Leben
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Bild: dpa

Interview

Mit Down-Syndrom auf der Kino-Leinwand: "Es gibt immer Leute, die dich komisch anschauen"

Luisa Wöllisch kann sich vor Anfragen kaum retten. Die 22-jährige Schauspielerin hat kurz vor ihrer ersten großen Filmpremiere viel zu tun, wie sie vorm Interview mit watson verrät.

An diesem Donnerstag kommt sie mit "Die Goldfische" auf die Kinoleinwand. Es ist ihre erste Hauptrolle in einem Kinofilm. Neben bekannten Schauspielern wie Tom Schilling, Jella Haase und Axel Stein, die Menschen mit einer Behinderung spielen, ist sie die einzige, die auch im echten Leben mit einer Beeinträchtigung lebt. Luisa hat Trisomie 21. Im Film spielt sie die glamouröse Franzi.

Wir haben mit ihr über ihren ersten großen Erfolg und die alltäglichen Herausforderungen gesprochen.

"Die Goldfische"

Die Komödie von Regisseur Alireza Golafshan erzählt die Geschichte einer Gruppe von Menschen mit Behinderung, die gemeinsam einen Trip unternehmen. Der Film läuft an dem 21. März im Kino.

Trailer zu "Die Goldfische"

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Video: YouTube/SonyPicturesGermany

watson.de: Luisa, wie bereitest du dich auf Rollen vor?Luisa: Es kommt immer darauf an was für eine Rolle ich spiele. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der das ganz normal macht. Ich lese erstmal das Drehbuch, schaue wie die Geschichte aufgebaut ist.

Und die Texte?
Die Texte lerne ich mit links. Ich spreche sie mir immer aufs Handy und lerne sie durchs Hören.

Luisa Wöllisch

Erste Bühnen-Erfahrungen sammelte Luisa schon in der Schule. Nach ihrem Abschluss wurde sie in dem Inklusionstheater "Freie Bühne München" zur Schauspielerin ausgebildet. Aktuell arbeitet sie dort als Coach. Mit "Grießnockernaffäre" erntete sie 2016 ihren ersten Kinoerfolg. Ihre erste Kino-Hauptrolle spielt sie in der aktuellen Komödie "Die Goldfische".

Viele Menschen denken bei Down-Syndrom nicht an eine Schauspielkarriere. Wirst du bei deiner Arbeit mit Vorurteilen konfrontiert?
Bei der Arbeit in der Freien Bühne München werde ich nicht viel damit konfrontiert.

Und wie ist es privat auf der Straße?
Es gibt ab und zu mal Leute, die mich komisch anschauen. Aber damit komme ich klar. Ich meine, es gibt immer Leute, die dich komisch anschauen.

Wie gehst du damit um?
Entweder ignoriere ich sie oder gehe zu ihnen hin und sage wer ich bin. Ich sage ich bin ein Mensch mit Down-Syndrom und dass sie mich nicht so komisch anschauen müssen. Dann kommen die damit auch klar. Manchmal frage ich: 'Haben sie noch kein Mädchen gesehen, das Down-Syndrom hat'?

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Luisa Wöllisch mit Axel Stein und Jella Haase am Set von "Die Goldfische". Bild: Sony Pictures

In "Die Goldfische" spielst du eine Frau mit Down-Syndrom. Du warst die einzige Schauspielerin, die auch im echten Leben mit einer Beeinträchtigung lebt. Inwiefern war das ein Vorteil für dich?
Natürlich ist es ein Vorteil, wenn ich auch im echten Leben Down-Syndrom habe. Aber jeder musste irgendwie in eine Rolle schlüpfen. Ich finde es übrigens gut, dass sie Leute genommen haben, die im echten Leben nicht behindert sind, denn so ist es lustiger rübergekommen. So lacht man viel mehr bei dem Film.

Also musstest auch du trotzdem in eine Rolle schlüpfen?Ich habe mich nicht selber gespielt. Es ist eine Rolle wie jede andere. Ich bin im Privatleben komplett anders als Franzi. Sie setzt ihren Kopf immer durch und zieht sich anders an als ich. Natürlich ziehe ich mich auch schön an wenn wir Weihnachten feiern oder so, aber ich will nicht immer wie sie nur Glamour haben. Das bin ich gar nicht.

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Luisa an der Seite von Axel Stein und Tom Schilling als humorvolle Franzi in "Die Goldfische". Bild: Sony Pictures/dpa

Wer hatte mehr Textpatzer, du oder deine Kollegen?
Das wird jetzt lustig. Am Anfang hatten meine Kollegen mehr Textpatzer, weil ich mich sehr gut darauf vorbereitet habe. Gegen Ende des Filmes hatte ich auch ein paar Textpatzer drin.

Am Set hast du mit bekannten Personen wie Tom Schilling oder Klaas Heufer-Umlauf gearbeitet. Wie haben sie dich aufgenommen?
Es war wirklich der Wahnsinn. Als erstes denkt man sich, wie gehen so große Stars wohl mit einem Mädchen mit Down-Syndrom um. Die haben mich aber total gut aufgenommen. Auch bei den Vorproben, als wir uns kennengelernt haben, waren alle super nett. Wir haben am Set wirklich gut harmoniert. Es war richtig toll.

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Der Cast von "Die Goldfische". Bild: future image/imago

Wie findest du es, dass eine Geschichte über Menschen mit Behinderung als Komödie erzählt wird?
Das finde ich super. Ich finde es ist auch sehr wichtig in der Gesellschaft, dass man sowas zeigt. Es sind nicht nur bekannte Stars wie zum Beispiel James Bond erfolgreich, sondern auch Menschen mit Down-Syndrom wie ich. Und dass die Leute das sehen, finde ich wichtig.

Was erhoffst du dir von dem Film?
Ich hoffe, dass die Leute offener mit uns umgehen und Vorurteile verschwinden. Natürlich würde ich mich auch freuen, wenn mich Leute auf der Straße erkennen.

Du bist inzwischen auch Coach auf der Freien Bühne in München. Bist du für den Schauspielnachwuchs schon sowas wie ein Vorbild?
Ja. Ich bin dort ein sehr großes Vorbild, weil ich jetzt bekannt werde durch den großen Kinofilm. Natürlich gibt es auch Neider. Ein bisschen Neid spielt immer mit. Aber allgemein sind alle mega happy und stolz. Einer aus der Gruppe, der auch Down-Syndrom hat, ist so begeistert von mir, dass er auch unbedingt so erfolgreich werden will und sogar von Hollywood träumt.

Mit "Die Goldfische" hast du deine erste große Kinorolle. Haben sich jetzt all deine Träume erfüllt oder hast du schon ein nächstes Ziel?
Mit Goldfische habe ich alles erreicht, was ich zu träumen gewagt habe. Es war der Wahnsinn, ich hätte niemals gedacht, dass ich so erfolgreich werde. Ich würde zukünftig gerne weiterhin am Theater und beim Film spielen.

Was wäre für dich eine richtige Lieblingsrolle?
Ich liebe Musicals über alles. Vor allem "Tanz der Vampire". Da würde ich sehr gerne Sarah, die Wirtstochter, spielen.

Welche Ziele hast du außerhalb der Schauspielbühne?
Ich bin auf der Suche nach einer eigenen Wohnung. Ich würde auch in eine WG ziehen. Ansonsten habe ich keine großen Wünsche. Ich plane überhaupt nicht. Ich würde das total schrecklich finden, Pläne zu machen wie es weitergeht. Ich bin einfach ein Mensch, der jeden Tag lebt und genießt.

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