Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

Patrick Toggweiler / watson.ch

Wir schreiben das Jahr 1935. Tausende russische Gulag-Gefangene werden ins sibirische Niemandsland verfrachtet. Zuvor hatten Geologen beim Lontokoiski-Kamen-Gebirge riesige Nickelvorkommen gefunden. Was jetzt noch fehlte, waren Arbeiter für den Gewinn der Bodenschätze. Eine Stadt musste her. 

Und so errichteten ab 1935 350.000 Strafgefangene die Stadt Norilsk. 300 Kilometer über dem Polarkreis gelegen, ist sie die nördlichste Stadt der Welt mit mehr als 100.000 Einwohnern.

Bild

Zwei Männer baden neben einer Pipeline  bild: reddit/u/kingblana

Bild

 Minus 46 Grad. Keine Seltenheit in Norilsk. Screenshot google street view

Doch die Kälte ist nicht einmal das größte Problem.

Bild

bild: reddit

Norilsk ist die dreckigste Stadt Russlands. In einer Untersuchung von Green Cross Schweiz und dem Blacksmith Institute schaffte es Norilsk 2013 in die fragwürdige Top 10 der verschmutztesten Städte der Welt.

2015 entließ die lokale Schwerindustrie knapp zwei Millionen Tonnen Kupfer, Blei, Cadmium, Nickel, Schwefel und Arsenhaltige Gase in die Luft. In den Jahren zuvor war diese Menge sogar doppelt so groß gewesen.

Die Lebenserwartung der Bevölkerung liegt 10 Jahre unter dem russischen Landesdurchschnitt. Der Anteil Schwefeldioxid in der Luft soll in Norilsk so groß sein, dass im Umkreis von 20 Kilometern, in der sowieso schon kargen Tundra, keine Vegetation mehr wächst. Nur gerade 4 Prozent der erwachsenen Bevölkerung galt im Jahre 2007 als "gesund".

Norilsk steht auf Permafrostgebiet. So hoch im Norden sind die Auswirkungen des Klimawandels noch stärker spürbar. Alleine zwischen 1999 und 2013 hat sich der Boden um ein Grad erwärmt. 60 Prozent der Gebäude in Norlisk wiesen deshalb bereits Strukturschäden auf, schreibt Valeri Tereschkow, der stellvertretende Leiter der Hauptverwaltung des russischen Katastrophenschutzministeriums für die Region Krasnojarsk in einem Artikel.

Bild

Norilsk ist völlig abgeschirmt. 2001 wurde die Stadt für Ausländer gesperrt. Kurze Zeit später wurde das Besuchsverbot zwar etwas gelockert, Nicht-Russen benötigten aber noch immer eine Ausnahmebewilligung. Als ein britischer Journalist 2003 einen Besuch wagte, dauerte es Monate, bis er eine solche erhielt.

Viele Wege führen nach Rom, nur gerade einer nach Norilsk. Auf dem Landweg kann man die Hölle des Nordens nur von der Hafenstadt Dudinka, ungefähr 100 Kilometer westlich, erreichen. Wer nach Norilsk will, muss das per Flugzeug tun. Und hoffen, dass kein Schneesturm die Landung unmöglich macht.

Zu den sowieso schon garstigen Verhältnissen gesellt sich ein weiteres Problem. Die Nickelhütten stehen im Süden, die Kupferfabrik im Norden und die Nadeschda-Metallfabrik im Osten. Egal von wo der Wind kommt – er bringt selten saubere Luft.

Bild

Ein Blick auf die Nadeschda-Metallfabrik. Das Satellitenbild zeigt die großflächige Kontamination mit Nickel (rot) und anderen Stoffen (gelb). Das Gebiet sei derart verseucht, dass es wirtschaftlich erträglich sei, diverse Chemikalien und Metalle aus dem Boden zu gewinnen. bild: google maps

2016 verfärbte sich der Daldykan-Fluss in der Nähe von Norilsk rot. Die Nickelfabrik wies zunächst jegliche Schuld von sich: Der Fluss würde keine andere Farbe aufweisen als sonst, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.

