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Outlaw Arthur Morgan: Held oder Antiheld? Ihr dürft sein Schicksal selber bestimmen. zvg

"Red Dead Redemption 2" – darum spielt gerade die halbe Welt dieses geniale Game

So gut wie jede und jeder spielt es aktuell und versinkt in einer Welt, die man vorher so noch nie erleben durfte. Aber was genau ist so faszinierend am jüngsten Kind von "Rockstar Games"?

Simon Dick / watson.ch

"Geht’s Dir gut, bist Du krank, hast Du nicht geschlafen?" Solche Fragen muss man diese Tage einfach über sich ergehen lassen. Denn genügend Schlaf und die Teilnahme am sozialen Leben sind zu einem Luxusgut geworden. Schuld daran ist dieses "Red Dead Redemption 2", das uns Freunde der digitalen Unterhaltung in eine Welt hineinzieht, aus der wir gar nicht mehr herauskommen wollen. Termine werden abgesagt und Smartphones gleich direkt ausgeschaltet. Es gibt kein Entkommen. Wir liegen oder sitzen gespannt auf dem Sofa und kleben am Bildschirm fest. Der Wilde Westen ruft und mit ihm unvergessliche Spielstunden.

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Der Westen war nicht nur wild, sondern stellenweise auch kalt. zvg

Mittlerweile wurde es von der Fachpresse bereits weltweit brav durchgetestet und auseinandergenommen. Es folgten Höchstwertungen und eine Lobhudelei nach der anderen. Da schließen wir uns an. Doch bei aller Auflistung positiver Aspekte wie Top-Grafik, spannende Story und Langzeitspielspaß, warum fasziniert dieses Spiel so sehr? Denn "RDR2" erfindet das Game-Rad überhaupt nicht neu. Was also ist so faszinierend an diesem Outlaw-Abenteuer?

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Beginne ich einen Handel, oder schieße ich den Mann einfach über den Haufen? zvg

Hier unser Video-Test dazu (Wenn dir das hier alles zu viel Text ist):

Eine perfekte organische Spielwelt

Eine opulente Spielwelt zu erschaffen, wo sich quasi Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wird heute als Standard-Element in einem guten Videospiel erwartet. Gerade dann, wenn die Spielwiese riesig ist. Dass "Rockstar" das kann, haben die Damen und Herren schon öfters in der Vergangenheit bewiesen. Doch dieses Mal ist etwas anders.

Es ist nicht die sehr hohe Anzahl von Tieren, Pflanzen und Menschen, die im Wilden Westen tun, was sie tun müssen, sondern das Verhalten untereinander und vor allem wie sie auf den aktiven Spieler, die aktive Spielerin reagieren und Bezug nehmen. Es fühlt sich alles in dieser Welt dermaßen rund und ungezwungen an, dass man es nicht glauben kann, dass es so einen intelligenten Algorithmus überhaupt in einem Videospiel gibt.

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Jedes einzelne Objekt in der Umwelt scheint perfekt platziert zu sein. zvg

Wohin man auch reitet, wohin man auch geht, stets hat der Spieler, die Spielerin das Gefühl, dass hier ein Designer jedes einzelne Objekt von Hand hinein in die Spielwelt gepflanzt hat. Es scheint kein Zufallsfaktor für die üppige Flora und Fauna verantwortlich zu sein. Jeder Baum, jeder Grashalm, jedes Lebewesen wurde perfekt in die Umwelt integriert. Ob es tatsächlich so geschah oder doch ein komplexes Computerprogramm war, wissen wohl nur die Damen und Herren von "Rockstar" alleine. Aber das Ergebnis ist schlicht atemberaubend und zeigt mit wie viel Liebe hier eine digitale Welt erschaffen wurde. Alleine die Beziehung zu seinem Pferd und die allgemeine Entwicklung zwischen Mensch und Tier mit zu verfolgen, ist ein Genuss.

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Mit fast allen Figuren in der Spielwelt kann man interagieren. zvg

Auch die vielen Menschen, denen man begegnet, sind ein Beweis für diese Entwicklerliebe. Sie reagieren auf den Antihelden. Wie man sich auch verhält, welche Aktionen man auswählt um zu interagieren, sie alle scheinen Auswirkungen auf den weiteren Spielverlauf zu haben. Rettet man zum Beispiel eine junge Frau vor dem sicheren Tod kann man fest davon ausgehen, dass sie auch im späteren Spielverlauf irgendwie und irgendwann wieder den Weg kreuzen und sie sich an den Helden erinnern wird.

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Keine Lust auf eine Schießerei? Dann ab an den Fluss, um Fische zu fangen. zvg

Nahtlose Inszenierung aus einem Guss

Natürlich sind die Unterschiede zwischen dem aktiven Spielpart und den Zwischensequenzen immer noch ersichtlich. Aber die Übergänge verlaufen so fließend und geschmeidig, dass man sich öfters dabei ertappt, dass man den Wechsel kaum oder gar nicht gespürt hat. Diese Einheit, dieser Guss hat uns schon beim letzten "God of War" im April total fasziniert. Neu ist das also eigentlich auch nicht, aber «Rockstar» setzt noch einen drauf, um eine noch wuchtigere Immersion zu präsentieren.

