Leben
Bild

Bye bye Karies und Zahnstein: Darauf sollten wir bei der Zahnreinigung achten. EBild: iStock / Getty Images Plus Wavebreakmedia

Zahnarzt erklärt: Diese 7 Fehler solltest du beim Zähneputzen vermeiden

Du tust es jeden Tag – doch tust du es auch richtig? Zähneputzen gehört zu den Dingen, die du als Kind gelernt und danach nie wieder ernsthaft hinterfragt hast. Doch je öfter du von Freunden oder Kollegen hörst, dass sie es mit der Zahnbürste oder Zahnseide anders handhaben, beschleicht dich ein mulmiges Gefühl. Du fragst dich: Putze ich meine Zähne richtig?

Zahnarzt Stefan Zimmer erklärt im Interview mit watson, worauf du bei der Zahnreinigung achten solltest – und einiges davon hast du als Kind sicherlich nicht gelernt.

Putz deine Zähne nicht zu häufig

Mensa-Essen, Cappuccino im Café, Schokolade auf der Arbeit: Wenn du den ganzen Tag über isst und trinkst, solltest du danach immer die Zähne putzen, oder? Wäre es also schlau, stets eine Reisezahnbürste dabei zu haben?

"Zweimal am Tag die Zähne zu putzen ist ein guter Kompromiss zwischen Pflege und Schutz."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Auch wenn das in der Theorie nach einem vorbildlichen Plan für saubere Zähne klingt, solltest du besser die Hände vom übermäßigen Putzen lassen, warnt Zimmer: "Menschen, die öfter als zweimal täglich Zähne putzen, weisen Putzschäden auf. Sie schrubben sich teilweise ihre Zähne und ihr Zahnfleisch weg."

Verlass dich nicht auf eine allgemeine Putzdauer

Gehörst du zu den Menschen, die mit dem Zähneputzen nicht schnell genug fertig werden können – oder zu denen, die gefühlt stundenlang mit der Zahnbürste durch die Wohnung laufen?

Solltest du zur letzteren Gruppe gehören, gibt es gute Nachrichten: Beim Zähneputzen ist eine lange Putzdauer empfehlenswert, erklärt Zimmer.

"Generell putzen Menschen meist zu kurz, wodurch nicht alle Zahnbeläge entfernt werden. Es ist bewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen Putzdauer und Sauberkeit der Zähne gibt."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Doch wie lang die Putzdauer genau sein sollte, ist schwer zu sagen, gibt Zimmer zu. Er distanziert sich von generellen Angaben, die zwei bis drei Minuten empfehlen, da dies nur Durchschnittswerte seien. "Münder und Zähne sind unterschiedlich", erklärt der Experte. Während einige Menschen weniger als zwei Minuten für eine gründliche Reinigung brauchen, sind es bei anderen mehr als fünf Minuten. Sein simpler Rat: so lange putzen, bis die Zähne sauber sind.

Experten-Tipp

So bestimmst du deine ideale Zahnputzdauer

Um herauszufinden, wie viel Belag deine Zähne haben und wie lang die Reinigung dauert, empfiehlt Zimmer Plaque-Färbetabletten. Diese kannst du zum Beispiel in der Drogerie bestellen. Durch das Zerkauen der Plaque-Tabletten färbt sich dein Mund ein, wobei die Farbe nur an den Zahnbelägen haften bleibt. Dann putzt du wie gewohnt und stoppst die Zeit, bis alle Verfärbungen weg sind. Diese Zeit ist deine individuelle Zahnputzdauer. Du solltest den Test jährlich wiederholen, um zu schauen, ob die Zeit noch ausreicht.

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Putzfaul? Verabschiede dich von der Handzahnbürste

Du stehst vor dem Drogerie-Regal und willst einen Nachfolger für deine ausgefranste Handzahnbürste kaufen. Am besten gleich das Dreier-Pack, spart es doch Geld und Zeit. Plötzlich schweift dein Blick zu den schicken elektrischen Konkurrenten. Du fragst dich: Ist es heute an der Zeit, der Handzahnbürste lebewohl zu sagen? Oder kann ich mir die Investition sparen, da meine Zähne auf altmodische Art genauso sauber werden?

