Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Alle Bilder sind aus dem Video zu "Los Ageless" von St. Vincent youtube/ st. vincent

Wieso, verdammt, find ich mich ein Leben lang hässlich?

Simone Meier / watson.ch

Und wieso sind andere immer ziemlich schön? Ein paar Gedanken zum Frust von Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich nicht nur auf einen oder zwei, sondern auf mehrere runde Geburtstage und Jahrzehnte zurück blicken kann. Ab und zu schaue ich mir die alten Fotos an, die zu den Lebensgefühlen von früher gehören. Immer wieder denke ich dabei: "Aha?!? Wieso hat mir eigentlich niemand gesagt, dass ich mit 23 oder 32 objektiv gut bis sehr gut ausgesehen habe?"

Das ist natürlich die komplett falsche Frage. Es wurde mir schon gesagt. Eigentlich sogar oft. Von Frauen und Männern. Menschen, die ganz nah bei mir waren und solchen, die weiter weg waren. Habe ich ihnen geglaubt? Glaube ich ihnen, wenn sie es heute sagen? Sicher nicht! Den Nahestehenden nicht, weil die sowieso immer nett sind. Den andern nicht, weil sie sich sicher irgendwas davon versprechen. Dass ich einen Artikel über sie schreibe oder so.

Bild

youtube/st. vincent

Ein Beispiel: Mit 28, als mir besonders viele garantiert nicht vertrauenswürdigen Leute Komplimente machten, fand ich meine Oberschenkel so hässlich, dass ich zum Schönheitschirurgen ging. Mit sowas wie Bodypositivity hätte mir damals niemand kommen müssen. Ich schaute mich im Spiegel an und mir war elend. Ich hasste mich. Der Arzt machte Polaroids, von vorne, von hinten, er mischte die Bilder unter mehrere Dutzend anderer von andern Frauen, sagte: "Das hier sind Sie. Schon ein schwerer Fall." Noch nie in meinem Leben fühlte ich mich so sehr gedemütigt.

Die richtige Frage wäre: Wieso fand – und finde – ich mich so selten schön? Oder wenigstens attraktiv, anziehend, interessant?

Sagt jetzt bitte nicht: Frau Meier, weil du das alles nicht bist! Das zählt nicht! Und das hab ich mir schon oft genug gesagt. Nur um dann eben mit etwas Distanz zu sehen: Stimmt gar nicht. Doch im Moment, da ich in einen Spiegel schaue, hilft dieser Erfahrungswert nichts. Da seh ich nur Bildstörung. Ein Kaleidoskop der Unvollkommenheit. Details, die sich niemals zu einem zufriedenstellenden Ganzen finden können. 

Bild

youtube/st. vincent

Aber nehme ich andere auch so wahr? Natürlich nicht. Schließlich erwarte ich von niemandem Annäherungen an Perfektion außer von mir. Okay und von Leuten, die damit ihr Geld verdienen, Models zum Beispiel. Obwohl – gefallen mir die dann? Fallen die auf? Nein, tun sie nicht. Weil sie so langweilig sind, dass sie nicht ins Auge stechen. Aber solche mit einer Unregelmäßigkeit fallen auf, sind interessant. Die Nase von Gisele Bündchen. Die Lippen von Nadine Strittmatter. Tamy Glausers Androgynität. Sowas ätzt sich in die Netzhaut, sowas vergisst man nicht.

Asymmetrie ist immer spannender als Symmetrie. 

Und meine ganz normalen Mitmenschen? Sehe ich die auch als wären sie ein Pixelwerk aus lauter Fehlern? Natürlich nicht! So gut wie alle von ihnen besitzen Unvollkommenheiten. Aber mein Auge fügt alles zu einem Ensemble zusammen. Es mag einen Makel geben, aber alles andere lenkt davon ab. Er ist nicht das Zentrum. Das Ganze ist das Zentrum. Wie wenn ich einen Garten ansehe, und da steht ein hässlicher Blumenkübel. Der Garten selbst ist dadurch noch lange nicht hässlich. Der Blumenkübel ist vollkommen egal, vielleicht ja sogar vorteilhaft, weil alles andere neben ihm umso mehr glänzt. 

