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Bild: getty images/montage:watson

Mit einem Tweet in den Untergang – Roseanne ist nicht die einzige, die es verkackt hat

Die US-Sitcom "Roseanne" wird wegen eines rassistischen Tweets der Hauptdarstellerin eingestellt. Doch Roseanne ist nicht die einzige, die sich mit einem einzigen Tweet so richtig ins Abseits beförderte – 7 weitere Beispiele. 

31.05.18, 11:42 01.06.18, 07:27

Helene Obrist

Roseanne Barr, US-Schauspielerin und Darstellerin der US-Sitcom "Roseanne", setzte über Twitter eine folgenschwere Botschaft ab. Barr twitterte: "Die muslimische Bruderschaft und der Planet der Affen haben ein Baby bekommen=vj". Mit der Abkürzung VJ meinte Barr Valerie Jarrett, die ehemalige Beraterin von Barack Obama. 

Auf ihren Tweet gab es zahlreiche wütende Reaktionen. Darunter auch diejenige des Senders ABC, die in einem Statement mitteilte, dass die Show sofort abgesetzt wird. 

Roseanne Barr ist nicht die einzige, die sich mit einem unüberlegten Tweet ins Abseits befördert. Vor ihr taten es viele weitere bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten. 

Der "Erdogan und PKK"-Tweet

Mit den Konsequenzen ihres Posts hatte eine junge, türkisch-stämmige Frau wohl nicht gerechnet. Kurz nach dem Amoklauf in einem Einkaufszentrum in München 2016, bei dem neun Menschen erschossen wurden, schrieb sie auf Facebook: 

"In München Terroranschlag? #gutso!!!! Deutschland finanziert die PKK. Deutschland will, dass Erdogan vernichtet wird. Deutschland will, dass die Türkei vernichtet wird. Ich soll jetzt Mitleid haben? Nein. Warte nur ab Merkel, es wird noch schlimmer kommen. #karma"

Weil die junge Frau auf ihrem Facebookprofil angab, dass sie beim Parfüm- und Kosmetikhersteller LR Health & Beauty Systems arbeitete, meldeten sich viele User direkt beim Unternehmen. Einige riefen gar zum Boykott der Firma auf. Diese reagierte prompt auf den Post ihrer Mitarbeiterin und teilte über Facebook deren fristlose Kündigung mit.

Der Oberlehrer-Tweet

Beinahe ganz Italien in Aufruhr versetzt hat ein kürzlich verfasster Tweet des deutschen Journalisten Bernd Riegert. Weil sich die Regierungsbildung als schwierig erweist, liegen die Nerven in Italien derzeit blank. Und Riegerts Tweet sorgte nicht im geringsten für Entspannung.

Der Korrespondent der Deutschen Welle interviewte den EU-Kommissar Günther Oettinger zur Stimmung in Italien. Oettinger sagte unter anderem, dass die nächsten Wochen zeigen werden, "dass die Märkte, die Staatsanleihen, die wirtschaftliche Entwicklung Italiens so einschneidend sein könnten, dass dies für die Wähler doch ein mögliches Signal ist, nicht Populisten von links und rechts zu wählen." 

Journalist Riegert fasste Oettingers Aussage in einem Tweet sinngemäß zusammen und schrieb: "Die Märkte werden die Italiener lehren, das Richtige zu wählen." Darauf brach die Hölle los. 

Matteo Salvini, Chef der rechtspopulistischen Lega, forderte den sofortigen Rücktritt Oettingers. Und auch Luigi Di Maio, Kopf der Fünf-Sterne-Bewegung bezeichnete Oettingers Tweet als absurd. Sogar EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker schaltete sich in die Diskussion ein und versuchte, die Aussagen Oettingers zu schlichten. So ließ er verlauten, dass "Italiens Schicksal nicht in der Hand der Finanzmärkte liegt."

Der "alle Südkoreaner abfackeln"-Tweet

Der Schweizer Fußballer Michel Morganella. Bild: KEYSTONE/dpa

Der Schweizer Fußballer Michel Morganella setzte sich, in Rage geraten, mit einem sehr beleidigenden Tweet in die Nesseln. Während der Olympischen Spiele 2012 ärgerte er sich über die Schweizer Niederlage gegen Südkorea und schrieb auf Twitter: 

"Ich mache alle Südkoreaner fertig. Geht euch alle abfackeln, ihr seid eine Bande von geistig Behinderten."

