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Girlpower Diätlollis

Bild: imago montage

Wie eine Kampagne für Girl-Power und Diät-Lollis ordentlich schief ging

Julia Dombrowsky
Julia Dombrowsky

Dass die Marketing-Abteilungen großer Firmen auf den Feminismus-Zug aufspringen, ist inzwischen gelernt: Siehe die "the future is female"-Shirts großer Modeketten oder "feministische" Parfums und Make-Up-Paletten...

Logisch, das Thema ist gut fürs Image und beschäftigt die Zielgruppe (junge Frauen). Nur: Manchmal geht diese Werbelüge zu weit – und macht die Kundinnen richtig sauer. Wie im Falle einer US-Firma, die unter dem Motto "Girlpower" Diät-Lollis verkaufen. Ja, DIÄT-Lollis. Und DIÄT-Tee.

In ihrer Kampagne richtet sie sich an junge Frauen, wirbt mit knackigen Sprüchen über Frauensolidarität ("Mädels müssen Mädels unterstützen"), Unangepasstheit ("Sei ungestüm, nicht durchschnittlich") oder Selbstbewusstsein ("Mach was du willst. Und wenn es Leute nicht gefällt... Scheiß drauf!"). 

Letztlich geht es dann aber doch nur um eins: Den perfekten Körper und vor allem einen flachen Bauch. Dafür sollen die "Powerfrauen" Tee trinken und Lollis lutschen. 

Oder wie es Emma Hope Allwood bei Dazed ironisch auf den Punkt bringt:

Diätpillen, Modeerscheinungen und Produkte sind nichts Neues. Was neu ist, sind die Marketingtaktiken dahinter – die sich einer stärkenden und sogar feministischen Sprache bedienen, um ein Produkt zu bewerben, dass sich an den Unsicherheiten von Frauen bereichert. Fühlst du dich hungrig, Babe? Macht nichts, das ist nur ein normales körperliches Gefühl, das überlebenswichtig ist! Lutsch diesen total süßen Lolli, Girl! Warum machst du nicht ein Selfie, während du das tust, Honey! Zeig der Welt, was du eine ,badass bitch' bist, die nicht mal Kalorien zu sich nehmen muss!

Emma Allwood in "Dazed"

Die schräge Kampagne...

collage flattummy

Bild: instagram/flattummyco

Die Celebrities machen fleißig mit. Das australische Label hinter den hippen Appetitzüglern wurde 2015 von einer US-Firma gekauft und nutzt seitdem die Marketingmacht der Prominenten in sozialen Netzwerken: Kim Kardashian, Amber Rose und Kylie Jenner – sie alle haben sich Posts sponsoren lassen.  

Auch Mia Tyler, die Tochter von Steven Tyler, bekam ein entsprechendes Angebot der Abnehm-Firma und reagierte entsetzt. Sie postete deren Kontaktaufnahme öffentlich.

Hier Mia Tyler's Post: 

Dear friends, I just want to keep something 💯 with y'all. DO NOT BUY INTO THE BULLSHIT! I get these emails weekly and I always just send them to the trash. I recently got this one from one of those big bullshit companies that all the plastic, famous for no reason "celebs" promote. I'm posting this email to show you how fucked up it all is. You don't lose weight from drinking tea. It just makes you pee a lot. So you lose water. You lose weight from proper nutrition and exercise. Please please please do not buy into this crap. These "celebs" are all about the money. They get paid to post pics with products. That's it. End of story. A couple years ago I was pretty low on funds and was given a lot of money to promote a weight loss product. I did it. And I've never felt grosser in my whole life. I swore off the entertainment business in that moment. I hate lying to people for my own benefit. And what I did was wrong. And I will, till the day I die, remind everyone to not believe the bullshit. Waist trainers, diet pills, tea and any other products that claim "fast weight loss" are all BS & get rich quick companies. Losing weight the right way should take time. Nothing in this world that comes fast is good. Slow & steady wins the race. Don't believe the hype. Be you. Be comfortable with who you are, and if you want to change the things you don't like about yourself, do it. But do it the right way. Don't give these people money. Blahhhhhh!

