Leben
News Bilder des Tages - Wien 02.11.2020 - Heute abend gab es in der Wiener Innenstadt einen Terroranschlag bei dem an mehreren Tatorten zwei Passanten getötet wurden und zumindest 15 Menschen teils schwer verletzt wurden. Einer der mutmaßlich zwei Täter wurde von der Polizei erschossen, der zweite Attentäter ist noch auf der Flucht. Ein Grossaufgebot der Polizei samt Sondereinsatzgruppen und der Rettung sind im Dauereinsatz, die Situation war bis in die Nacht nicht geklärt. PHOTO: Schwer bewaffnete Polizisten und Sondereinheiten durchkämmen die abgeriegelte Wiener Innenstadt. // Vienna AUSTRIA - Tonight there was a terrorist attack in downtown Vienna in which two passers-by were killed at several crime scenes and at least 15 people were injured, some serio PUBLICATIONxNOTxINxAUT

Schwer bewaffnete Polizisten durchkämmten die Wiener Innenstadt nach dem noch flüchtigen Täter. Bild: www.imago-images.de / photonews.at/Georges Schneider

Interview

Terror-Experte nennt Polizeieinsatz in Wien "hochprofessionell und konsequent"

Es dauerte nur wenige Minuten: Am Dienstag gegen 20 Uhr rief in Wien zum ersten Mal eine Person den Notruf wegen des Terroranschlags im Stadtzentrum. Um 20.09 hatten Einsatzkräfte einen Täter bereits erschossen. Die Polizei riegelte den betroffenen Bereich der Innenstadt ab, setzte mehrere Spezialeinheiten ein.

Was führte dazu, dass die österreichischen Beamten derart schnell eingriffen und so vielleicht Schlimmeres verhinderten? Und: Können wir daraus etwas für Deutschland lernen?

Wir haben bei Rolf Tophoven nachgefragt. Er erforscht seit den 1970er-Jahren Terrorismus, ist ein bekannter Experte auf dem Gebiet. Tophoven hat gerade im August ein neues Buch zum Thema mitverfasst ("Der 'Islamische Staat': Geschlagen – nicht besiegt").

Er sagt, es sei wichtig, den Terror des IS nicht aus den Augen zu verlieren:

"Die Sicherheitskräfte beobachten dieses Thema auch in Zeiten von Corona weiter und das ist genau richtig, wie wir an Ereignissen wie in Wien sehen."

watson: Nur neun Minuten nach Absetzung des Notrufs wurde bereits der erste Täter erschossen und so Schlimmeres verhindert. Was sagt Ihnen das über die Polizeiarbeit in Wien?

Rolf Tophoven: Dass sie offenbar gut funktioniert hat. Zuerst einmal spielt es eine Rolle, dass gerade diese öffentlichen, sensiblen Plätze regelmäßig von Streifenpolizisten kontrolliert werden. Wenn diese erkennen, dass gerade eine Terrorlage entsteht, können sie schnellstmöglich entsprechende Spezialkräfte alarmieren.

Wie wichtig ist der Zeitfaktor dabei?

Enorm wichtig. Die Polizeikräfte müssen nämlich sehr schnell herausfinden, wer der Täter ist, wie viele Täter insgesamt unterwegs sind, wo sie sich hinbewegen und wie sie bewaffnet sind – auch in unübersichtlichen Situationen, wie zum Beispiel bei einer Geiselnahme. Dieses Analysebild über Täter, Täterbewegung und Täterbewaffnung ist der Ausgangspunkt, um das weitere operative Vorgehen bestimmen zu können. Daher ist es für die Beamten wichtig, diese Erkenntnisse so schnell wie möglich zu gewinnen. Es macht einen großen Unterschied, ob ein Täter Messer dabei hat oder eben eine Kalaschnikow, wie damals im Bataclan in Paris, bei den Terroranschlägen im November 2015. Ein Täter mit Schusswaffe erfordert ein sehr viel "militärischeres" Vorgehen.

"Österreich hat eine Spezialeinheit, die sich 'Cobra' nennt. Das sind hervorragende Spezialisten, die speziell für terroristische Lagen ausgebildet wurden."

