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Deutsche Sexarbeiterinnen warten darauf, wieder arbeiten zu können. Bild: iStockphoto / andreonegin

Exklusiv

#RotlichtAN! So laut fordern Prostituierte ein Ende des Berufsverbots

In den vergangenen Wochen gab es viel Ärger ums Rotlichtgewerbe. Sexarbeiter und Politiker stritten sich um die Frage, wann und wie Prostitution in Deutschland wieder stattfinden kann. Zuletzt war aus dem Bundestag sogar ein generelles Verbot für Prostitution gefordert worden.

Heute, zum internationalen Hurentag, proben die Sexarbeiter nun den Aufstand. Landesweit gehen sie (durch den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen organisiert) auf die Straßen, zeigen im Internet Gesicht unter #rotlichtAN und öffnen Bordelle und Studios für interessierte Besucher. Ihre Forderung: Lasst uns wieder arbeiten!

Auch Dahlia Nyx und MadameKALI sind unter den Protestierenden. Watson erklärten sie, warum sie wollen, dass das Rotlicht wieder angeht.

Dahlia: Wir wollen nicht bevormundet werden!

Ich bin Bizarrlady, habe Religionswissenschaft und Theaterwissenschaft (M.A.) studiert und bin auch Performerin in eigenen Theaterstücken. 2014 begann ich als Aktmodell für Zeichenkurse zu arbeiten, bald darauf für erotische Fotografie. Von da an probierte ich verschiedenste Formen von Sexarbeit aus. Generell sehe ich mich als erotische Spielleiterin, meine Rollen im Spiel variieren. Ich liebe die Gestaltung und Verwirklichung von Fantasien. Den Kick von Spontaneität und Nicht-Wissen, mich in kurzer Zeit auf einen anderen Menschen einzulassen und zu erforschen, wer dieser ist. Das Unbekannte und Absurde. Miteinander in den Moment hineinzugleiten. Rausch, körperliche Nähe, Intimität.

"Wir wollen eine Gleichbehandlung mit anderen körpernahen Dienstleistungen."

Dahlia zu watson

Finanziell überbrücke ich die Corona-Zeit durch die Soforthilfe II aus Landesmitteln. Leider können viele Solo-Selbstständige nicht von der Soforthilfe profitieren, da jene aus Bundesmitteln nur die Betriebsausgaben abdeckt. Auch ich fühle mich noch unsicher, wie es letztendlich bei der Steuererklärung verrechnet werden wird. Um emotional nicht in ein düsteres Loch zu fallen, half mir anfangs diszipliniertes Training (Musik, Bewegung), Spaziergänge im Grünen und lange Telefonate mit Freunden und Kollegen.

Wir wollen eine Gleichbehandlung mit anderen körpernahen Dienstleistungen. Es gibt ein ausführliches Hygiene-Konzept. Die derzeitige Diskussion um ein Prostitutionsverbot ist absurd und verdreht. Ich habe diese Arbeit u.a. auch gewählt, weil ich auf diese Weise finanziell unabhängig und selbstbestimmt bin. Ich weiß, dass Sexarbeiter für viele Menschen eine Projektionsfläche für diverse eigene Ängste und Sehnsüchte sind. Doch solche persönlichen Themen dürfen nicht dazu führen, uns voller Doppelmoral zu bevormunden, zu demütigen, uns die Existenzgrundlage zu entziehen und uns in die Unsichtbarkeit zu drängen.

MadameKali: Gerade lebe ich von Rücklagen für die Rente.

Ich bin seit fünf Jahren tantrische Domina. In diesem Beruf kann ich selbstständig und unabhängig sein, mir meine Zeit frei einteilen. Das ist für mich wichtig, damit ich meiner zweiten Leidenschaft, dem Geige-Spielen, auch noch frönen kann. Doch sowohl als Musikerin, als auch als Sexarbeiterin, fühle ich mich momentan alleingelassen. Selbstständige und Künstler werden derzeit von der Politik abgewatscht, wir haben keine Perspektive und müssen gucken, wo wir bleiben.

"Ich setze auf Solidarität!"

MadameKALI zu watson

Mein Glück ist, dass ich bescheiden lebe. Ich habe nur ein kleines Auto, keine laufenden Kosten, sonst wäre es jetzt schwierig, über die Runden zu kommen. Als Corona losging, habe ich sofort reagiert und Soforthilfe beantragt. Jetzt lebe ich von Rücklagen, die eigentlich für die Rente gedacht waren und habe mein Geschäft auf Online- und Telefondienste umgestellt. Das funktioniert ganz gut, ich habe zu meinen Stammkunden sogar noch ein paar neue dazubekommen.

Trotzdem ist es wichtig, dass das Gewerbe wieder mit der Arbeit anfangen kann – zumindest erotische Massagen sollten wieder erlaubt werden, ich verstehe nicht, warum das nicht möglich sein soll. Das wäre auch ein wichtiges Signal für alle anderen, die von der Branche leben. Ich setze auf Solidarität!

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