Bild

youtube/ st. vincent

Meine Sicht auf die andern ist ausgeglichen und ausgleichend. Gerade schaue ich mich in unserer Redaktion um und denke: Wow, hab ich schon so viele gut aussehende Menschen auf einem Haufen gesehen? Mit Ausnahme von mir natürlich? Meine Sicht auf mich ist selektiv und partikulär. Das große Ganze nehme ich nicht wahr, weil es mir so vertraut ist, dass ich es ignoriere.

Den Fehler sehe ich immer. So wie ich nachts panisch erwache, weil mir einfällt, dass in einem langen Text ein Rechtschreibefehler steht oder eine schiefe Metapher.

Man muss schon ziemlich selbstbewusst sein, damit man sich selbst nicht in einer Differenz zu einem Ideal wahrnimmt. Auch wenn ein Ideal immer etwas Fabriziertes, Gefiltertes, Geschöntes ist, sonst wäre es ja kein Ideal. Mir fehlt dieses Selbstbewusstsein. Immer schon. Immer mal wieder. Wahrscheinlich bin ich darin eine von Millionen. Und ich bin froh, nicht heute jung zu sein, Instagram würde mir zusetzen, schon jetzt schnauze ich Freunde manchmal an und sag: "Ich hab gesagt, Selfieperspektive! Mach gefälligst ein Foto von mir mit Selfieperspektive!" Was natürlich Quatsch ist. Wie so vieles.

Bild

youtube/ st. vincent

Etwas aber ist kein Quatsch, glaubt's mir, liebe Kinder, die ihr verzweifelt vor dem Spiegel steht, weil der Mensch nun mal zum Zweifeln geboren ist – er wär ja schon ein reines Arschloch und nichts ist hässlicher als ein Arschloch: Wenn ihr wie ich mal auf euch zurückschaut, werdet ihr euch fragen, wieso ihr früher kein entspannteres Verhältnis zu euch selbst hattet. Wieso ihr euch nie gefallen und niemandem das Gegenteil geglaubt habt. Mit großer Wahrscheinlichkeit war dieses nämlich für einmal nichts als die Wahrheit. Und weil dem ganz objektiv so war, dürft ihr ruhig davon ausgehen, dass es auch jetzt und heute noch gilt. Und ihr schön seid.

P.S. Für die Schönheit unters Messer gelegt hab ich mich nie. Mein schönster schwuler Freund sagte: "Spinnst du? Von dem Geld machst du zwei Weltreisen! Ab ins Hallenbad, wir gehn jetzt ein paar Kilometer schwimmen!" Er hatte recht. Und die Sache mit dem Sport (nur ein bisschen natürlich) hat meinem "Fall" etliches von seiner Schwere genommen.

Geschichten, die dich nicht zweifeln lassen:

Supermärkte in Tschechien  müssen übrig gebliebene Lebensmittel spenden 

Link zum Artikel

Deine Eltern hatten doch Recht – diese 12 Beispiele lassen keinen Zweifel daran

Link zum Artikel

Ein DHL-Bote packt aus – Darum kommen deine Pakete vor Weihnachten oft nicht an

Link zum Artikel

13 Berufe, die immer wichtiger werden

Link zum Artikel

16 britische Desserts, die einfach nur "BOAH, GEIL!" sind (passen auch fürs Frühstück)

Link zum Artikel

Nachts essen macht nicht dick! Wir entlarven 7 Ernährungsmythen

Link zum Artikel

Gut gelandet, Koffer weg – wie ein Chip verhindern soll, dass dein Gepäck verloren geht

Link zum Artikel

Dieser Pfleger kritisiert: "Eine gesunde Oma bringt kein Geld"

Link zum Artikel

Das sind die meist-gelikten Insta-Posts 2018 – ein Duo ist besonders begehrt

Link zum Artikel

29 Bilder, die zeigen, wie der DDR-Alltag in Ost-Berlin aussah

Link zum Artikel

Die Reform der Altenpflege-Ausbildung macht alles nur schlimmer, sagt Pfleger Stefan

Link zum Artikel

Ariana Grande spricht über Sexismus in der Musik – warum das richtig wichtig ist

Link zum Artikel

Wetten, du kannst die schlimmsten erlaubten Vornamen nicht von erfundenen unterscheiden?