In Österreich wurden sehr schnell entsprechende Spezialeinheiten hinzugerufen. Was zeichnet diese aus?

Österreich hat eine Spezialeinheit, die sich "Cobra" nennt. Das sind hervorragende Spezialisten, die speziell für terroristische Lagen ausgebildet wurden. Sie sind besser ausgestattet als normale Streifenpolizisten, schwerer bewaffnet und üben permanent für den Einsatz in solchen Terrorlagen. Für solche Trainingseinheiten bleibt der normalen Polizei neben ihren Dienstaufgaben gar keine Zeit.

Als die "Cobra" gegründet wurde, stand die deutsche Spezialeinheit GSG 9 der Bundespolizei übrigens Pate. Es wurde eng zusammengearbeitet und voneinander gelernt. Heute gehört die österreichische "Cobra" zu den besten Spezialeinheiten der Welt. Es war daher davon auszugehen, dass sie derartige Lagen operativ gut lösen kann. Aus der Ferne würde ich sagen, dass sie ihrer Aufgabe in Wien gerecht wurden und hochprofessionell und konsequent reagierten.

"Polizeischutz hochzufahren kann auch zu unnötiger Panikmache führen."

Bei der Suche nach dem zweiten, noch flüchtigen Täter, wurde nun auch das Bundesheer eingesetzt. Ist das bemerkenswert?

Ja. Das österreichische Bundesheer entspricht der deutschen Bundeswehr und normalerweise werden Soldaten nicht gegen Terroristen im Land eingesetzt, die Arbeit der Polizei und der Armee ist strikt getrennt. Nur in Ausnahmefällen wird das Heer dazu gerufen, daher ist sein Einsatz in Österreich ein deutliches Zeichen für den Ernst der Lage.

Die Polizeieinheiten in Wien waren schon vor Ort, die Spezialeinheiten kamen schnell dazu und konnten eingreifen. Brauchen wir also auch in Deutschland mehr Polizeischutz auf öffentlichen Plätzen?

Dazu möchte ich keine Vermutungen anstellen. Polizeischutz hochzufahren kann auch zu unnötiger Panikmache führen. Viel wichtiger ist es, dass terroristische Anschläge bereits in der Planungsphase erkannt und verhindert werden können. Die Sicherheitskräfte müssen die Szene, den militant-militärischen Terrorismus im Blick behalten, ein Auge auf Reisebewegungen und ähnliches haben. Wir sind in Deutschland durchaus in der Lage, terroristische Anschläge schon im Vorfeld zu erkennen und rechtzeitig einzugreifen, aber natürlich lässt sich nicht alles verhindern.

"Nur in Ausnahmefällen wird das Heer dazu gerufen, daher ist ihr Einsatz in Österreich ein deutliches Zeichen für den Ernst der Lage."

Man hat in der Geschichte des Terrorismus leider immer wieder feststellen müssen, dass die Täter sehr innovativ sind und sich den Gegebenheiten schnell anpassen. Daher muss auch die Polizei ständig neu analysieren, wie die Szene kommuniziert, sich bewegt und agiert. Das Überprüfen der sozialen Medien ist zum Beispiel sehr schwierig und aus der Flut an Daten den entscheidenden Hinweis für einen Anschlag zu finden ist viel Arbeit. Außerdem kommunizieren Terroristen mehr und mehr in geschlossenen Chats, die auch für Polizisten schlecht einsehbar sind.

Man hatte ja zuletzt das Gefühl, es sei ruhiger geworden um IS-Anhänger. Nun sind sie in diesem Jahr aber wieder mit gleich mehreren Anschlägen in Erscheinung getreten.

Angesichts der Pandemie und des Terrors von rechts und links waren die Islamisten tatsächlich ein wenig aus der gesellschaftlichen Wahrnehmung verschwunden. Doch sie waren immer da. Der IS ist eine global vernetzte Gewaltideologie, die das Credo "Kampf gegen Ungläubige" implantiert hat. Dieses Credo lebt weiter. Die Sicherheitskräfte beobachten dieses Thema auch in Zeiten von Corona weiter und das ist genau richtig, wie wir an Ereignissen wie in Wien sehen.

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