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Bild: Netflix/Montage

Die Netflix-Serie "Aufräumen mit Marie Kondo" motiviert – aber uff, sie nervt

"Neues Jahr, neues Ich!", denkst du dir insgeheim, während du an Silvester um kurz vor Mitternacht mit einem Sektglas in der Hand dem TV-Bildschirm einen Countdown entgegenbrüllst.

Da ist es nun, das neue Jahr, und obwohl du selbst von dir behauptest, Neujahrsvorsätze seien nur was für Loser, schwörst du dir doch klammheimlich, 2019 weniger zu trinken, netter zu deinen Mitmenschen zu sein und dein Leben generell besser durchzustrukturieren. Und Letzteres beginnt in den eigenen vier Wänden.

"HA!", kichert sich währenddessen die Führungsetage bei Netflix ins Fäustchen – denn jetzt hat sie dich da gepackt, wo's wehtut. Als du nämlich am Neujahrstag nichtsahnend Netflix aufrufst, um genauso gammelnd ins neue Jahr zu starten, wie du das letzte abgeschlossen hast, lacht dich das Gesicht einer jungen Japanerin an. Neben ihr der Titel: "Aufräumen mit Marie Kondo".

Aufräumen? Argh. Ich wollte doch nur chillen, Marie.

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Bild: Screenshot Netflix

"Mit inspirierenden Entrümpelungsaktionen" will mir Marie Kondo also "bei der Beseitigung von Altlasten" helfen und "Raum für mehr Lebensfreude" schaffen, verspricht mir Netflix.

Und obwohl ich noch total im Neujahrskoma bin und doch eigentlich einfach bloß was Entspanntes zum Bingen gesucht habe, klicke ich sofort auf "Abspielen" – denn irgendwie hat sie mich doch getriggert, die nette Marie, die mir mit ihrem strahlenden Lächeln glaubhaft machen will, dass sie sogar meine Chaosbude auf Vordermann bringen könnte. Denn sie trifft einen Nerv, den ich mit vielen anderen teile: Ich will ja ordentlicher sein. Und gerade an Neujahr ist die Motivation noch besonders stark.

Wie diese Serie selbst dann aber gnadenlos daran scheitert, mir einen Tritt in den Allerwertesten zu geben, möchte ich hier erklären.

Aber zuerst... wer ist diese Frau?

FEATURE: Tidy Queen mom faces ultimate decluttering challenge Japanese cleaning consultant Marie Kondo, better known as KonMari, a contraction of her full name, laughs during an interview with Kyodo News in Tokyo on Jan. 29, 2016. Kondo is excited about taking on new challenges as a decluttering expert and mother. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Feature tidy Queen Mom Faces Ultimate  Challenge Japanese Cleaning Consultant Marie Kondo better known As  a Contraction of her Full Name Laughs during to Interview With Kyodo News in Tokyo ON Jan 29 2016 Kondo IS EXCITED About Taking ON New Challenges As a  Expert and Mother PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY

Bild: imago/Kyodo News

Bevor ich dazu komme, worum es eigentlich geht – nämlich darum, wie gut dieser Perfektionisten-Porno für Ordnungsfans denn nun ist –, stellt sich dir vermutlich eine entscheidende Frage:

Wer zur Hölle ist Marie Kondo?

Ja, mir ging es ähnlich, denn ich hatte von ihr nie zuvor gehört. Schande über mein Haupt, denn schließlich ist die 34-jährige Marie Kondo aus Japan #1-Bestseller-Autorin der "New York Times". Worum ging es in ihrem erfolgreichsten Buch? Richtig geraten: Ums Aufräumen. In "Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert" beschreibt sie die "KonMari-Methode™", die das Aufräumen in fünf Kategorien aufteilt, die nacheinander abgearbeitet werden (konmari.com). Und diese Methode wird so nun auch in der Netflix-Serie angewandt – an amerikanischen Familien, deren Haushalte von Marie Kondo in Topform gebracht werden. Obwohl, naja, eigentlich weniger von ihr selbst... aber dazu gleich mehr.

Jetzt aber mal Klartext: Was taugt "Aufräumen mit Marie Kondo"?

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Bild: Netflix

So begeistert ich auch von der Vorstellung war, jetzt würde mir eine Expertin im weiten Feld des Aufräumens und Organisierens mal klipp und klar sagen, wie ich mein Leben (oder zumindest meine Wohnung) auf die Reihe bekomme: Ich wurde bitter enttäuscht.

Denn, liebe Leute, "Aufräumen mit Marie Kondo" ist keine Wir-packen's-an!-Sendung à la "Einsatz in 4 Wänden" (ah, Tine Wittler, good times), sondern eine Art spiritueller Workshop darüber, wie du per Telepathie mit deinem Haus kommunizierst und zärtlich mit deinen abgetragenen Klamotten redest (ja, im Ernst).

Dabei fing es so vielversprechend an.

