Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Bild: imago/twitter/montage

Zwei Models, ein Streit: Karl Lagerfeld – ein "Heiliger" oder "Frauenhasser"?

Der bekannte deutsche Modeschöpfer Karl Lagerfeld ist am 19. Februar in einem Pariser Krankenhaus gestorben. Der Designer hatte die Mode-Branche über Jahre hinweg geprägt. Die Betroffenheit war groß.

Aber nicht bei allen. Jameela Jamil, Model und britische Fernsehmoderatorin, sagt, dass Lagerfeld – "ein skrupelloser Frauenhasser" – als "Heiliger, der zu früh gegangen ist" dargestellt wird. Er sei gewiss talentiert gewesen, "aber nicht die beste Person", schrieb sie auf Twitter.

Wenig Freude an Jamils Kritik verspürte das Model Cara Delevingne – eine langjährige Freundin und Muse des Modedesigners.

"Es ist nicht möglich durchs Leben zu gehen, ohne Menschen zu verletzten. Lagerfeld ist kein Heiliger gewesen, doch er war ein Mensch, der wie wir alle Fehler machte und wir alle sollten die Möglichkeit haben, diese zu vergeben."

Jamil hatte die perfekte Antwort für Delevingne und jene anderen parat, die Lagerfelds Aussagen in Schutz nahmen.

"Wir können nicht Jahrzehnte von verletzender Rhetorik gegenüber Minderheiten als ‹menschlich sein› oder ‹Fehler machen› bezeichnen". Dies einmal als Witz zu tun und sich dann zu entschuldigen, ist eine Sache. Wer es immer und immer wieder tut – trotz der öffentlichen Empörung – ist ein schlechter Mensch. Es tut mir leid, schlecht über jemanden zu sprechen, den du magst.»

Delevingne versuchte vom Thema abzulenken ...

"Ich stimme dir zu, aber bitte nenne ihn nicht einen schlechten Menschen, das ist einfach nicht fair. Wir sollten über diejenigen Menschen sprechen, die am Leben sind, die an der Macht sind, die die Welt regieren, die verletzt werden, und weit mehr Leben zerstören als dieser Mann, der erst gestern gestorben ist."

... doch Jamil blieb hartnäckig.

"Aber Cara, seine grausamen Worte richteten sich nicht gegen dich, weil du dünn, weiss und unglaublich privilegiert bist. Deshalb spürst du den Schmerz seines schlechten Verhaltens nicht. Es gibt nie eine gute Zeit, um wirklich darüber zu sprechen."

Jamil wies weiter darauf hin, dass Delevingne den Verstorbenen nicht in Schutz nehmen würde, hätte er sich "notorisch wild homophob" geäußert. Lagerfelds Freundin war schon mit Männern und Frauen Beziehungen eingegangen. "Es ist wichtig, dass man einfach ehrlich ist", fügte Jamil an.

Delevingne ihrerseits verteidigt Lagerfeld weiter.

"Ehrlich ja und das sollte eine allgemeine Diskussion sein, über die nicht nur von ihm gesprochen werden sollte. Er ist nicht das Problem. Die Art und Weise, wie die Welt ist ... und die Art und Weise, wie die Branche seit langem ist. Es ist Zeit für Veränderungen und ich stimme dem zu."

Eine schlagfertige Antwort folgte prompt. Jamil argumentierte, dass nicht Hollywood den ehemaligen Filmproduzenten Harvey Weinstein zu dem gemacht hat, was er ist. Gegen ihn wurden von mehreren Frauen Vorwürfe sexueller Übergriffe erhoben.

"Das ist als würde man sagen, dass nicht Harvey das Problem ist, sondern Hollywood. Wir alle sind für unser Verhalten verantwortlich. Ich bin es. Du bist es. Und wir müssen respektvoll zu denjenigen sein, die verletzt wurden, indem wir nicht die extrem unfreundlichen Worte eines ‹sehr› mächtigen Mannes herunterspielen oder diese entschuldigen."

Lagerfelds Muse verstand nicht, worauf Jamil aus war.

"Du kannst Harvey nicht mit Karl vergleicht. Besonders nicht gegenüber mir."

Die Antwort:

"Ich vergleiche ihre Taten nicht. Ich meine, dass wir die Verbrechen einer Person nicht auf die Branche abschieben können, in der sie arbeitet. Wir müssen sehr mächtige Menschen, die andere Menschen verletzen, zur Verantwortung ziehen."

Erstmals stimmte Delevingne zu – doch hat sie auch verstanden, was Jamil sagen wollte?

"Ich stimme dir zu, aber du musst verstehen, dass es mich sehr wütend macht, was du da sagst. Ich trauere um jemanden, der etwas Besonderes für mich war. Es ist sehr schwierig, dieses Gespräch zu führen, ohne emotional zu werden."

Einen Konsens erreichten die beiden nicht. Laut "HuffPost" neigte Lagerfeld dazu, während Interviews frauenfeindliche und diskriminierende Kommentare abzugeben. Besonders übergewichtige Menschen beleidigte der Modekönig regelmäßig.

So sagte er beispielsweise 2009 in einem Interview, dass "niemand kurvige Frauen sehen will". Sängerin Adele nannte er 2012 "ein bisschen zu dick". Auch für russische Männer hatte er nicht viel übrig: "Wäre ich eine Frau in Russland, wäre ich lesbisch, da die Männer sehr hässlich sind". Zur verstorbenen Prinzessin Diana meinte er, sie sei zwar "hübsch und süß", aber auch "sehr dumm".

