Leben
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#NoChella. Wieso es jetzt auch mal reicht mit all diesem Coachella-Mist! Bild: imago/montage watson

Meinung

Coachella: 5 Gründe, warum der Hype jetzt vorbei ist und warum das gut ist

Herzlich Willkommen bei einem Rant über das Festival, auf das unsere Autorin mal so gar keinen Bock hat, welches aber ab sofort wieder mit Bildern wie dem obigen euren Instagram-Feed fluten wird.

Nein, ich war noch nie auf dem Coachella Festival und will es auch nicht. Für wen ich damit ungeeignet bin, eine Meinung dazu zu haben, der hat absolut meine Erlaubnis, diesen Text jetzt zu schließen und aufs Coachella zu fahren. Ich bleibe lieber hier und rege mich auf. Findest du auch cooler? Then here we go.

Der Coachella-Hype ist vorbei, und das ist gut so. 5 Gründe.

Das Line-up

Musik ist Geschmackssage, keine Frage. Und bei so vielen Acts wird bestimmt jeder, der sich eine der teuren Karten (dazu gleich mehr) gekauft hat, einen Leckerbissen finden. Aber ein Set, das in die Geschichte eingehen wird, wie das mit Beyoncé im vergangenen Jahr, sehe ich hier nicht. Mit Sicherheit zieht eine Ariana Grande als Headliner, aber Tame Impala spielen fast jährlich in einer Konzerthalle in deiner Nähe und auf dem Hurricane-Festival für weniger Geld. Was cool werden könnte, aber ebenso gut auch in einer mittelgroßen Vollkatastrophe enden könnte, ist das angekündigte Gottesdienst-Set von Kanye West. Dafür würde selbst ich wach bleiben!

Die Absagen

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Beyoncé sagte ihr Set 2017 ab, in diesem Jahr musste Solange canceln. Bild: imago stock & people

Wer Beyoncé sagt, muss auch Solange sagen. Vor allem seit der Veröffentlichung ihres neuesten Albums hat die kleine Schwester von Queen Bee im positiven Sinne für Wirbel gesorgt. Fans freuten sich auf ihr Set in der Wüste und hofften auf eine ähnlich spektakuläre Produktion mit hohem künstlerischen sowie kulturellem Anteil, wie es beim legendären "Beychella" 2018 der Fall war.

Jetzt posten Fans in den sozialen Medien traurige Emojis statt jubende, denn Solange hat ihren Auftritt kurzfristig abgesagt und gibt dafür unter anderem "große Produktionsverzögerungen" an. Eine Künstlerin wie sie hätte einem "Festival of Music and Arts", wie das Coachella heißt, gut getan. Für mich war Solange in diesem Jahr der einzige Lichtblick – der nun entfällt.

Instagram = der Tod der Nische

Ben Vaughn, left, and Ariel Vaughn, of Chicago, pose after their wedding at the Coachella Music & Arts Festival at the Empire Polo Club on Friday, April 20, 2018, in Indio, Calif. (Photo by Amy Harris/Invision/AP)

Immer wieder dasselbe Bild vor dem Riesenrad. Dieses Mal: Die Hochzeits-Edition Bild: Invision

Wie entstehen eigentlich Hypes? Am Beispiel von Coachella sieht man es ganz gut. Vor etwa 4 Jahren begann sich der Instagram-Feed meiner Bubble mit Fotos wie diesen zu füllen. Davor war das Coachella zwar ein heißer, aber kein Allerwelts-Tipp. Damals, bevor jeder Influencer umsonst in den VIP-Bereich durfte, sah man Fotos von Promis wie Vanessa Hudgens oder "Victoria's Secret"-Models, auf denen sie zwischen Normalos chillen, coole Drinks schlürfen, trendy Food essen und natürlich zu den aktuell angesagtesten Vibes tanzen.

Mit wachsendem Marktingbudget kamen die Marken und mit ihnen die eingeladenen Influencer. Diese ballerten mit ihrem "Hier stehe ich vor dem Riesenrad, so wie jeder andere Idiot"-Content die Instagram-Feeds dieser Welt zu. So lange, bis fast jeder schon einmal vom Coachella-Festival hörte.

Doch das Versprechen "Chille mit Stars und Sternchen in der Wüste und sehe deine liebsten Acts in liebevoll gestalteter Atmosphäre", mit dem alles angefangen hat, ist heute keine Realität mehr. Die Stars halten sich nur noch in extra für sie abgetrennten Bereichen auf. Meine liebsten Acts treten auch nicht mehr auf, aber dafür hängt plötzlich an jeder erdenklichen Stelle eine Menge Deko – damit auch ja aus jeder Perspektive hübsche Insta-Stories gemacht werden können.

Nicht nur ich als Coachella-Verweigerin finde das Festival übrigens doof. Berichte von enttäuschten Besuchern kann man hier, hier und hier lesen.

Der Preis

The sun sets over the Coachella Music & Arts Festival at the Empire Polo Club on Saturday, April 21, 2018, in Indio, Calif. (Photo by Amy Harris/Invision/AP)

Einen realen Blick auf das Wahrzeichen des Festivals lassen sich die Veranstalter eine Menge kosten. Bild: Invision

Eine Karte für das Coachella zu ergattern, wird wegen des enormen Hypes und der vielen Reservierungen für Influencer jedes Jahr schwerer. Los geht es ab 450 Dollar Ticket-Preis. Die Luxus-Variante kostet 1000 Dollar. Deutsche Coachella-Fans müssen zusätzlich die Flüge nach Kalifornien und wieder zurück ins Budget einrechnen, haben dann aber weder gegessen noch getrunken. Einen schönen Schlafplatz lassen sich die Veranstalter natürlich extra kosten. Da guck ich mir Ariana Grande lieber in Berlin statt auf dem Coachella an – und zahle von dem Cash, das ich mir spare, ein halbes Jahr lang meine Miete.

Die Skandale

September 16, 2017 - Carson, California, U.S - Philip Anschutz attends the game between the L.A. Galaxy and the Toronto FC on Saturday September 16, 2017 at StubHub Center in Carson, California. L.A. Galaxy loses to Toronto FC, 4-0. L.A. Galaxy loses to Toronto FC, 4-0 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAp124 20170916_zaa_p124_011 Copyright: xJavierxRojasx

Mit dem Kauf einer Karte unterstützt man diesen Mann und der mag ein wenig rechts sein ... Bild: imago stock&people

Neben allem, was man am Coachella subjektiv doof finden kann, gibt es auch einige handfeste Skandale rund um das Festival.

In diesem Jahr ist bereits ein Arbeiter beim Aufbau einer Bühne ums Leben gekommen, wie zahlreiche lokale Medien berichten. Seitdem hagelt es Kritik wegen fehlender Sicherheitsbestimmungen

Umstritten – gelinde gesagt – ist auch der Gründer des Festivals, Philip Anschutz. Den kann man nur haten. Mit den Einnahmen aus dem Festival soll der Unternehmer in der Vergangenheit nämlich Politiker und Organisationen unterstützt haben, die Waffen toll, aber die LGBTQ-Gemeinde doof finden. In echter Trump-Manier bezeichnete der Milliardär die Anschuldigungen als "Fake News."

In diesem Sinne: Happy Festival-Saison!

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