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Meinung

"Bezahlter Urlaub? Von wegen!" Hartz-IV-Empfängerin schildert ihren täglichen Kampf

Elżbieta Kremplewski, 63, kam vor über 30 Jahren nach Deutschland und wohnt in Essen. Seitdem das Unternehmen, bei dem sie zuletzt angestellt war, pleite ging, ist sie arbeitslos. Seit über fünf Jahren lebt sie von Arbeitslosengeld II, auch Hartz IV genannt. Dass manche Menschen glauben, Hartz IV sei wie bezahlter Urlaub, kann sie nicht verstehen – und wehrt sich gegen dieses Vorurteil.

Auf Kosten des Staates zu leben? Das erscheint erst einmal ruhig, bequem, unkompliziert. Ehrlich gesagt war ich von dieser Annahme auch überzeugt – damals, als ich noch einen Vollzeit-Job hatte.

Doch dann ging das Unternehmen, bei dem ich angestellt war, pleite. Nun lebe ich seit mittlerweile fast sechs Jahren von Hartz IV. Seitdem hat sich meine Meinung über Langzeitarbeitslosigkeit geändert.

Hartz 4 ist Mühe, ohne Erfolge zu sehen

Hartz IV ist nicht Urlaub auf Staatskosten und die meisten Menschen suchen es sich nicht aus, so zu leben. Hartz IV bedeutet Anstrengung, ohne, dass es Arbeit ist. Mühe, ohne Erfolge zu sehen. Und das liegt nicht an dem Grundgedanken unseres sozialen Systems: Natürlich ist es gut und wichtig, Menschen, die aus welchen Gründen auch immer auf finanzielle Unterstützung angewiesen sind, diese Hilfeleistung auch zu gewähren.

"Fördern und Fordern", wie es im Zusammenhang mit Hartz IV immer so schön heißt.

Hartz IV ist in der Umsetzung allerdings meiner Meinung nach gescheitert. Das liegt unter anderem an dem Druck, der Hartz-IV-Empfängern gemacht wird – und damit meine ich wirklich unnötigen Druck, nicht Motivation oder das gut gemeinte "Fördern und Fordern", wie es im Zusammenhang mit Hartz IV so schön heißt.

Mit fast 64 Jahren finde ich keinen Job mehr

In meinem Fall gestaltet sich das mit der Job-Suche zumindest etwas leichter – denn mit fast 64 Jahren, kurz vor der Rente, ist es eigentlich klar, dass ich keine Vollzeitstelle mehr finde. Eigentlich bin ich Pädagogin – mein Studienabschluss aus Polen wird in Deutschland allerdings nicht anerkannt, deswegen kann ich eigentlich nur nach Jobs suchen, die man als ungelernte Kraft ausüben kann.

Davon gibt es nicht so viele, wie man glaubt – auch weil ich viele davon körperlich nicht mehr schaffe. Deswegen arbeite ich zumindest auf Minijobbasis in einem Supermarkt.

Von den 450 Euro, die ich verdiene, darf ich 120 behalten. Der Rest wird mit meinem Hartz-IV-Satz verrechnet. Das heißt, dass ich jeden Monat meine Lohnabrechnung an das Jobcenter schicken muss, damit die Sachbearbeiter mein Gehalt korrekt berechnen können.

Regelmäßig kommt es zu Komplikationen mit dem Jobcenter – wegen 120 Euro Gehalt.

Das ist ein ganz schönes Hin und Her, weil mein Lohn jeden Monat leicht schwankt – abhängig davon, wie viele Stunden ich gearbeitet habe. Es ist auch schon vorgekommen, dass das Jobcenter mir meinen Hartz-IV-Satz nicht geschickt hat, weil es Probleme beim Berechnen meines Lohns gab.

Noch einmal zu Erinnerung: Wir sprechen hier von 120 Euro, die ich behalten darf. Es geht hier nicht um Unsummen, um die ich den Staat betrügen könnte (was ich natürlich nicht vorhabe).