Link zum Artikel

"Ich habe Ja gesagt" – Sind Heidi Klum und Tom Kaulitz verlobt?

Link zum Artikel

In Thailand dürfen Menschen mit chronischen Schmerzen jetzt kiffen

Link zum Artikel

Sie wollte sich bloß Sommersprossen färben – aber wow, ging das daneben

Link zum Artikel

Geburtenregister erlaubt das Geschlecht "divers" – unter einer umstrittenen Bedingung

Link zum Artikel

Und hier ist die am irrsten aussehende Katze von Instagram

Link zum Artikel

Dschungelcamp geht los – wir haben die Kandidaten nach Unbekanntheit sortiert

Link zum Artikel

Klimawandel besiegt Seehofer – Das Wort des Jahres 2018 ist ... "Heißzeit" 

Link zum Artikel

Filme mit weiblichen Hauptrollen sind erfolgreicher, aber Hollywood kümmert das nicht

Link zum Artikel

Airbnb muss preisgeben, wer in München dauernd seine Wohnung vermietet

Link zum Artikel

Wein auf Bier, das rat' ich dir – 15 Alkohol-Mythen im Faktencheck

Link zum Artikel

"Kein Clan wäre so naiv" – ein Clan-Insider hat für uns "Dogs of Berlin" analysiert

Link zum Artikel

Die Deutschen mögen "Füße" und "pissen" – das Jahr 2018 auf Pornhub

Link zum Artikel

J.K. Rowling verspricht, dass es in "Phantastische Tierwesen 3" Antworten geben wird

Link zum Artikel

Instagram führt Sprachnachrichten wie bei WhatsApp ein – ab sofort

Link zum Artikel

DHL – Bei 3 von 10 Paketen im Test wurde gar nicht erst versucht, sie zuzustellen

Link zum Artikel

Britische Forscher geben Tipps: So nimmst du an den Feiertagen nicht zu

Link zum Artikel

National Geographic: Das sind die besten Fotos des Jahres

Link zum Artikel

Rapper 6ix9ine, Post Malone und Co. – Warum haben sie Gesichts-Tattoos? 

Link zum Artikel

Rapper Lil Pump streamte seine Verhaftung live auf Instagram 

Link zum Artikel

Hört auf, euch für eure Eltern auf Social Media zu schämen!

Link zum Artikel

Ryanair-Flug nach Mallorca ist günstiger als ein Döner – und das ist ein Problem

Link zum Artikel

Ich bin nicht einsam, weil ich alleine ins Kino gehe

Link zum Artikel

"Verhalte dich wie ein normaler Behinderter" – Battle-Rapper Rolling G. über Vorurteile

Link zum Artikel

Sprichst du besser Fränkisch als Markus Söder und Dirk Nowitzki zusammen?

Link zum Artikel

Jetzt kannst du im weltweit ersten Wurst-Hotel schlafen 

Link zum Artikel

Instagram hat ein Drogenproblem – und bekommt es nicht in den Griff

Link zum Artikel

"Ich weiß nicht, was ich falsch mache" – 4 Leser erzählen von ihrer Einsamkeit 

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Helene Fischer ist nicht "nuttig"! Hört endlich auf, Frauen wegen Klamotten zu shamen

Frauen, die kurze Kleider und tiefe Ausschnitte tragen, werden schnell als leicht zu haben bezeichnet. Als billig, als ordinär.

Diese Vorurteile sind altbekannt. Leider. Jüngstes Beispiel dafür: ein Artikel über Helene Fischer.

Die Sängerin hat ein Konzert in Hamburg gegeben. Wie sie dabei angeblich wirkte, lässt sich später in einem, nennen wir es Konzertbericht, nachlesen:

Gemeint war ihr Outfit.

In dem Text bespricht der Autor unter anderem die Bühnenshow, Fischer habe gleich mehrere …

Artikel lesen
Link zum Artikel