Leben
Bild

Gal Gadot sprintet 2017 als "Wonder Woman" zum Mega-Welterfolg. warner bros. entertainment

Stark, böse, mächtig, schlau, derb und sexy! Es lebe die Superheldin!

Simone Meier / watson.ch

Kollege Scherrer sorgt sich. Um seine Mitmänner. "Jedes Mal, wenn ich was zu (Superhelden-)Filmen mit weiblichen Stars schreibe, kommt garantiert so ein dummer 'Scheißfeminismus'-Kommentar", schreibt er. Konkreter Anlass: "Captain Marvel" mit Brie Larson in der Hauptrolle. Die sich auch noch gewünscht hatte, bei der Promotour ihres Films nicht nur von weißen Männern interviewt zu werden.

Man könnte auch "Wonder Woman", "Lara Croft", "Ghostbusters", "Ocean's Eight", "Annihilation", "Widows" oder die neue Staffel "Doctor Who" nehmen. Filme, in denen es nun mal um Frauen geht und nicht wirklich um Männer, und in denen die Frauen sich auch nicht über bevorstehende Hochzeiten, in Citys Herumhühnern oder das zufällige Erlangen von Adelstiteln definieren.

Filme, in denen Frauen kampfstark, böse, gewalttätig, mächtig, schlau, verschlagen, derb und elektrisierend sexy sind.

Ich seh schon, spätestens an dieser Stelle möchte der Erste in die Tasten greifen und geifern: "Frau Meier, dieses Argument ist wieder so 90er! Aber typisch: Sie sind eine Feminazi-Kampflesbe! Nein: ein bauch-stalinistischer Transgender! Hören Sie auf damit! Dann kann man Sie vielleicht lesen." Ich kann Kollege Scherrer trösten, sowas krieg ich bei ungefähr ... jedem Artikel. Seit zwanzig Jahren. Also seit den 90ern.

Bild

Solche Frauenfilme ("Sex and the City") stören unsere Kommentatoren logischerweise nicht, sie würden sich sowas eh nicht ansehen. Bild: warner bros.

Nein, nicht ganz, damals befand sich das Wort "Transgender" noch nicht im Sprachbewusstsein eines Leserbriefschreibers. Damals stieß ich dafür eines Morgens beim Warten auf das Tram auf einen Mann, der mir ins Gesicht sagte: "Frauen in der Politik finde ich total überflüssig. Ist die Welt etwa besser geworden? Scheißfeminismusscheiß."

Typen, darum gehts nicht! Frauen waren noch nie bessere Menschen! Frauen waren einfach immer auch schon Menschen. Genau so gut oder schlecht sein wie Männer.

Einverstanden, dieses Argument ist so alt, das ist nicht einmal mehr 90er, das ist total 1791. Damals schrieb nämlich die französische Schriftstellerin Olympe des Gouges die revolutionäre "Erklärung der Rechte der Frau und Bürgerin" und verkündete der erstaunten Leserschaft die Gleichberechtigung der Geschlechter.

Bild

"Doctor Who" mit Jodie Wittaker bricht alle ZuschauerInnenrekorde, ist aber natürlich ein scheißfeministisches Verbrechen am Erbe der Serie. Bild: bbc

Alle Argumente und Gegenargumente sind uralt. Die Zeitspanne allerdings, in der die Argumente ihre Wirkung entfalten, ist noch immer sehr kurz. Seit wann gibt es in Deutschland das Frauenwahlrecht? Seit 1918. Schon klar, dass sich da noch immer ein paar daran gewöhnen müssen.

Doch zurück zu den Filmen, die Männer so gehässig machen. Den Filmen, in denen Frauen wagen, sich wie Männer aufzuführen oder diese gar unhinterfragt abzulösen. Nerven sie etwa, weil sie so irre schlecht sind? Anders gefragt: Sind alle "Bond"-Filme gut? Oder etwa eher nur die Hälfte? Alle Männer-"Ocean's"? Wirklich die ganze "Bourne"-Reihe? Jeder Spider-, Bat- und Superman? Muss ich das echt fragen?

Bild

Bild: ap/disney-marvel studios

Nein, die Frauenfilme nerven natürlich vor allem, weil sie DA sind. Weil sie JETZT DA sind. ENDLICH DA sind. Plötzlich mit Macht und Marktpräsenz behaupten, auch Mainstream zu sein. Und damit auch noch Kasse machen! Wie ist das denn möglich, wird sich der alte weiße Mann denken, der gerne Sean Connery in "Diamonds Are Forever" wäre, oder der nicht so alte INCEL.

Bild

In "Annihilation" ist Natalie Portman mit einem Frauenteam in einem Paralleluniversum unterwegs Bild: netflixl

Wenn wir uns Hollywood betrachten, so ist diese selbstverständliche Präsenz der Superfrauen natürlich kein ideologischer, sondern ein rein wirtschaftlicher Entscheid.

Schließlich ist Hollywood die TraumFABRIK. Die FilmINDUSTRIE. Und bedient als solche auch nur eine Nachfrage.

Bild: imago

Diese Nachfrage ist allerdings nicht zuletzt auf dem fruchtbaren Selbstermächtigungs-Kompost der letzten Jahrzehnte gewachsen. Nicht nur dem der Frauen in der vermeintlichen Männerwelt, auch dem der Schwarzen oder Asiaten in der vermeintlich weißen US-amerikanischen Welt. Und hat nun eben Blockbuster wie "Black Panther", "Crazy Rich Asians" oder "Wonder Woman" hervorgebracht.