Swiss Olympic reagierte auf die verbale Entgleisung Morganellas und warf ihn aus dem Olympia-Team. Morganella musste am nächsten Tag nach Hause reisen. Zudem wurde sein Twitter-und Facebook-Account auf Druck des Schweizerischen Fußballverbands gesperrt. 

Der Kristallnacht-Tweet

Weiter geht's mit der Schweiz. Und mit einer ziemlich krassen Aussage.

"Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht ... diesmal für Moscheen."

Mit diesem 2012 verschickten Tweet sorgte der Zürcher Lokalpolitiker der rechtspopulistischen SVP, Alexander Müller, nicht nur für viel Furore, sondern auch für seinen sozialen Untergang. 

Müller bestritt die Verbindung zur berüchtigten Reichskristallnacht, in der 1938 Nationalsozialisten in Deutschland 400 Juden ermordeten und jüdische Geschäfte, Friedhöfe und Synagogen zerstörten. Er rechtfertigte sich mit dem Argument, dass er lediglich Besorgnis über den radikalen Islamismus zum Ausdruck bringen wollte und sein Tweet aus dem Kontext gerissen wurde. 

Der "kleine Halbneger"-Tweet

Die AfD ist, was rassistische Tweets anbelangt, kein unbeschriebenes Blatt. Immer wieder sorgen Politiker der Partei für Aufruhr im Netz. 

Bild: picture alliance montage

So auch Jens Maier, Bundestagabgeordneter und AfD-Politiker, der mit einem Tweet über den Sohn von Ex-Tennisprofi Boris Becker den Bogen überspannte. Von Maiers Twitter-Account wurde ein Tweet abgesetzt, in dem Noah Becker als "kleiner Halbneger" bezeichnet wurde. Obwohl Maier behauptete, der Tweet sei von einem seiner Mitarbeiter verfasst worden, war er nicht aus dem Schneider.  

Im Februar reichte Noah Becker eine Klage wegen Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft Dresden ein. Becker verlangt 15.000 Euro Schmerzensgeld wegen des rassistischen Tweets. 

Der "gruppenvergewaltigende Männerhorden"-Tweet

Ebenfalls mit einigen Konsequenzen verbunden war der Tweet der AfD-Vize-Fraktionschefin Beatrix von Storch. Am Neujahrstag regte sich von Storch darüber auf, dass die Polizei Neujahrsgrüße unter anderem in Arabisch veröffentlichte. In dem Tweet, der dafür sorgte, dass von Storch kurz darauf von Twitter vorübergehend gesperrt wurde, schrieb sie: 

"Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf arabisch? Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?"

Die Kölner Polizei zeigte von Storch nach dem Tweet an. Gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen zeitung" sagte ein Polizeisprecher, dass ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Volksverhetzung eingeleitet wurde. 

Der "nur Spaß"-Tweet

Einen ganzen Artikel widmete einst die New York Times dem Tweet von Justine Sacco. 2013 twitterte die PR-Chefin, kurz bevor sie in ein Flugzeug in Richtung Kapstadt stieg: 

"Auf dem Weg nach Afrika. Hoffentlich bekomme ich kein Aids. Nur Spaß. Ich bin weiß!"

Nach ihrer Landung in Südafrika erlebte sie ihr blaues Wunder. Ihr Tweet entwickelte sich in kürzester Zeit zur tickenden Zeitbombe. Als Sacco mit dem ersten Fuß aus dem Flugzeug trat, war sie bereits ihren Job los. Die Firma strich sie, als Reaktion auf die entsetzten User bei Twitter, von der Unternehmensseite und händigte ihr die Kündigung aus. 

Bonus

Bild: Invision

Für eine regelrechte Welle an Tweets sorgte die US-Schauspielerin Alyssa Milano. Nur wurde Milano nicht dafür verurteilt, sondern regelrecht gefeiert. Denn sie war es, die den Hashtag #MeToo in die Debatte, die darauf folgte, ins Rollen brachte. 

Im Oktober 2017, damals als der Missbrauchsskandal um Hollywood-Größe Harvey Weinstein publik wurde, setze Milano folgenden Tweet ab: 

Milanos Tweet zeigt, dass man in den sozialen Kanälen auch Gutes anrichten kann. 

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