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Eduard II. – Der schwule englische König, der auf brutale Art sterben musste

03.09.18, 21:34

Anna Rothenfluh

Der englische König Eduard I. zeugte mit seiner Gemahlin Eleonore an die 14 Kinder, doch bis auf einen mussten sie alle Jungen begraben. Nur der 1284 geborene Eduard überlebte – der Hurensohn, wie ihn sein Vater zu nennen pflegte.

Und während seine zahlreichen Schwestern allmählich verheiratet wurden oder in Klöster eintraten, vergnügte sich Eduard mit dem Franzosen Piers Gaveston. Was auch immer dieser scharfsinnige und kultivierte Mann dem Thronfolger nachts ins Ohr säuselte, es musste Eduard so gefallen haben, dass er ihn sofort zu seinem Kammerherren machte. 

Solche Verhältnisse musste der König an seinem Hof antreffen, als er aus Schottland zurückkehrte, wo er William Wallace mit dem tapferen Herzen bezwungen hatte. Er mochte seinen Sohn zwar ins Exil schicken und Gaveston verbannen, doch sobald er unter der Erde lag, holte Eduard – nunmehr der neue König – seinen Geliebten wieder an den Hof. 

"Eduard II. und Piers Gaveston" von Marcus Stone, 1872. Königin Isabelle und die Höflinge schauen verächtlich zu den beiden hinüber queerstoryfiles

Bevor er starb, gelang es seinem Vater immerhin noch, Eduard mit Isabelle de France, einer Tochter des französischen Königs Philipp IV., zu verheiraten. Mit ihr wird er auch pflichtbewusst vier Kinder zeugen. 

Die Hochzeit von Eduard und Isabelle. Buchmalerei, um 1475 Bild: wikimedia

Die meisten seiner Nächte verbrachte er allerdings mit Gaveston. Und mochte man diese dem ganzen Mittelalter als widernatürlich empfundene Zuneigung zweier Männer füreinander am Hof noch halbwegs hinnehmen, so beobachtete man Gavestons rasanten Aufstieg mit großer Missgunst. Er, der sich wie ein zweiter König aufführte, ja bei speziellen Anlässen sogar die Eduardskrone tragen durfte.

Dass seine gierigen Sodomitenhände sich an der royalen Kasse vergriffen, dass ihn der König unaufhörlich mit Titeln und Ländereien beschenkte, das alles war zu viel für die englischen Barone. Drei Mal wurde Gaveston verbannt und als das Land schon am Rande eines Bürgerkrieges stand, fasste man den Flüchtigen endlich und schlug ihm 1312 den Kopf ab.

Der Earl of Warwick über der enthaupteten Leiche Gavestons, Buchillustration aus dem 14. Jahrhundert. Bild: wikimedia

Auch als militärischer Führer konnte Eduard II. nicht glänzen. Obwohl seine Männer den Schotten zahlenmäßig weit überlegen waren, unterlagen sie 1314 in der Schlacht von Bannockburn. Der englische König hatte die Reiterei im sumpfigen Gebiet angreifen lassen, wo seine schwer gepanzerten Ritter reihenweise im Boden versanken.

Selbst sein Rachefeldzug acht Jahre später endete in einem Desaster – er musste fliehen, während seine hinter den feindlichen Linien zurückgelassene Gattin Isabelle sich nur noch durch eine gefährliche Fahrt übers Meer zu retten wusste. 

Darstellung der Schlacht von Bannockburn aus der Holkham Bible, 1327–35 Bild: wikimedia

Eduard hatte Isabelle im Stich gelassen. Das wird sie ihm nicht so schnell vergessen. Auch die Demütigung nicht, die sie durch seine Männerliebschaften zu ertragen hatte. Denn Gavestons Platz blieb nicht einfach frei. Der Höfling Hugh le Despenser rückte nach – und dieses Mal löste seine bevorzugte Stellung am Hof tatsächlich einen Bürgerkrieg aus. Eduard konnte ihn zwar zu seinen Gunsten entscheiden, doch sein Thron hörte damit nicht auf zu wackeln. Er stand auf unebenem Boden und dieser wurde nun noch zusätzlich erschüttert durch einen Krieg mit Frankreich.

1324 regierte Karl IV. das Land, der Bruder von Isabelle. Er lud seine Schwester zu Friedensverhandlungen ein, gemeinsam mit ihrem Sohn Eduard, dem Thronerben. Beide ließen bald darauf öffentlich verlautbaren, nicht eher nach England zurückzukehren, bis der König seinen Günstling Despenser vom Hof verjagt habe. Isabelle war sich sicher, dass dieser Mann der Grund für ihre zerstörte Ehe sei. Gemeinsam mit ihrem Geliebten – dem aus dem Tower geflohenen Grafen Roger Mortimer – begann sie nun ein Söldnerheer gegen ihren Gatten aufzustellen. 

Scharenweise liefen die der Günstlingswirtschaft ihres Königs überdrüssig gewordenen Adligen zu Isabelle über, als sie 1326 mit ihren Männern in England landete. Eduard II. flüchtete bis in die dichten Wälder von Südwales, wo er sich mit Despenser und seinen letzten Gefolgsleuten zu verstecken versuchte. Sie wurden von Einheimischen verraten.

Eduard II. von England, Buchmalerei aus dem 14. Jahrhundert Bild: wikimedia

Despenser schaffte es nicht, sich während seiner Haft zu Tode zu hungern und so musste er seiner Hinrichtung als Verräter entgegensehen. Man band ihn an eine Leiter, schnitt ihm die Hoden ab und ließ ihn dabei zusehen, wie sie brannten. Dann weidete man ihn aus, riss ihm zuletzt das Herz heraus und warf auch dieses ins Feuer. 

Eduard II. wurde indes abgesetzt. Man erklärte ihn für regierungsunfähig. Er habe sich eines Königs unwürdigen Tätigkeiten gewidmet. Er habe zugelassen, dass andere die Herrschaft ausübten. 

Die Art seines Sterbens aber sollte die größte Sünde widerspiegeln, derer er sich schuldig gemacht hatte: die der Liebe zu einem Mann. Man führte ihm rektal ein aufgesägtes Kuhhorn ein, durch das dann eine glühende Eisenstange bis in die Gedärme hinein getrieben wurde.  

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