Ein Beitrag geteilt von M I A♥️T Y L E R (@miatyler) am

Jetzt hagelt es Kritik

Unter vielen Frauen machte sich massiver Unmut über die Marketing-Kampagne breit. Sie fühlen sich nicht nur von den Stars verraten und verkauft, sondern sind auch entsetzt, dass ausgerechnet Abnehmprodukten ein Image übergestülpt wird, das Girlpower suggerieren soll.

"Ich habe Promis gesehen, die diese Appetitzügler bewerben. Das ist aus mehreren Gründen extrem gefährlich. Beschäme Menschen nicht, die Hunger haben. Körper brauchen Kraftstoff. Ich bin angewidert." 

"Als Essstörungs-Überlebende sage ich dir, solcher Mist wird dich fürs Leben zeichnen. Gib' dein Geld nicht dafür aus. Iss' was und wann immer du willst. Es ist nicht deine Aufgabe auf Erden, einen flachen Bauch zu haben."

"Meine Tochter hat mit 13 Anorexie entwickelt. Schämt euch, dass ihr mit euren Appetitzügler-Lollis junge Mädchen ins Visier nehmt. Der beste Weg, Hunger zu stoppen, ist genug zu essen. Oh, und ich bin nicht euer ,Babe'."

Haben die Werbeleute nicht aufgepasst, als es um Emanzipation ging? Auf der einen Seite das Bild einer straffen Superbraut propagieren, auf der anderen Seite zu mehr Selbstakzeptanz aufrufen – wie geht denn das zusammen? Genau. Gar nicht.

Der Gipfel: Auf dem Times Square mietete die Firma jetzt eine ganze Plakatwand, auf der ein fröhliches Model gegen ihren Hunger anlutscht ("Du hast Gelüste? Girl, sag Ihnen, sie ,können dich mal'"). Dagegen wurde eine Petition ins Leben gerufen, die bereits mehr als 81.000 Unterstützer gefunden hat. 

Petitions-Starterin Tess Holliday

"Hunger ist der Weg deines Körpers dir zu sagen, wann er Essen braucht – was uns Energie schenkt, ohne die wir nicht überleben können. Irgendwas läuft absolut falsch, wenn Vermarkter Frauen eintrichtern, dass ihr Aussehen (auf sexistischen Körperstandards basierend) wichtiger ist, als ihre Gesundheit und ihr Leben."

Die anvisierten Kundinnen haben jedenfalls eine deutliche Antwort für das Unternehmen gefunden. Instagramerin Megan Crabbe macht es vor:

"Scheiß-Diätfirmen bewerben gestörtes Essverhalten für ihren Profit? Girl, sag Ihnen, sie ,können dich mal'."

SOMEBODY GIVE ME A BEAT BECAUSE I'M ABOUT TO SLAY SOME DIET CULTURE. The picture above is a billboard in Times Square advertising appetite suppressant lollipops from the shitshow of a company, Flat Tummy Co. You might also be familiar with their popular detox (read: laxative) teas that they promote to impressionable young people all over social media. But this time it's lollipops. A product primarily consumed by children. Being suggested as a substitute for food. And endorsed by the most famous faces in the world. Oh btw, they're also not FDA approved AND the only study conducted on their effectiveness was paid for by the manufacturer of the key ingredient #conflictofinterest. On a busy day 460,000 people go through Times Square. That's half a million people DAILY being sold the idea that eating when you're hungry is wrong, and that sucking on an overpriced lollipop will suppress your appetite (spoiler alert: it won't) and get you a flat tummy! Babes, it's so easy! It's also SO FUCKED UP. Hunger is not the enemy. Eating is not a sin. And having a fucking flat stomach is NOT the be all and end all of your existence. Flat Tummy Co, stop selling us disordered eating patterns for profit. Stop abusing our body insecurities to make bank. Just stop. Oh, and also stop calling us babes every 2 seconds, it's patronising af. 💜💙💚🌈🌞 #suckit #flattummyco #bodypositivity [Image description: the top half of the picture shows an advert for appetite suppressant lollipops featuring a smiling woman with a lollipop and the phrase "Got cravings? Tell them to #suckit". The bottom half shows Megan standing against a pink wall and mimicking the same pose, but the phrase is replaced with "Got shitty diet companies promoting disordered eating for profit? Tell them to #suckit"]

Ein Beitrag geteilt von Megan Jayne Crabbe 🐼 (@bodyposipanda) am

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