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Bild: imago montage

Dieser Mann erklärt Männern MeToo – mit Hilfe von Tritten in die Eier

Manchmal hilft es, wenn man einen Übersetzer hat, um zu verstehen, was die andere Seite sagen will – so zum Beispiel in der MeToo-Debatte. Vor genau einem Jahr wurde der Hashtag durch Schauspielerin Alyssa Milano ins Leben gerufen – doch noch heute bleibt einigen unklar, worum es dabei geht.

Die Geburt von #MeToo vor einem Jahr

Buchautor A.R. Moxon stellte fest, dass viele seiner Geschlechtsgenossen null Verständnis für die Debatte haben. "Meiner Erfahrung nach versuchen sich Frauen ständig in Männer reinzuversetzen, Männer aber selten in Frauen", sagt der US-Amerikaner gegenüber dem Portal boredpanda. "Wenn Frauen uns ihre Geschichten über Missbrauch erzählen, tendieren wir dazu, uns sofort zu verteidigen und jeglicher Verantwortung zu entledigen."

Spricht fließend männlich und weiblich: Autor A.R. Moxon

Deshalb machte er sich die Mühe auf Twitter eine Analogie zu erstellen, die Männer nachempfinden können: Das In-Die-Eier-Treten. Und was auf den ersten Blick wie ein hinkender Vergleich klingt, ist beim näheren Durchlesen doch interessant. 

Warum gerade der Hoden? "Weil jeder Mann sofort kapiert, dass das Gewalt ist – auch wenn Sexualorgane involviert sind", erklärt Moxon weiter. Wir lassen das einfach mal so stehen und haben seinen Vergleich übersetzt. Hier kommt er: 

Der ganze Thread

Hi Leute. Stellt euch mal vor, jemand würde euch eines Tages in die Eier treten, richtig hart, absichtlich.
Du hast dich vor Schmerz gekrümmt. Den Schmerz gefühlt. Bist fast in Ohnmacht gekippt. Hast fast gekotzt.
Dann wurdest du nochmal getreten. Und nochmal.


Stell dir vor, das sei dir mit 12 passiert.
Stell dir vor, es war eine 38-Jährige, die es getan hat.
Stell dir vor, es war die Kollegin oder Freundin deiner Mutter.

Stell dir vor, du hast das deinen Eltern erzählt und sie glaubten dir nicht. 
Stell dir vor, sie erwähnten es nie wieder.
Du lernst, darüber zu schweigen.
Du lernst, Angst zu haben.

Stell dir vor, dass dein Vater dir später erzählt, dass Frauen Jungs halt einfach in die Eier treten wollen, also musst du als Junge aufpassen.
Stell dir vor, er hat sehr konkrete Tipps dazu.
Stell dir vor, du beginnst dein Leben so zu planen, dass du möglichst selten in die Eier getreten wirst.

Stell dir vor, dir wird klar, dass Frauen, auch ältere Frauen – sogar Seniorinnen – dir ständig auf die Eier schauen. Frauen verfolgen dich auf der Straße. Sie würden dir sagen, was für ein nettes Paket du da herum trägst. Sie würden dir sagen, du wärst heiß, wenn du deine Eier nur ein bisschen mehr zeigen würdest.

Stell dir vor, du beginnst unbequeme Kleidung zu tragen, um deine Eier zu verstecken. Du legst dir unbequeme Schutzkleidung zu.
Alle Poster und Werbungen zeigen die Eier von Männern, oft nicht mal deren Köpfe dazu.
Die Füße von Frauen werden häufig und prominent präsentiert.

Stell dir vor, alle deine Freunde erzählen dir, dass ihnen auch schon in die Eier getreten wurde.
Stell dir vor, keiner von denen hat vorher mit anderen darüber gesprochen.
Stell dir vor, all die älteren Mädchen in der Schule machen Witze darüber, jemanden in die Eier zu treten.
Stell dir vor, alle lachen darüber. Diese Witze sind so lustig.
Witze.

Stell dir vor, du gehst zur Kirche und lernst, dass Gott Frauen so erschaffen hat, dass sie deinen Körper wollen, also musst du deine Hoden um jeden Preis schützen.
Stell dir vor, der Pfarrer sagt, dass es deine Verantwortung als erwachsen werdender Junge ist, nichts zu tun, was Mädchen darüber nachdenken lässt, dir in die Eier zu treten.

Stell dir vor, du findest eine Freundin und ihr liebt euch.
Eine Nacht habt ihr rumgealbert und sie hat dir dabei so hart in die Eier getreten, wie sie konnte – alles kam sofort zurück.
Stell dir vor, sie tut so als hättest du doch selbst gewollt, dass sie dir in die Eier tritt, sie macht sich darüber lustig, dass du emotional wirst.

Stell dir vor, du hättest es der Polizei erzählt und die fragen dich, was du trugst, als man dir in die Eier trat. Sie fragen dich, ob du was getrunken hattest. Fragen, was ihr davor gemacht habt. Wart ihr nackt? Habt ihr geknutscht?
Habt ihr.
Du gehst.

Stell dir vor, da gäbe es Gesetze, die besagten, dass es kein Übergriff ist, wenn die Ehefrau ihren Ehemann in die Eier tritt.
Stell dir vor, du hättest von Männern gehört, die für die Behandlung ihrer zerstörten Hoden aus eigener Tasche zahlen mussten.
Stell dir vor, du liest Statistiken, die zeigen, dass gerade mal ein Prozent der Eier-Tret-Vorfälle in einer Verurteilung münden.