Lagerfeld nahm aber auch bei anderen Themen kein Blatt vor den Mund. Er schockierte in einer französischen TV-Show mit einer Aussage über Flüchtlinge: "Ich kenne jemanden in Deutschland, der einen jungen Syrer aufnahm und vier Tage später sagte: 'Das Beste, was Deutschland erfunden hat, war der Holocaust.'" Und zu Griechenland meinte er: "Niemand will, dass Griechenland verschwindet, aber sie haben wirklich ekelhafte Gewohnheiten – auch in Italien."

(vom)

Das könnte dich auch interessieren:

Warum Frauen an der Gitarre unterschätzt werden – Spoiler: Es hat mit Männern zu tun

Link zum Artikel

"Halt die Fresse, du erbärmliche Frau": Flugzeug-Crew droht 22-Jähriger mit Rausschmiss

Link zum Artikel

Zyklon "Idai": Zahl der Toten in Simbabwe auf 70 gestiegen

Link zum Artikel

Klimaschützerin Luise Neubauer: Anführerin einer wachsenden Bewegung

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Tesla enthüllt das Model Y – so sieht es aus, und so viel kostet es

Link zum Artikel

Umstrittene Netflix-Doku zum Fall "Maddie" sorgt für Aufregung

Link zum Artikel

"Schulschwänzen nicht heilig sprechen" – Lindner schießt wieder gegen #FridaysForFuture

Link zum Artikel

Wie peinlich kann ein Sex-Date sein? Ja, lest mal dieses Jodlers Reim!

Link zum Artikel

Optische Täuschung: Künstlerin verschwindet dank Make-up in ihrer Umgebung

Link zum Artikel

Greta Thunberg in Schweden "Frau des Jahres"

Link zum Artikel

Katarina Barley: "Rabenmutter gibt's nur auf Deutsch"

Link zum Artikel

"Frauen der Mauer" von strengreligiösen Juden in Jerusalem bespuckt und beschimpft

Link zum Artikel

Wir waren mit Deutschlands bester Skaterin unterwegs. Sie ist 11 Jahre alt.

Link zum Artikel

9 Stars, denen völlig egal war, was Männer und Frauen tragen "sollten"

Link zum Artikel

In diesen Ländern haben die Frauen das Sagen (es sind immer noch zu wenige)

Link zum Artikel

Einen Tampon einzuführen erregt uns nicht und 32 weitere Wahrheiten über Frauen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

"Pink Tax" für Frauen: Gleiches Produkt, gleicher Inhalt, aber teurer

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

watson wird zur Frau! Ja, du hast richtig gelesen

Link zum Artikel

Virgin Atlantic hebt Make-up-Vorgaben auf – aber wieso gibt es die überhaupt noch?

Link zum Artikel

Sie hat alle überlebt, alleine dafür gebührt ihr der Thron #TeamSansa

Link zum Artikel

Chinesische "Harry Potter"-Fans reisten nach Sydney – sie dachten, dass dort Hogwarts sei

Link zum Artikel

#VansChallenge – Warum jetzt überall Sneaker durch die Luft fliegen

Link zum Artikel

Trumps Twitter-Feed ist verrückt? Dann schau dir mal den von Brasiliens Präsidenten an

Link zum Artikel

Die beliebtesten Länder-Slogans – erkennt ihr den Spruch eures Bundeslandes?

Link zum Artikel

Trump nennt den Apple-CEO "Tim Apple" – und die Reaktionen sind großartig

Link zum Artikel

Der Hundewurf von Straubing – und was die AfD daraus macht

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

So romantisch wie Fußnägelschneiden – Erster Heiratsantrag bei Jauch via Telefonjoker

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Zitterpartie Brexit – Geht Mays Strategie schief? Und 5 weitere Fragen

Link zum Artikel

Die Oscars werden zum Queengasmus – unser Protokoll der Nacht

Link zum Artikel

Forscher stehen vor Rätsel: Was macht ein toter Wal im Dschungel?

Link zum Artikel

Darf er das? Chelsea-Torwart verweigert Auswechslung – sein Trainer tobt

Link zum Artikel

Es ist so warm in Deutschland, dass auch schon die Mücken unterwegs sind

Link zum Artikel

Grimassen und getretene Kleider – 13 Dinge, die du in der Oscar-Nacht verpasst hast

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Wo Frauen Fotzen sind – ich bin im Fußballstadion noch immer nicht willkommen

Unsere Autorin ist Fußballfan, fühlt sich im Stadion aber unwohl. Warum? Das hat sie sich im Rahmen des internationalen Frauentags von der Seele geschrieben.

Am 8. März wird watson zur Frau. Und das 24 Stunden lang. Am Internationalen Frauentag werden wir ausnahmslos Frauen abbilden, thematisieren und porträtieren. Trump, Hoeneß oder Kollegah haben dann Pause. Und ja, das wird auch Zeit. Auch auf watson.de sind Frauen in der Regel unterrepräsentiert. Und das liegt nicht nur an der Welt, in der wir leben, sondern auch an uns. Aber wir wollen besser werden. Heute ist ein guter Tag, um dafür ein Zeichen zu setzen.

Als ich sechs Jahre alt war, stand ich …

Artikel lesen
Link zum Artikel