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Bild: Screenshot Netflix

In der ersten Folge lernen wir die Friends kennen (Familienname, nicht TV-Serie), die sich darüber in die Haare kriegen, wer im Haushalt eigentlich wofür verantwortlich ist. (Spoiler: Er arbeitet 50, 60 Stunden die Woche, weswegen sie also nicht nur die beiden Kinder großziehen, sondern neben ihrem Teilzeitjob auch noch den kompletten Haushalt stemmen soll. Okay, ohnehin eine recht verstaubt wirkende Einteilung, aber spätestens, als er ihr dann auch noch Vorwürfe dafür macht, dass sie für die Wäsche eine Haushaltshilfe engagiert hat, endet mein Verständnis.)

Auftritt Marie Kondo. Die schneit mit ihrer Dolmetscherin/Regenschirmhalterin ins Friend'sche Haus. Die Autorin spricht offenbar nur schlecht Englisch, kann mit ihrem (WIRKLICH) unablässigen Lächeln aber problemlos ihre Message kommunizieren: "ICH. WERDE. EUCH. RETTEN."

Diese Rettung kommt allerdings nur sehr schleichend in Gange, um nicht zu sagen: Gar nicht.

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Bild: Screenshot Netflix

Denn nachdem die Entrümpelungsmeisterin dem Haus mit ihrem Geist mitgeteilt hat, dass es jetzt aufgeräumt wird, geht es an Kategorie 1: Kleidung. Und da muss fliegen, was keine Glücksgefühle auslöst – aber erst nach einer Danksagung. Hast du dich jemals bei einem Tank-Top mit der Aufschrift "SQUAD GOALS" für seine treuen Dienste bedankt? Nee? Marie Kondo schon.

Und nachdem sie den Friends gezeigt hat, wie man Klamotten ordentlich faltet, flattert sie davon – nach gefühlt einer halben Stunde, um danach eine Woche fernzubleiben und die Friends, die keinerlei Mitspracherecht bekommen, der spirituellen Aufgabe überlassen, keine Freude auslösende Kleidung mit Worten des Danks ins Nirwana zu schicken. "Aufräumen mit Marie Kondo"? Bestimmt nicht. Wohl eher "Aufräumen ohne Marie Kondo".

Bye-bye.

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Bild: Screenshot Netflix

Mit derselben Aufgabenteilung geht das Ganze dann im Wochentakt in den Kinderzimmern, Garage und Küche weiter: Marie Kondo macht lächelnde Anweisungen (Pro-Tipp: KAUFT EUCH KISTEN FÜR ALLES!) und entschwebt dann wieder unter dem Regenschirm ihrer Dolmetscherin. Danke, Frau Kondo. Für... nichts, wie ich finde, obwohl die Friends am Ende der festen Überzeugung sind, sie habe nicht nur ihr Haus, sondern vor allem auch ihre Ehe auf Vordermann gebracht. Dabei haben die Friends allein die gesamte Arbeit geleistet. Dankt euch lieber selbst, Leute!

Und dennoch...

Obwohl ich persönlich nichts mit Marie Kondos zarter Aufräummethode anzufangen weiß: Inspiriert fühlte ich mich danach doch, denn irgendwie packte mich schon der Neid, als die Friends ganz stolz ihre ordentliche Garage präsentierten. Nicht, dass ich eine Garage hätte – oder überhaupt ein Auto –, aber der kleine Perfektionist in mir wünschte sich dann doch ein ähnliches, die Seele reinigendes Erfolgserlebnis. 

Und da war ich offensichtlich nicht allein.

Und ja, zugegeben, manche Tipps SIND nützlich.

Aber entscheide am besten selbst... Was meinst du?

Umfrage

"Aufräumen mit Marie Kondo": Motivation oder Zeitverschwendung?

  • Abstimmen

804

  • Motivieren tut mich das schon, aber ich werde sicherlich nicht jedem weggeworfenen Schlüpfer für seine Arbeit danken.32%
  • Ich finde ihre Methode toll: So nimmt man sich wirklich die Zeit, um Weggeworfenes auch zu schätzen und sich strategisch durchzuarbeiten.39%
  • So ein Quark, echt. Wenn ich aufräume, dann mit Schmackes und ohne diesen spirituellen Kram! 20%
  • Aufräumen? Ich?! Lololololol9%

Apropos Netflix... Wie viele hiervon hast du gesuchtet?

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    Alle Leser-Kommentare
  • Claudia 06.01.2019 11:40
    Highlight Highlight Ich habe es nicht so verstanden, dass man sich bei seinem Müll bedanken soll. Meiner Ansicht nach geht es eher um Klamotten, die noch gut sind, die man aber schon "ewig" nicht mehr getragen hat und in absehbarerer Zeit wohl auch nicht mehr tragen wird. Ich selbst habe davon noch so einige im Schrank (Irgendwann passe ich da wieder rein, irgendwann ist die passende Gelegenheit für das Kleid, zum Tragen in der Wohnung ist es noch gut etc.)
    Ich habe es noch nicht versucht, aber ich könnte mir vorstellen, dass der Dank es leichter macht, das Teil auszumustern.
  • Marc Maier 06.01.2019 09:15
    Highlight Highlight "Dabei haben die Friends allein die gesamte Arbeit geleistet."

    Ich würde jetzt mal frech behaupten, dass dies auch der Sinn ist, denn sonst wäre nach einer Woche garantiert schon wieder ein Chaos. Wer nicht selbst aufräumt, kann "seine" neue Ordnung kaum lange halten.

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