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Und wieder sind die Leute sauer auf Netflix. Dieses Mal wegen einer Terror-Doku-Serie

Pascal Scherrer / watson.ch

In den USA hat Netflix der Dokumentations-Serie "Terrorism Close Calls" veröffentlicht, die sich mit dem Thema Terrorismus beschäftigt. Die Serie soll eine "Übersicht über tödliche Terrorattacken, die beinahe stattgefunden haben oder nicht so tödlich waren wie geplant" sein. Dabei untersuche jede Episode einen kürzlich freigegebenen Terroristenplan, der zu einem Terroranschlag führen sollte.

Nun mehren sich im Internet Berichte von verärgerten Zuschauern der Serie. Denn obwohl das Thema ein äußerst heikles ist, scheinen es die Macher mit den Fakten nicht sehr genau genommen zu haben.

Schon nach kurzer Zeit tauchten auf Twitter die ersten, negativen Reaktionen auf:

Gucke gerade das neue Netflix-Original 'Terrorism Close Calls'.

Bin momentan bei der ersten Episode.

Rege mich über den Wert dieser Produktion und die Fehlinformationen auf. Glauben die wirklich, niemand würde es bemerken, wenn sie einen Terroristen zeigen, der angeblich aus einem US-Haus gebracht wird, und dann ist es eine Straße in Großbritannien?"

Ein anderer Twitter-User merkt an, dass beim Attentat auf die Londoner U-Bahn eigentlich Bildmaterial der Madrider Zuganschläge von 2004 gezeigt werde:

Auch auf der Internetplattform "Reddit" regt man sich über diese Falschdarstellung auf. Ein User schreibt dort:

"In der ersten Episode, in der es um die Vereitelung eines Anschlags auf die New Yorker U-Bahn geht, sagen sie: 'Terroristen hatten dieses einfache Ziel bereits zuvor ausgewählt: London 2005.' Dann schneiden sie unerklärlicherweise auf Videomaterial von den Zuganschlägen in Madrid 2004, als wären es Aufnahmen von London (inklusive falscher Schreie, die über das Video gelegt wurden)."

Die negativen Stimmen kritisieren vor allem die Pietätlosigkeit, mit der die Macher anscheinend vorgegangen sind. Auf "Reddit" heißt es weiter:

"Ich habe keine Zweifel, dass sie wissentlich Bildaufnahmen von sterbenden Menschen von einer Terrorattacke genommen haben – die auch in Europa stattgefunden und rund dreimal so viele Opfer gefordert hat – um sie als bequeme Archivaufnahmen für eine andere Terrorattacke zu verwenden, die eigentlich ein Jahr später stattfand.

Das fühlt sich für mich zutiefst falsch an. Wenn ihr uns schon Bilder dieser Leute zeigt, die sterben, gebt ihnen wenigstens die Würde und Anerkennung, den Zuschauern zu sagen, was wir da sehen. Das ist nicht einfach Archivmaterial, dass man für irgendwelche Terrorattacken benutzen kann, nur weil eure Leute im Schnittraum faul sind.

Das waren Familien und Freunde von Menschen. Und es mindert die Tragödie des Attentats in London, wenn ihr suggeriert, dass Terroropfer und -attacken mehr oder weniger austauschbar sind und keine riesigen, individuellen Tragödien."

Dass solche Serien aber durchaus nicht immer mit kritischen Augen betrachtet werden, zeigen die Reaktionen auf die negativen Kommentare. Diese reichen von "Ich mochte es", über "Solche Kanäle sind voll von solchen Serien, lol" bis hin zu "Das Bildmaterial ist nicht der wichtige Teil der Doku".

Und Netflix? Der Streaming-Dienst hat sich weder zur Kritik, noch darüber, ob die Serie auch in Europa erscheinen wird, geäußert.

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