Bild

Elektrische oder Handzahnbürste? Die Wahl fällt nicht immer leicht Bild: iStock / Getty Images Plus Wavebreakmedia

"Generell ist eine elektrische Zahnbürste die bessere Wahl, egal ob mit rotierenden oder oszillierenden (schwingenden) Borsten", erklärt Zimmer. Gegenüber Handzahnbürsten haben sie den simplen aber entscheidenden Vorteil, dass sie effektiver Zahnbelag entfernen, so der Experte.

"Eine elektrische Zahnbürste bringt aber nicht viel, wenn nicht ausreichend lang geputzt wird."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Doch eine elektrische Zahnbürste bedeutet nicht automatisch sauberere Zähne. "Letztlich kommt es auf die Putzdauer und die Effektivität der Plaque-Entfernung an, nicht auf die Art der Zahnbürste", macht Zimmer deutlich. Wenn du eine Handzahnbürste bevorzugst: kein Problem. Du musst dann bloß mehr Zeit und Energie aufwenden, um deine Zähne gründlich zu reinigen, betont der Zahnarzt.

Beim Ausspülen gilt: weniger ist mehr

Jedes Zähneputzen endet bei dir mit einem kräftigen und mehrmaligen Ausspülen, damit alle Zahnpastareste aus dem Mund verschwinden? Wenn du deine Zähne nach dem Putzen noch weiter pflegen willst, solltest du das in Zukunft nicht mehr tun.

"Es gibt Erkenntnisse, die zeigen, dass Zahnpasta besser wirkt, wenn man sie nicht ausspült."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Wenn du nach dem Putzen nicht ausspülst, bleibt ein Film auf deinen Zähnen zurück, durch den das Fluorid weiter einwirken kann, erklärt Zimmer. Da es aber viele Menschen unangenehm finden, gar nicht auszuspülen und in Zahnpasten neben Fluoriden auch belastende Tenside enthalten sind, rät der Experte zu einem Kompromiss: "Zahnpasta ausspülen, aber nur mit wenig Wasser. So bleibt ein leichter Film zurück, der Geschmack allerdings verschwindet".

Keine halben Sachen bei Zahnseide

Bei der obligatorischen "Wie oft benutzten Sie Zahnseide"-Frage beim Zahnarzt würdest du am liebsten im Stuhl versinken? Du bist nicht allein: Laut einer Umfrage des Portals Gesundheit.de nutzen 43 Prozent der Befragten nie Zahnseide und nur 16 Prozent täglich.

Laut Zimmer wird Zahnseide vor allem dann zum gesundheitlichen Problem, wenn die Benutzung sehr unregelmäßig stattfindet. Solltest du deine verstaubte Zahnseidepackung aus schlechtem Gewissen alle halbe Jahre aus dem Schrank kramen: lass es lieber.

"Problematisch wird es, wenn Zahnseide selten benutzt wird. Über die Zeit sammeln sich überall am Zahnfleisch Beläge an und starke Entzündungen entstehen. Werden diese entzündeten Stellen nur alle paar Monate durch Zahnseide berührt und beginnen daraufhin zu bluten, wird an diesen Stellen der Blutkreislauf geöffnet und Bakterien können eindringen."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Die Bakterien können durch das Blut zum Herzen transportiert werden, sich dort ablagern und im schlimmsten Fall zu einer Endokarditis (Entzündung der Herzinnenwand) führen, erklärt der Experte. "Diese Fälle sind allerdings selten und sollten einen gesunden Patienten ohne Vorerkrankung nicht davon abschrecken, Zahnseide zu benutzen – aber bitte regelmäßig, am besten täglich.“

Bild

Welche Zahnseide-Variante ist die richtige für dich? Bild: iStock / Getty Images Plus vector

Und keine Sorge: Laut Zimmer ist es normal, dass das Zahnfleisch nach den ersten Malen blutet. Dies zeigt, dass du Beläge und Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) hast. Die Blutungen hören schnell auf und wenn du täglich Zahnseide benutzt, können sich keine neuen Entzündungen bilden. Wenn du mit normaler Zahnseide nicht zurechtkommt, empfiehlt der Experte Zahnseide-Sticks oder Soft-Picks.

Putzt nicht um den Zahnstein herum

Es gibt wohl kaum etwas Beständigeres als Zahnstein. Hat er sich gebildet, hilft nur die professionelle Zahnreinigung, erklärt Zimmer. Doch du kannst Zahnstein vorbeugen.