Hartz IV ist dennoch kein Grund, in Tränen auszubrechen

Alle sechs Monate muss ich meinen Antrag auf Arbeitslosengeld II beim Jobcenter erneuern, dafür muss ich einen Stapel Dokumente sowie noch einmal die Lohnabrechnungen meines Minijobs abgeben. Um zu beweisen, dass sich tatsächlich nichts in meinem Leben geändert hat.

Sind das alles nun Gründe, mit seinem Leben zufrieden zu sein? Nein. Aber es sind auch keine Gründe, um in Tränen auszubrechen. Es geht mir nicht darum, herumzujammern, dass ich auf Hartz IV lebe – sondern zu zeigen, dass dieses System nicht perfekt ist und eben nicht dazu einlädt, sich auf der sozialen Hängematte auszuruhen.

Schlimmer ist es, wenn man Kinder hat und denen erklären muss: "Das Spielzeug ist zu teuer."

Ich weiß allerdings auch, dass ich Glück habe – vor allem, weil ich alleinstehend bin. Allein ist es einfacher, sich damit abzufinden, dass man nicht viel Geld zur Verfügung hat, dass man sich teure Hobbys, Klamotten oder Urlaub einfach nicht leisten kann.

Schlimmer ist es allerdings, wenn man zum Beispiel kleine Kinder hat und denen erklären muss: "Das Spielzeug können wir leider nicht kaufen. Das ist zu teuer." Oder: "Wir können heute nicht Eis essen gehen, erst nächste Woche wieder" – weil solche Vergnügungen einfach nicht ins Budget passen. Ich glaube, es bricht jeder Mutter das Herz, seinen Kindern aus finanziellen Gründen selbst kleinste Freuden verwehren zu müssen.

Gegen Arbeitslose herrscht Misstrauen vor

Vor Kurzem habe ich die Entscheidung getroffen, nach Berlin zu ziehen, um näher bei meiner Tochter zu sein. Natürlich habe ich das Jobcenter gefragt, ob ich umziehen darf, und das geht selbstverständlich – selbst das Jobcenter kann einen nicht zwingen, an einem Ort wohnen bleiben zu müssen.

Allerdings muss ich die Kosten für einen Umzug selbst tragen – das ist mir aber, ehrlich gesagt, fast lieber so. Schließlich ist es der Umzug meine eigene Entscheidung, und ich will mich nicht noch abhängiger vom Staat machen.

Ich fühle mich manchmal wie ein Mensch zweiter Klasse.

Mit Hartz IV wird die Wohnungssuche natürlich nicht einfacher. Gegen Arbeitslose herrscht Misstrauen vor, leider. Wer arbeitet, hat Vorrang – obwohl das Jobcenter meine Miete überweist und der Vermieter so sicher sein kann, dass das Geld tatsächlich und pünktlich bei ihm eingeht. Dennoch fühle ich mich bei der Suche wie ein Mensch zweiter Klasse.

Ich versuche es trotzdem weiter und rede mir ein, dass ich einfach nur geduldig sein und meine gute Laune behalten muss. Und ich muss einfach zeitweise vergessen, dass ich zu dieser stigmatisierten Gruppe der Hartz-IV-Empfänger gehöre. Dass ich, wenn alles gut geht, das Einverständnis vom Jobcenter einholen muss, damit meine Miete übernommen wird – diesmal dann in Berlin, hoffe ich.

Natürlich werde ich auch in Berlin versuchen, eine Vollzeitstelle zu finden. Auch wenn ich da wenig Hoffnung habe – probieren muss man es wenigstens.

Protokoll: Agatha Kremplewski

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Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Es ist etwa 7 Uhr morgens und bitterkalt. Ich stehe inmitten einer kleinen Menschentraube vor einem Düsseldorfer Jobcenter und warte darauf, die Vorhalle betreten zu können. Punkt 7.30 Uhr öffnet sich die Glastür mit einem leisen elektronischen Summen – für uns der Startschuss: Schon rennen wir um die Wette zum Wartemarken-Automaten. Schließlich will niemand mehr Zeit im Jobcenter verbringen als notwendig.

Kurze Zeit später mein Gespräch mit einem Mitarbeiter:

"Also, es ist leider immer noch kein …

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