Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Wie ein roter Punkt an der Tür gegen Einsamkeit helfen soll 

10.08.18, 09:44 13.08.18, 07:41
Helena Düll
Helena Düll

Einsamkeit fragt nicht, wie dein Tag war. Einsamkeit geht mit dir keinen Kaffee trinken. Einsamkeit lässt die schönsten Erfahrungen fremd, trist und traurig aussehen. Einsamkeit fühlt sich aber auch für jeden anders an. 

In Augsburg gibt es deshalb nun einen roten Punkt, der gegen Einsamkeit helfen soll. Das Ziel: Begegnung und Austausch statt Einsamkeit. Doch was steckt dahinter und wie groß ist das Problem mit der Einsamkeit? 4 Fragen und Antworten. 

Wie soll ein roter Punkt helfen, wenn ich einsam bin? 

Erfunden hat den roten Punkt mit dem Namen "opendot" das Kunstkollektiv "Utopia Toolbox" in Augsburg. Die Kreativen fahren immer wieder in andere Städte und befragen Menschen. Was wünschen sie sich für ihr eigenes und auch für das gesellschaftliche Leben für die Zukunft? 

In München traf sie dabei auf einen Mann, der sich mehr Kontakt wünschte. Dabei kam Juliane Stiegele die Idee, mit Hilfe eines roten Punkts auf der Tür die Einsamkeit in Wohnungen zu bekämpfen. Sie selbst nennt Einsamkeit einen "gesellschaftlichen Schwellbrand". 

Und so funktioniert der rote Punkt: 

Wie kommt der rote Punkt an? 

Zwar wird der rote Punkt erst seit wenigen Wochen in der schwäbischen Stadt verteilt. Die große Aufmerksamkeit erlangte er aber im Rahmen des Friedensfestes am Mittwoch, wo er Teil des Programms war. 

Einige Menschen haben sich den Punkt schon an die Tür geklebt. 

Wie die Rentnerin Karin Eisenmann-Martin. Sie macht das, 

"damit jemand, der vorbeigeht weiß, hier kann ich mal läuten, wenn ich das Bedürfnis habe."

Karin Eisenmann-Martin moma

Belastbare Erfahrungswerte gibt es nach wenigen Tagen und in der Testphase noch nicht. Allerdings werde der Punkt gut angenommen, viele Menschen würden sich auch beim Kollektiv selbst melden, so Juliane Stiegele.

Auch die Städte Köln und Karlsruhe hätten schon angefragt, ob sie das Projekt übernehmen können. 

Aber ist der Punkt nicht auch eine Einladung für Verbrecher?

Mit diesem Gegenargument haben sich Stiegele und die anderen Kreativen lange und intensiv auseinander gesetzt, das Kollektiv hat sich sogar juristisch abgesichert. Und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass sich ein Restrisiko nie ausschließen lässt.

Sich den Punkt auf die Türe zu machen ist eine freiwillige Entscheidung. Wem das Risiko zu groß ist, der sollte es auch nicht machen. Und selbst wenn: Es liegt immer noch in der eigenen Freiheit eines jeden Einzelnen, jedes Mal aufs Neue zu entscheiden, ob ich meine Türe jetzt öffnen möchte. Aber dauernd nur wegen lauter Bedenken das Leben einzuschränken, ist auch keine gute Option.

Juliane Stiegele

Haben wir wirklich so ein krasses Problem mit Einsamkeit? 

Einsamkeit hat ein Problem. Nach dem wichtigsten internationalen System ICD (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme) ist sie bislang keine offiziell anerkannte Diagnose. Die meisten Ärzte und Psychologen sehen Einsamkeit nicht als eigenständige Krankheit, sondern als einen Faktor (ähnlich wie bei Armut oder Arbeitslosigkeit), der wiederum andere Krankheiten verursacht.

Wie wird Einsamkeit definiert? 

Einsamkeit ist subjektiv. Menschen, die sich soziale Kontakte wünschen, die sie aktuell aber nicht haben, sind einsam. Das kann der grundsätzliche Mangel an sozialen, aber auch der temporäre Mangel an sozialen Kontakten sein. 

Lexikon für Psychologie und Pädagogik

Rentner sind vielleicht einsam, aber ich doch nicht!

Falls du dich jetzt bei genau diesem Gedanken ertappt hast, dann liegst du falsch. Maike Luhmann, Professorin für Psychologische Methodenlehre an der Ruhr-Universität Bochum schätzt, dass jeder zehnte bis fünfte Mensch in seinem Leben vom Gefühl der Einsamkeit mindestens manchmal betroffen ist. Zwar mangelt es aufgrund der fehlenden Diagnose von Einsamkeit an belastbaren Zahlen, aber die Forschung hat inzwischen zwei Phasen herausgearbeitet, in denen wir Menschen uns besonders einsam fühlen: 

Gibt es noch andere Lösungen?

Das Kunstkollektiv glaubt, dass Einsamkeit nicht ohne Hilfe der Politik bekämpft werden könne. 