Die Wirtschaft, die in allem den Profit wittert, begreift schneller als andere, wann eine sogenannte Minderheit ihre Minderwertigkeitskomplexe ablegt und zur Mehrheit erstarkt.

Bild

"Black Panther". Und plötzlich sagt keiner mehr was. Wird auch mit den Superheldinnen bald so sein. Bild: disney

Gewöhnt euch dran, ihr unzufriedenen Kommentarschreiber. Und auch wenn ihr Filme wie "Captain Marvel" gerade mit aller Macht auf Foren wie "Rotten Tomatoes" aus der Welt zu voten versucht – ihr werdet es nicht schaffen. Mit dem Scheißfeminismusscheiß macht man eben nicht nur Kampfemanzen glücklich, nein, damit macht man jetzt auch Kasse. Und dies ist am Ende das unschlagbarste Argument von allen.

Und gewöhnt euch auch an die Idee, dass der nächste Bond schwarz, asiatisch oder eine Frau sein könnte. Die Dämme sind gebrochen, die Träume, die das Kino widerspiegeln muss, um Erfolg zu haben, sind andere als eure. Größere.

31 Tage, 31 Frauen:

Nino Haratischwili: Eine Autorin findet Worte für das Schweigen

Link zum Artikel

Das ist Luisa Neubauer – Sie will die Welt retten, nicht nur freitags

Link zum Artikel

Das ist Fine Bauer: Keine engen Schubladen, bitte! Weder als Model, noch privat

Link zum Artikel

Sie gewann die Bayern für Grün – Das ist Katharina Schulze

Link zum Artikel

Ihr Gedicht über Männer löste eine Debatte aus – Das ist Sibel Schick

Link zum Artikel

Mit Gendersternchen im Flugtaxi – Dorothee Bär, eine Frau mit Visionen

Link zum Artikel

Sie rappt gegen Klischees und für Feminismus – Das ist Ebow

Link zum Artikel

Die deutsche Nummer 2 ist unsere heimliche Nummer 1 – Das ist Julia Görges

Link zum Artikel

Die Frau auf Putins Liste – Das ist Katrin Suder

Link zum Artikel

Sie bloggt für Inklusion – das ist Laura Gehlhaar

Link zum Artikel

Videokunst ohne Grenzen –Das ist Raphaela Vogel

Link zum Artikel

"Hass auf das Geschlecht ist kein individuelles Problem" – Das ist Suzie Grime

Link zum Artikel

"Sei nicht scheiße zu anderen Menschen" – das ist Rapperin Nura

Link zum Artikel

Mode ist immer auch politisch – Das ist Mahret Ifeoma Kupka

Link zum Artikel

"Identität braucht Updates" – Das ist Sasha Marianna Salzmann

Link zum Artikel

"Widerspruch ist gut" – Das ist Mithu Sanyal

Link zum Artikel

Das ist Ria Schröder – Entlindnert sie die FDP?

Link zum Artikel

"Glaube an Dich und Deine Ziele" – Das ist Malu Dreyer

Link zum Artikel

Programmiere doch einfach selbst – wie Aya Jaff

Link zum Artikel

"Frauen sind genauso wissenschaftlich begabt wie Männer"

Link zum Artikel

"Menschsein bedeutet, Fehler zu haben" – Das ist Kübra Gümüşay

Link zum Artikel

Mitten im Leben – Das ist Steffi Jones

Link zum Artikel

"Trau dich, wehr dich!" – Das ist Barbara Stollberg-Rilinger

Link zum Artikel

"Beim Fangenspielen sind die Jungs schon verzweifelt." – Das ist Gina Lückenkemper

Link zum Artikel

Sie kämpft für das Recht auf Selbstbestimmung – Das ist Kristina Hänel

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Arebs Yakumo (1) 08.03.2019 08:17
    Highlight Highlight Frauen in Hauptrollen bei solchen Filmen sind fast immer besser. Einem Mann gibt man die typischen Gründe, warum er den ach so toll ist, eine Frau arbeitet man in vielen Fällen dann aber viel mehr aus und gibt dem Charakter viel mehr tiefe. Natürlich gibts das auch bei Männlichen Charakteren - jedoch gefühlt im vergleich weniger als bei Frauen.
    Wer meint, dass gleichberechtigung "Feminismusscheiß" ist, hat eh einen Rad ab. Ich mag jeden Charakter, der gut gebaut ist, jede*r Wissenschaflter*in, die*der gute Theorien publiziert usw.
    Mal schauen, wie das in 40 Jahren aussieht...

Die komplette Liste: Diese 40 Disneyfilme kannst du in der Weihnachtszeit im TV sehen 

Weihnachten ist das Fest der Liebe. Für viele ist es eine Zeit, in der man gemütlich beisammen ist. Und manch einer schaltet dann auch den Fernseher ein. Für diejenigen, die dann am liebsten Disney-Filme schauen, kommt jetzt die gute Nachricht. 

Denn im deutschen Fernsehen laufen rund um das Weihnachtsfest sage und schreibe 40 (!) Disneyfilme. Eine Auflistung aller Sendetermine gab das Unternehmen jetzt selbst bekannt. 

Hier die komplette Liste:

Dieser Text ist zuerst auf t-online.de …

Artikel lesen
Link zum Artikel