Später gab der Hersteller zu, dass nach starken Regenfällen ein Filterdamm überlastet worden war und verseuchtes Wasser in den Fluss geriet.

Ursprünglich waren die Minenarbeiter von Norilsk Strafgefangene. Nach dem Ende des Stalinismus blieben viele dort ansässig. 1982 betrug die stetige Wohnbevölkerung mehr als 180.000 Menschen. Seither sinkt sie und die vielen Wohnblöcke leeren sich immer mehr.

Für Besitzer von Wohneigentum wird das zu einem Problem. Sie können ihre Immobilien nicht verkaufen. Nur wer es sich leisten kann, das Eigentum ganz abzuschreiben, dem gelingt die Flucht aus Norilsk.

Im Zuge der Privatisierung in den 90er Jahren riss sich die Onexim Bank (heute Onexim Group) 38 Prozent der Nickelfabrik in Norilsk unter den Nagel. Der Verkaufspreis betrug 170 Millionen Dollar. Der Jahresgewinn lag bereits damals bei 1,2 Milliarden. Das Schnäppchen erwies sich als Goldgrube.

Auch dank eines massiven Anstiegs des Nickelpreises wurde die Produktionsstätte 2008 auf 53 Milliarden geschätzt. Die Stadt mit nicht einmal 200.000 Einwohnern war 2014 für zwei Prozent des gesamten russischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich. Für ein paar Wenige ist die härteste Stadt Russlands eine Goldgrube – für den Rest einfach nur ein kaltes, dreckiges Todesurteil. 

Bild

Diese Fotos zeigen nicht, was du jetzt denkst

abspielen

Video: watson/Elisabeth Kochan, Johanna Rummel

Was heute noch wichtig ist:

Millionen sahen Hartz-IV-Empfänger bei "Armes Deutschland" – jetzt rechnet er mit RTL 2 ab

Link zum Artikel

"In BVB-Bayern-Wendebettwäsche geschlafen"– die lustigsten Reaktionen zum Hummels-Wechsel

Link zum Artikel

Mit diesen 4 Tipps umgehst du die langsamste Kasse im Supermarkt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Oben-Ohne-Video – das sagt Lena Meyer-Landrut dazu

Link zum Artikel

Sommer bei H&M: Das sind die ekligsten Dinge, die mir als Verkäuferin passiert sind

Link zum Artikel

Das deutsche Badewasser ist hervorragend – nur nicht an diesen 6 Orten

Link zum Artikel

Mats Hummels für 38 Mio. zurück zum BVB: Warum ich als Fan sauer wäre

Link zum Artikel

9 Frauen aus den Anfängen des Rock'n'Roll, die die Musikwelt auf den Kopf stellten

Link zum Artikel

Ich wollte Eltern überzeugen, dass Impfen schlecht ist – und scheiterte glücklicherweise

Link zum Artikel

"Soll ich hier den Clown machen?": Kollegah rastet wegen Schweizer Festival aus

Link zum Artikel

Aldi schafft die Kasse ab: Discounter testet wegweisendes Konzept in China

Link zum Artikel

Diese Bilder von den Protesten in Hongkong geht gerade um die Welt

Link zum Artikel

Pascal Hens gewinnt "Let's Dance", aber was viel beachtlicher ist

Link zum Artikel

Gespräch mit einem Luxus-Escort: "Die meisten Prostituierten sind unterer Mittelstand"

Link zum Artikel

Sie demontiert sich selbst: Warum ihr Görlitz-Tweet AKK so heftig um die Ohren fliegt

Link zum Artikel

"Hunderte Mio. Menschen werden betroffen sein": Klimaforscher machen dramatische Entdeckung

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Kalaschnikow macht jetzt auf Tesla im Sowjet-Look

Kalaschnikow.

Kennt man wegen seiner Sturmgewehre. Das AK-47 gilt als die meistverbreitete Kriegswaffe aller Zeiten.

Das russische Unternehmen versucht sich seit Jahren auch auf anderen Geschäftsfeldern.

Und baut neuerdings Elektroautos ...

(dsc)

Artikel lesen
Link zum Artikel