"'Utopia Tollbox' kann den Opendot auf die Dauer logistisch nicht alleine stemmen"

Juliane Stiegele

Deshalb treffen sie sich mit Verantwortlichen der Stadt, stellen den Kontakt zwischen ihnen und Experten auf den Gebieten der Einsamkeitsforschung und der Kulturanthropologie her und haben der Stadt vorgeschlagen, das Projekt zu übernehmen. Auch anderorts gibt es Versuche, der Einsamkeit entgegen zu wirken. 

Anonym mitmachen: 

Jede zehnte bis fünfte Mensch fühlt sich manchmal einsam. Darüber müssen wir sprechen. Fühlst auch du dich einsam oder kennst das Gefühl und möchtest mit uns – gerne anonym – darüber sprechen? Dann schreib uns an redaktion@watson.de.

Was zum lachen: Stockfotos von Familien vor dem Fernseher

Und noch was: Wenn du ein Eis in der Hand hast – und alles schief läuft

Video: watson/Lia Haubner

Mit watson bist du nie einsam:

Supreme bringt neue Kollektion raus – ein Madonna-Shirt ist auch dabei 👀

"Lucifer" bekommt doch eine vierte Staffel – bei Netflix!

Das steckt hinter dem gruseligen Whatsapp-Account "Momo"

Unbedingt bis zum Ende lesen 🕮 🕮 🕮 Das sind die 10 schönsten Bibliotheken der Welt

Ein Skandal-Rapper will ins Bataclan und Frankreichs Rechte rasten aus

Endometriose-Spezialistin: "Viele Frauen halten ihre starken Regelschmerzen für normal"

Hier kommt die neueste Bieber – und sie hat schon 5 Millionen Likes

"Beim Dreier hinten anstellen" – 16 Sätze, die du im Freibad und beim Sex sagen kannst 

3 Beobachtungen, die zeigen, wie Beyoncé und Jay-Z ihre Liebe inszenieren💕

"Liberation": 3 Gründe, warum die Popmusik heute noch Christina Aguilera braucht 

Hier ist der Beweis: McDonalds-Burger verrotten auch nach 6 Jahren nicht

Ethan Peck wird der neue Spock – und hier ist der Trailer für den "Mad Men"-Nachfolger

Queen Elizabeth und Prinz Philip kommen offenbar nicht zur Taufe von Prinz Louis

Australisches Label launcht #MeToo-Kollektion (ja, ernsthaft!) – und so sieht sie aus

11 Britney-Momente, die dir zeigen, wie alt du schon bist 😱

Baden in der Ostsee? Klingt gut, ist aber gerade super eklig!

Dieses Model zeigt ihre Speckröllchen und wird vom Internet gefeiert ❤️

Yes, Lord! Die erste gleichgeschlechtliche Ehe bei den Royals

In Neuseeland bekommen Opfer häuslicher Gewalt bald 10 Tage Urlaub – und hier?

Das Internet liebt dieses Plus-Size-Bikini-Model – zu Recht! 

"Quizz die Gesa" Part II – Bist du schlauer als unsere Chefredakteurin? 

"Hörst du den Bär da draußen?" – 9 Situationen, mit denen du beim Zelten zu kämpfen hast

Wie leben die Menschen in Nordkorea? Ein Einblick in 6 Punkten und 11 Bildern

Fisch-Schlappen sind schon jetzt der ekligste Sommertrend des Jahres

"Ich möchte gar nicht Vollzeit arbeiten" – Musiker Hannes in unserer Armutsserie 

10 "Sex and the City"-Zitate für Singles, die immer noch wahr sind

H&M ändert in Großbritannien die Größen – aber was ist mit Deutschland?

Warum mehr als 230.000 Menschen gegen die  Netflix-Serie "Insatiable" sind

"Queer Eye" kommt mit 2. Staffel auf Netflix zurück – wegen dieser 5 Typen freuen wir uns

#flamingofloatie: 7 Tricks für das perfekte Instagram-Bild 

Astrid-Lindgren-Fans aufgepasst: Ihr könnt nun das Bullerbü-Haus kaufen

"Queer Eye": Die Umstyling-Show der Herzen meldet sich mit Trailer zurück 😍

Endlich draußen! Alle Jungen und ihr Trainer aus der Höhle in Thailand gerettet

Eminem ist eine Legende! 8 Beweise für alle Ungläubigen

Das sind die 5 beklopptesten Beauty-Trends der vergangenen Jahre

Was passiert, wenn sich das Modelabel "Supreme" die Titelseite einer Zeitung kauft

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Warum dieser Jugendrichter sich für Cannabis-Legalisierung die Seele aus dem Leib schreit

Dafür, dass er gerade auf einer Kiffer-Demo spricht, klingt Andreas Müller ganz schön aggressiv und aufgebracht. Müller ist Jugendrichter. Auf der Hanfparade in Berlin will er den Menschen jedoch nicht das Kiffen ausreden. Nein, er schreit lautstark gegen Deutschlands restriktive Drogenpolitik an.

Müller gilt eigentlich als harter Hund. Ende der 90er Jahre lehrte er als Jugendrichter in Bernau bei Berlin Brandenburger Neonazis das Fürchten. Seine Urteile: meistens hart. Manchmal aber auch …

Artikel lesen