Stell dir vor, ein Mädchen wird wiederholt dabei erwischt, wie sie einem betrunkenen, ohnmächtigen Jungen mehrfach in die Eier tritt.
Stell dir vor, die Richterin lässt sie gehen, weil sie sich Sorgen macht, sonst die Zukunft des Mädchens zu zerstören. Sie war ein Schwimmtalent mit Stipendium.
Stell dir vor, das passiert unentwegt.

Stell dir vor, dass eines Tages alle Männer beginnen, darüber zu reden, wie fast alle von ihnen an irgendeinem Punkt in ihrem Leben in die Eier getreten wurden.
Stell dir vor, die Hauptsorge der Frauen dazu sei, dass ihrem Ruf durch falsche Vorwürfe geschadet würde und ob dass Mysterium des Sex dadurch zerstört wird.

Stell dir vor, eine Frau kandidiert als Präsidentin. 
Stell dir vor, es kämen Tonspuren raus, auf denen sie damit angibt, dass sie Männern regelmäßig in die Eier tritt, ohne sich auch nur vorzustellen.
Stell dir vor, das würde sie keinerlei Unterstützung kosten.

Stell dir vor, sie behauptet, all diese Männer würden lügen.
Stell dir vor, sie sagt, die seien auch viel zu hässlich, um ihnen in die Eier zu treten.
Stell dir vor, es hätte noch niemals einen männlichen Präsidenten gegeben.
Stell dir vor, sie würde gegen den ersten männlichen Kandidaten kandidieren. 
Stell dir vor, er hätte Erfahrung und sie nicht.
Stell dir vor, sie würde trotzdem gewinnen.

Stell dir vor, sie würde eine Abgeordnete unterstützen, die bekannt ist dafür, kleinen Jungs in die Eier zu treten.
Stell dir vor, die wird als Richterin nominiert.
Stell dir vor, diese Richterin würde angeklagt, Jungs in die Eier zu treten.
Stell dir vor, der Kläger müsste sich zuletzt wegen all der Todesdrohungen zurückziehen.

Stell dir vor, der Mann, der in die Eier getreten wurde, liefert eine Aussage unter Eid.
Stell dir vor, die Richterin würde mit einem beleidigenden Wutanfall antworten.
Stell dir vor, die Klage des Mannes würde wegen fehlender Beweise abgelehnt.
Stell dir vor, der Richterin würde die Gelegenheit geboten, sich zu erklären.

Stell dir vor, die Präsidentin würde sich vor einer Menschenmenge über den Kläger lustig machen und alle lachen und klatschen.
Stell dir vor, die Richterin würde vereidigt.
Stell dir vor, die entscheidende Stimme war nur eine Person.
Kannst du dir das vorstellen?

Jetzt stell dir vor, dass der Eier-Tritt damals dazu führen würde, dass du ein Kind zeugst, dass die genaue genetische Kopie der Täterin wäre. 
Und stell dir vor, die besagte Richterin stellt sicher, dass du dieses Kind austragen müsstest.
Stell dir vor, das wäre der Grund gewesen, warum sie überhaupt vereidigt wurde.

Ich kann mir die Wut von Frauen heutzutage kaum vorstellen, aber dieses Gedankenspiel, auch wenn es abstrakt ist, hat mir dabei ein bisschen geholfen.
Seid nett zu Frauen, Männer. Heute und jeden Tag.
Und wenn du jemanden siehst, der Frauen missbraucht, brutal oder gemein ist?!
Tritt ihm in die Eier.

Frauen können echt wütend werden, wie diese Stockfotos "beweisen"

Gunda möchte übrigens das Wort Vulvalippen etablieren!

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Video: watson/Gunda Windmüller, Lia Haubner

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Und wie würde ein männlicher Autor dich beschreiben?

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    Alle Leser-Kommentare
  • imek 16.10.2018 13:16
    Highlight Highlight Ein wirklich guter und zutreffender Artikel über diese Analogie. Ich selbst bin M25 und Feminist.

    Tatsächlich lasse ich mir gerne in die Eier treten, ohne das im übertragenen Sinne zu meinen. Insbesondere als aufsehenerregenden Protest für solche Bewegungen, wie z.B. #meetoo, lässt sich das gut einsetzen.

    Habe mir auch schon auf Festivals und in der City von allen Frauen, die Bock hatten, in die Eier treten lassen, während Freunde & Freundinnen von mir mit Plakaten auf das Inhaltliche dahinter aufmerksam gemacht haben. Ist effektiver als provozierende Nacktheit.

    Bin stets offen für sowas :)
    • Julia Dombrowsky 16.10.2018 13:30
      Highlight Highlight Das klingt allerdings nach schmerzhaftem Körpereinsatz!
    • imek 16.10.2018 14:04
      Highlight Highlight Kommt drauf an :D Aber wie gesagt, es gefällt mir ja und ich gehe offen damit um :)
  • Vergugt 15.10.2018 23:37
    Highlight Highlight Genial. Natürlich kein perfekter Vergleich, aber ganz hervorragend, um Leuten (Männern), die sich nicht auf das Thema einlassen wollen, mal wachzurütteln.

    Wird sofort in mein Gender-Diskussions-Repertoire aufgenommen 🤗
    • Julia Dombrowsky 16.10.2018 11:26
      Highlight Highlight @Vergugt: Schön, dass es ankommt. Vielleicht hilft das ja beim gegenseitigen Verständnis. :-)

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