktuelle Situation informiert werden, während die anderen zur gewohnten Zeit in die "Tagesschau" reinzappen und dann über die verrückten Zeiten kopfschüttelnd zu Bett gehen?

Eigentlich ist es egal, woran es liegt. Wichtig ist nur eines: Wenn die Dringlichkeit der Situation nicht bis zu den Älteren durchdringt, liegt es jetzt an uns, ihnen den Ernst der Lage verständlich zu erklären. Darum, liebe Enkel, sagt bitte eurer Omi und eurem Opi, dass sie für die nächste Zeit zu Hause bleiben sollen.

Macht ihnen klar, dass unsere Epidemiologen, Virologinnen, Krankenpfleger oder Politikerinnen keineswegs hohle Phrasen dreschen. Das sieht man, wenn man dieser Tage nach Italien schaut. Das Land hatte am Samstag an nur einem Tag fast 800 Tote vermeldet und damit so viele wie nie seit dem Ausbruch des Virus im Land. Bisher starben 4825 Menschen, Bei den über 70-Jährigen sind es über zehn Prozent, die nach einer Ansteckung sterben.

Macht ihnen klar, dass sie nicht nur diejenigen sind, die am meisten Gefahr laufen, am Coronavirus zu sterben, sondern dass sie ebenso dazu beitragen können, die Verbreitung der Krankheit einzudämmen. Weil ansonsten zu viele Menschen gleichzeitig krank und die Krankenhäuser überrannt werden. Weil es dann nicht mehr genug Betten geben wird und nicht mehr alle behandelt werden können. Weil dann Ärztinnen und Ärzte die grausame Entscheidung treffen müssen, wen sie mit den Beatmungsgeräten am Leben erhalten und wen nicht.

Macht euren Großeltern klar, dass sie keine Last sind, im Gegenteil. Dass ihr für sie einkaufen geht, mit ihnen telefoniert, ihnen von der Straße aus zuwinkt.

Macht ihnen klar, dass ihr sie auch nicht besuchen dürft, wenn ihr euch gesund fühlt. Denn ihr könntet das Virus auch in euch tragen, ohne dass ihr es bemerkt. Und dass sie ein noch so gutes Immunsystem haben und sich trotzdem infizieren oder das Virus weitergeben könnten.

Macht ihnen klar, dass ihr wisst, wie schwierig das jetzt ist. Dass es nicht toll ist, isoliert zu sein. Dass es auf die Psyche schlägt und traurig macht. Dass ihr aber für sie da seid. Und dass ihr es gerne macht. Dass sie keine Last sind, im Gegenteil. Dass ihr für sie Einkaufen geht, mit ihnen telefoniert, ihnen von der Straße aus zuwinkt. Dass ihr euch kreative Ideen einfallen lasst, um der Isolation entgegenzuwirken.

Damit ihr bald wieder bei ihnen zu Besuch gehen könnt. Und sie euch noch lange erhalten bleiben.

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