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Was du statt eines Screenshots machen kannst, wenn dich etwas aufregt

Bianca Xenia Jankovska / watson.ch

Etwas regt dich auf in diesem Internet, du machst schnell einen Screenshot oder ein Foto und sendest die Nachricht mit einem gehässigen Kommentar an deine fünf besten Freunde. Oder umgekehrt: Du bist gerade lässig beim Abendessen, als dir deine beste Freundin eine WhatsApp mit:

sendet.

Hand auf die Tastatur, wer hat es bitteschön noch nie getan?

Was durchaus als verbindender Moment im Internetzeitalter durchgehen könnte, belastet im falschen Moment nicht nur deine Beziehung mit toxischem Content-Müll, der Screenshot ändert leider auch wenig bis nichts an dem Problem an sich. Denn:

Es reicht heute leider nicht mehr, seine Mieterhöhung auf Facebook zu posten und auf ein Wunder zu hoffen.

Manche Dinge müssen strategisch und langfristig angegangen werden, um aus der Misere auszubrechen. Was nicht heißt, dass du deine FreundInnen nicht bei der Umsetzung einplanen kannst.

Wir haben hier Möglichkeiten gesammelt, wie du als Ergänzung zu gängigen Formen der Call-Out-Culture selbst aktiv etwas an deiner Situation verbessern kannst.

Suche die Mailadresse der Verantwortlichen

Es gibt für alles einen Verantwortlichen, der gemütlich im 13. Stock Kaffee trinkt. Wenn du möchtest, dass deine Kritik als Außenstehende zumindest die Chance hat, anzukommen, sende deine Beschwerde so sachlich, klug und konkret wie möglich als Denkzettel an die Person, die theoretisch auch etwas daran ändern könnte.

Selbst wenn keine Antwort kommt: die Mail oder der Brief wird in den meisten Fällen doch eher gelesen, als ein Fragment auf einem privaten Insta-Account und die Kritik gelangt dorthin, wo sie (auch) hingehört. Zudem kannst du konkrete Verbesserungsvorschläge mitliefern, Institutionen ins CC setzen oder an die Konsequenzen einer Handlungsverweigerung appellieren.

Dokumentiere

Mails alleine sind natürlich nicht genug. Aber: Sie sind genauso wie (im besten Falle) eingeschriebene Briefe eine Form der Dokumentation.

Die ist wichtig, falls du für dein Problem irgendwann die Hilfe eines Anwalts in Anspruch nehmen möchtest. Spätestens dann wirst du einen Ordner brauchen, in dem du alle Beweise gesammelt und nach Datum sortiert dokumentiert hast.

Das kann auch ein einfacher Ordner in deiner Cloud sein, in dem du für etwaige Mieterhöhungen präventiv den Zustand deines Wohnbaus festhältst.

Sieh dir den Gesetzestext an

Dir kommt etwas mächtig faul vor? In Deutschland stellt das Bundesministerium der Justiz für Bürger nahezu das gesamte aktuelle Bundesrecht kostenlos im Internet bereit. Die Gesetze und Rechtsverordnungen können in ihrer jeweils geltenden Fassung abgerufen werden.

Organisiere deine Nachbarn, dein Netzwerk oder deine Kolleginnen

Alleine kämpft es sich schwerer. Obwohl der Trend weiter in Richtung Individualisierung voranschreitet, ist es möglich, sich in geschlossenen Chats oder Foren zu organisieren und auszutauschen.

Auf Facebook gibt es zum Beispiel die Gruppe Digital Media Women, in der schon Fälle diskutiert wurden, die erst später an die Öffentlichkeit kamen. Auch du selbst kannst geschlossene Gruppen gründen, Mieterinnen-Versammlungen ins Leben rufen oder deine Online-Community um Hilfe bitten.

Klar: Organisation bedeutet Aufwand. Aber:

Dafür hat man am Ende meist auch mehr Ergebnisse als alleine mit dem Controller in der Hand auf der Couch. Abgesehen von dem guten Gefühl, für sich eingestanden zu haben.

Zum Glück gibt es inzwischen Tools wie Calendly, Zapier oder Doodle, die die Organisation erleichtern.

Trete bereits bestehenden Vereinen, Verbänden oder Aktionen bei

Keine Zeit, selbst etwas ins Leben zu rufen? Dann google mal nach Vereinen in deiner Region oder engagiere dich auf der Plattform Demokratiezentrum.

Problematische Beiträge im Schweizer Pressewesen können beispielsweise dem Presserat via E-Mail gemeldet werden. Dafür braucht es lediglich Name und Adresse sowie eine Unterschrift.

Die Beschwerde ist kostenlos und wird innerhalb von 6 bis 12 Monaten bearbeitet und als Urteil veröffentlicht.

Sprich mit anderen Betroffenen

Sprechen hilft. Du wirst gar nicht glauben, wie vielen Menschen Ähnliches passiert ist wie dir, wenn du erst einmal anfängst, darüber zu reden. Anfangen kannst du bei vertrauten KollegInnen oder FreundInnen.

Da du dich nicht der Verleumdung schuldig machen möchtest, verzichte lieber auf gehässige Postings in deinem Namen auf professionellen Kanälen und schau lieber, wie du die Fäden im Hintergrund ziehen kannst. Zumindest bis du jemanden – zum Beispiel auch Journalistinnen – gefunden hast, die dich als Quelle schützen und für dich an die Öffentlichkeit gehen, wenn du das möchtest.

Hinweis: Wer sich psychisch nicht gewappnet fühlt, aktiv zu werden, muss sich nicht noch schlechter fühlen. Aktivismus ist in jedem Fall kräfte-, geld- und zeitzehrend.

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