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Endometriose

Bild: zvg

Von wegen leichte Regelschmerzen – Melanie kämpft gegen Endometriose

Helene Obrist

Melanie bezeichnet Endometriose als "fiese Krankheit". Fies, weil sie sich bei jedem anders äußert und schwer fassbar ist. "Endometriose ist wie ein Chamäleon. Sie verändert sich und Symptome und Schmerzen sind bei jedem wieder anders", so die 27-jährige Pflegefachfrau. Sie wirkt stark und gleichzeitig sehr zerbrechlich.

Endometriose ist eine chronische Krankheit, bei der die Gebärmutterschleimhaut wuchert und sich an anderen Stellen im Körper festsetzt. Das kann vor allem während der Menstruation zu großen Schmerzen führen. Endometriose ist die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung und jede zehnte Frau ist davon betroffen. Doch viele wissen es nicht. 

Endometriose

Der Name der gutartigen chronischen Krankheit leitet sich von der medizinischen Bezeichnung für die Gebärmutterschleimhaut "Endometrium" ab.
Wer Endometriose hat, dessen Gebärmutterschleimhaut kommt nicht nur im Innern der Gebärmutter vor, sondern wächst auch an anderen Orten, wie zum Beispiel am Bauchfell im Becken, an den Eierstöcken oder an der Blase.
Diese Ansammlung wird Endometriosenherde genannt. Während der Menstruation löst sich die Gebärmutterschleimhaut ab. Weil sich aber die an anderen Orten gebildeten Endometriosenherde nicht ablösen können und sich Blut und Schleimhaut staut, kann es zu großen Schmerzen und Komplikationen kommen. 

Angefangen hat Melanies Leidensgeschichte vor knapp vier Jahren. Sie hatte vor der Menstruation Durchfall und währenddessen starke Verstopfungen. Irgendwann hatte sie weder Lust noch Antrieb um zu essen und zu trinken. Ihr Bauch war ständig enorm geschwollen. Es dauerte, bis sie sich eingestand, dass irgendetwas nicht stimmte. Ihre Eltern drängten sie, sich bei einem Arzt Rat zu holen.

"Im Krankenhaus wurde meine vage Vermutung bestätigt", so Melanie – Diagnose Endometriose. Melanie wurde operiert und ihre Endometriosenherde (siehe Infobox) entfernt. Doch die Linderung war nur von kurzer Dauer.

"Nach sechs Wochen haben die Schmerzen erneut eingesetzt", erzählt Melanie. Wieder fand sie sich auf dem Operationstisch. In den letzten vier Jahren unterzog sich die Pflegefachfrau insgesamt drei Operationen.

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Schmerzen, die sich auch psychisch auswirken. Bild: Unsplash

Schmerzfrei ist sie bis heute nicht. Bauchkrämpfe, Durchfall, Blähungen und Verstopfungen plagen Melanie immer wieder. "Das schlägt irgendwann auch auf die Psyche." Ihren Alltag versucht sie so gut wie möglich zu meistern. "Meine Arbeit hilft, da bin ich konzentriert und abgelenkt."

Aber manchmal fällt sie in alte Muster, lässt sich von ihrer Krankheit beherrschen. "An einigen Tagen ist es verdammt schwierig mitzuhalten." Doch aufgegeben hat die 27-Jährige noch nie. Sie kämpft weiter.

Angetrieben wird sie manchmal auch von Wut und Frustration. Wut darüber, dass Endometriose bis heute kaum erforscht ist – Ursache unbekannt. Frustration, weil viele ihr Leiden nicht ernst nehmen.

Viele Mediziner haben nur sehr wenig Zeit für ihre Patienten

"Vor allem männliche Ärzte haben diese Probleme nicht, können die Schmerzen nicht nachvollziehen und kanzeln die Beschwerden als ,normale Menskrämpfe' ab", sagt Melanie und fügt hinzu: "Endometriose ist wie Krebs – nur gutartig, also nicht lebensbedrohlich. Wobei das ,gutartig' manchmal wie ein Hohn klingt."

"Ärzte und Frauen sollen diese Krankheit endlich ernst nehmen."

Melanie Vogt

Melanie hat wegen ihrer Krankheit viel verloren. Ihre langjährige Beziehung ging in die Brüche. Einige Freunde brachen den Kontakt ab. "Vielleicht habe ich zu viel darüber gesprochen. Aber es ist mir wichtig, dass die Leute, vor allem Frauen, darüber Bescheid wissen."

Was der 27-Jährigen in schwierigen Zeiten hilft, ist der Kontakt mit Leidensgenossinnen. Auf ihrer Homepage informiert sie über alle Facetten der Endometriose. In einer von ihr gegründeten Facebookgruppe tauscht sie sich mit anderen Frauen aus. "Es gibt mir viel, wenn ich den Leidensweg von anderen vielleicht etwas verkürzen kann", sagt Melanie.

Statistiken zufolge dauert es bei Frauen unter 19 Jahren durchschnittlich zwölf Jahre bis sie eine eindeutige Diagnose erhalten. Viel zu lange, findet die Pflegefachfrau.

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Pariserinnen demonstrierten schon 2016, um auf die Krankheit aufmerksam zu machen. Bild: imago stock&people

Sie setzt sich dafür ein, dass Endometriose und die damit verbundenen Leiden richtig wahrgenommen werden. "Ärzte und Frauen sollen diese Krankheit endlich ernst nehmen", sagt Melanie bestimmt.

Die junge Frau will in Zukunft eine Familie gründen. Doch auch da können Komplikationen auftreten. Denn oftmals greifen die Endometriosenherde auch die Eileiter und Eierstöcke an, was eine erfolgreiche Befruchtung verhindert.

Aber selbst wenn es klappt, muss es nicht immer schön sein...

"Endometriose ist wie Krebs – nur gutartig, also nicht lebensbedrohlich. Wobei das ,gutartig' manchmal wie ein Hohn klingt."

Melanie Vogt

"Ich habe einen Weg gefunden, zu akzeptieren, dass ich nie wieder schmerzfrei sein werde. Mein Körper hat sich daran gewöhnt. Ob ich jemals schwanger werden kann, weiß ich nicht."

Aber Melanie macht weiter. Und wünscht sich vor allem eines: "Es wäre schön, wenn sich auch die Forschung endlich für die Endometriose interessieren würde und deren Ursprung ergründet." Damit könne, so Melanie, eine Generation junger Frauen vor unsäglichem Schmerz bewahrt werden.

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