„Zahnstein sind verkalkte bakterielle Beläge. Am Anfang sind sie weich und verhärten sich nur dann, wenn sie sich über längere Zeit an einem Ort ansiedeln. Schafft man es, die Belege zu entfernen, solange sie noch weich sind, kann man Zahnstein verhindern. Sinnvoll ist eine Zahnpasta, die präventiv gegen Zahnstein wirkt."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Neben der richtigen Zahnpasta kannst du noch etwas tun, um Zahnstein vorzubeugen: Achte beim Putzen auf die Innenseite deiner unteren Schneidezähne. Laut Zimmer befinden sich dort die Ausführungsgänge der größten Speicheldrüse, wodurch die untere Zahnpartie besonders stark von frischem Speichel umspült werden. Problematisch ist das deshalb, führt der Experte weiter aus, weil im Speichel Mineralien enthalten sind, die Zahnbelag zu Zahnstein verkalken lassen.

Das Problem wird dadurch verstärkt, dass du mit der Zahnbürste nur schwer die Innenseite deiner unteren Schneidezähne erreichst. "Man kommt dort nur hin, wenn man die Zahnbürste hochkant benutzt und sehr gründlich ist", betont der Zahnarzt. Beim nächsten Putzen solltest du deinen unteren Schneidezähnen also besondere Aufmerksamkeit schenken.

Mundgeruch? Achte auf den richtigen Zungenschaber

Du leidest unter Mundgeruch und hast dir deshalb vor Kurzem eine Zahnbürste gekauft, die auf der Rückseite der Borsten eine raue Oberfläche zur Reinigung der Zunge hat? Super Idee, denn in 90 Prozent der Fälle liegt die Ursache für Mundgeruch im Mund-, Rachen- oder Nasenraum. Doch selbst nach Wochen bessert sich dein Mundgeruch nicht? Dies könnte einen einfachen Grund haben, erklärt Zimmer: Dein Zungenschaber spart wichtige Stellen aus.

"Zahnbürsten mit Schaber auf der Rückseite sind meist zu hoch, um weit nach hinten an die Zunge zu kommen und den Belag dort zu entfernen."

Stefan Zimmer (Zahnarzt)

Für Mundgeruch sind meist die Beläge verantwortlich, die weit hinten auf der Zunge sitzen, erklärt Zimmer. Er empfiehlt deshalb den Kauf eines flachen Schabers: "Mit der einen Seite kann der gesamte Belag grob entfernt werden, auf der anderen Seite kann antibakterielle Zahnpasta aufgebracht und auf der Zungen verteilt werden."

Um den Zahnarzt kommt keiner herum

In einigen Punkten wirst du dich sicherlich wiederfinden und dir beim nächsten Zähneputzen genauer hinschauen. Doch egal, wie penibel du alle Tipps umsetzt, auf regelmäßige Besuche beim Zahnarzt solltest du nicht verzichten.

"Es gibt Stellen, an die kommt man nicht ran. Hier hilft nur die professionelle Zahnreinigung", betont Zimmer abschließend. Und wenn wir als Kinder eins zum Thema Zähneputzen gelernt haben, dann: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

"Ich lag zwei Wochen im Koma" - Sportlerin nach Organspende

Play Icon
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Hochfunktionale Depression: Wenn niemand merkt, wie krank du wirklich bist

Liliana Kröger (Name von der Redaktion geändert), 34, leidet an einer sogenannten atypischen Depression: Obwohl sie erfolgreich im Beruf ist und ihren Alltag gut bewältigt, ist sie depressiv. Ihre Form der Depression wird manchmal auch "hochfunktionale Depression" genannt. Lilianas Leiden wurde jahrelang nicht diagnostiziert – unter anderem auch, weil sie sich nicht zum Arzt traute, da sie sich nicht "krank genug" fühlte. So empfindet ein Mensch, der nach außen hin seinen Alltag meistert – und tr

Heute morgen wache ich auf und es ist schon hell, aber die Sonne scheint nicht. Zumindest fühlt es sich so an.

Ich drücke den Snooze-Button auf meinem Wecker, nur noch zehn Minuten. Ich fühlte mich wie gerädert, frage mich, wie ich aus dem Bett kommen soll. Die letzte Nacht habe ich wieder schlecht geschlafen, im Traum ist die Welt untergegangen. Das träume ich häufig, wenn es mir nicht gut geht.

Ich quäle mich aus dem Bett, ziehe mich an, lese die Nachricht einer Freundin, die mich heute Abend …

Artikel lesen
Link zum Artikel