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Zwischensequenz oder aktiver Spielpart? Manchmal weiß man es selber nicht so genau. zvg

Mit der Möglichkeit zwischen verschiedenen Kameraperspektiven zu wechseln und bei einigen Reitabschnitten zum Beispiel selbst sogar in die Totale überzugehen, während man sein Pferd brav steuert, entsteht dieser Sog, der dafür verantwortlich ist, dass wir stundenlang ohne Unterbrechung am Bildschirm kleben und nicht mitbekommen, wie die Stunden vergehen und plötzlich wieder Montag ist.

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Hände hoch, das ist ein Überfall! zvg

Hinzu kommt ein zusätzlicher, kleiner Trick, der uns das Gefühl vermittelt eine Einheit zwischen Spielabschnitt und Zwischensequenz zu konsumieren: Während bei den meisten Videospielen zwischen beiden Partien ein merklicher, meist optischer Unterschied zu erkennen ist, sind diese hier kaum mehr ersichtlich. Was man in den Zwischensequenzen optisch erleben darf und serviert bekommt, erhält man auch im aktiven Spielpart. So entsteht kein harter Schnitt, sondern eine Nahtlosigkeit zwischen den zwei Bestandteilen eines Videospiels. Der Spieler, die Spielerin bleibt so immer konstant in der Welt ohne gross herausgerissen zu werden. Nur der Tod der Spielfigur oder der Wechsel ins Menü unterbrochen diese ansonsten lückenlose Inszenierung.

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Eine zünftige Schießerei gehört einfach dazu.

Ein Stück Geschichte wird nachgespielt

Als die Europäer Nordamerika eroberten und dort einen Quadratmeter nach dem anderen besetzten, stand das Gesetz noch auf wackeligen Füssen. Der Westen war in der Tat wild und je mehr Menschen nach Westen wanderten, umso rauer wurde es. Doch nach und nach wurde das gesetzlose Chaos beseitigt. Die Zivilisation, die Industrialisierung und die Moderne eroberten das noch junge Land, das schon einige Kriege hinter sich hatte. Und genau in dieser unsicheren Zeit, wo Banditen und Gesetzlose gejagt wurden, um ihnen das Gesetz und die Zivilisation aufzudrängen, darf sich der Spieler, die Spielerin bewegen.

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Die Industrialisierung mit allen Schattenseiten eroberte auch den Wilden Westen. zvg

Man zieht sich dabei nicht nur die Stiefel eines Gangmitglieds an, sondern erlebt hautnah, wie es damals war, als man ständig auf der Flucht war, weil man nicht zur braven Norm gehörte. Dabei handelt die Geschichte nicht nur von brutalen Outlaws, die lieber schiessen, statt zu diskutieren, sondern auch von Frauen und Männern, die in Nordamerika ihre Freiheit suchten, sie vorerst fanden, dann aber doch unter dem Knüppel der Moderne litten. Schon damals war es ein Land von unbegrenzten Möglichkeiten. Doch alles hatte seinen Preis. Und das wird auch dem Spieler, der Spielerin immer wieder bewusst und aufgezeigt.

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In harten Zeiten wird eine Gang zur wichtigen Familie. zvg

Auf der Flucht vor Kopfgeldjägern und Gesetzeshütern flackert auch immer wieder die noch junge Geschichtsvergangenheit von Nordamerika auf. Der Sezessionskrieg, die Abschaffung der Sklaverei und neue politische Machtverhältnisse haben ihre Spuren in der Gesellschaft hinterlassen. Die hässlichen Kriegsjahre und das Leiden der Bevölkerung wird einem nicht nur in zahlreichen Nebenmissionen näher gelegt, sondern ist auch Bestandteil der Hauptgeschichte und hat die Hauptfiguren geformt, ihnen Ecken und Kanten verschafft. Auch wenn man den Outlaw Arthur Morgan steuern darf und er als Hauptprotagonist fungiert, alle Mitglieder der Gang-Familie und weitere Nebencharaktere sind wichtige Figuren, die nicht nur amerikanische Geschichte erzählen, sondern sie auch hautnah erleben lassen.

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Eine riesige Spielwiese wartet auf die Game-Gemeinschaft. zvg

Ein digitaler Höhepunkt

Fazit: Über die sagenhafte audiovisuelle Umsetzung muss man keine weiteren Worte verlieren. "Rockstar" hat hier die Messlatte weit nach oben gelegt. Nicht nur für weitere Produkte aus dem eigenen Haus, sondern auch für andere Mitbewerber in der Game-Industrie, die da noch kommen mögen. Was dieses Meisterwerk aber in höhere Sphären katapultiert, sind die perfekte organische Spielwelt und diese nahtlose Inszenierung, die wie aus einem Guss daherkommt. Zusätzlich vermittelt dieses Videospiel ein Stück amerikanische Geschichte und bettet diese in eine spannende Story ein, die viele, viele Spielstunden an den Bildschirm fesselt. Das beste Spiel des Jahres? Das muss jede und jeder für sich selber entscheiden. Auf jeden Fall ist "Red Dead Redemption 2" mehr als nur interaktive Unterhaltung. Das Ding ist ein Ereignis, das aufzeigt zu was ein Videospiel fähig ist.

«Red Dead Redemption 2 »ist erhältlich für Playstation 4 und Xbox One. Freigegeben ab 18 Jahren. Eine PC-Version wurde noch nicht angekündigt.

Seid ihr auch schon intensiv im Wilden Westen unterwegs oder interessiert euch dieses Videospiel überhaupt nicht? Die Kommentarspalte ist geöffnet!

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