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Wenn kein Shampoo da ist, tut's auch Whisky für Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch). bild: showtime

Cumberbatchs neue Serie? Sexy, genial, kaputt ... Wir sind wunschlos happy 

"Patrick Melrose" heißt der Fünfteiler von Showtime. Cumberbatch spielt darin einen reichen Junkie. Neben Hamlet ist dies seine Traumrolle.

Simone Meier

Als Edward fünf ist, wird er zum ersten Mal vom Vater vergewaltigt. Auf dem südfranzösischen Landsitz der St Aubyns, erworben vom gewaltigen Vermögen der Mutter. Der Vater: ein verkrachter ehemaliger Pianist und Sadist aus der Upper-Class, mit einem Stammbaum so lang wie Meghan Markles Schleier. Der Missbrauch dauert, bis Edward acht ist. Mit 16 wird er heroinsüchtig. Mit 25 macht er einen Selbstmordversuch und beginnt endlich eine Therapie. Mit 28 ist er clean.

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Bad Dad: Hugo Weaving als Vater in "Patrick Melrose". bild: showtime

Schreiben wollte er schon immer. Er überlegt sich fiktive Geschichten – sie bleiben steif. Er beginnt seine eigene niederzuschreiben und seiner Figur den Namen Patrick Melrose zu geben. Die Melrose-Romane – fünf sind es zwischen 1992 und 2011 – werden zum "Trainspotting" angeschlagener Rich Kids. "Ich hatte die Wahl, die Wahrheit zu schreiben – oder mich umzubringen", sagt St Aubyn. Nur die wenigsten aus seiner Familie werden in seinen leicht fiktionalisierten Melrose-Romanen verschont.

Als Benedict Cumberbatch 2013 von "Reddit" gefragt wird, welche Rollen er in seiner Karriere unbedingt noch spielen wolle, sagt er spontan: "Hamlet und Patrick Melrose." Zwei Figuren – so die "New York Times" –, die "Brillanz, Arroganz, Witz, Grausamkeit, Selbstzerstörung und nicht unähnliche Vaterkomplexe" gemeinsam haben. Aus Cumberbatchs Wunsch wird ein Tweet und der gerät an ein paar Leute, die gerade dabei sind, die Romane zu Drehbüchern zu machen, allen voran der sensible Bestsellerautor David Nicholls ("Zwei an einem Tag").

Man findet sich. Nicholls vollbringt ein Wunder und kondensiert jeden der fünf Romane auf eine einstündige Folge voller scharfer, intelligenter Dialoge, die dennoch mit grosser (typisch Nichollscher) Sensibilität die kaputte Tragödie des Patrick Melrose erfassen. Gut, an dieser Stelle sei gestanden, wir haben erst zwei Folgen sehen können, sie sind mindblowing. Dass die übrigen drei genau so herausgekommen sind, glauben wir jetzt einfach den enthusiasmierten amerikanischen und britischen Kritikern. 

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Sie hier (Allison Williams, bestens bekannt aus "Girls" und "Get Out") hätte er gern. bild: showtime

Den Hamlet spielte Cumberbatch 2015. Patrick Melrose ist seine Gegenwart. Sein neues Geniestück nach "Sherlock". Hier darf er sich noch mehr verausgaben, hier ist er minimal mehr Hirn, aber eine Million Mal mehr Körper als Sherlock Holmes. Sein Leib besteht allerdings nur aus Löchern durch die gespritzt, geschnupft, getrunken, gekotzt wird.

In Folge eins ("Bad News") wird Melrose im Juli 1982 nach New York gerufen, um seinen toten Vater heimzuschaffen. Sein Drogenkonsum übersteigt alles, sein Frauenkonsum ist ebenfalls ansehnlich. Er spricht mit mehreren Stimmen in seinem Kopf, ist manischer Berserker und charmanter Komiker im Overdrive, zerlegt sein Hotelzimmer, geht durch diverse Beschaffungshöllen und zitiert immer wieder den einen Satz, den Samuel Beckett 1957 notierte: "Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues."

Dazwischen: Abtauchen in die Kindheitserinnerungen an den kalten, brutalen Vater (Hugo Weaving) und die von Tabletten, Angst und Alkohol zerfressene Mutter (Jennifer Jason Leigh). 

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Die Kaputtheit (Jennifer Jason Leigh) von Mutter und Sohn (Sebastian Maltz). bild: showtime

Folge zwei ("Never Mind") spielt im September 1967, auf dem südfanzösischen Landsitz der Melroses/St Aubyns, der Vater hat zwei andere Paare eingeladen, er foltert sie ein bisschen, nur psychisch, das physische Verbrechen begeht er an seinem Sohn (der phänomenale Sebastian Maltz in seiner ersten Rolle) und das ist ein monströs beklemmender filmischer Moment: Nichts ist zu hören, kein Schrei, kein lautes Wort, man sieht nur das Haus, dessen Türe, Flure und Mauern, da sie keine andere Wahl haben, stumm auf den neuen Schrecken schauen. Und was macht unterdessen der Cumberbatch-Melrose? Einen Entzug natürlich. Auf jeden Fall versucht er es. 

Was soll man auch sagen? Wow! "Patrick Melrose" ist sowas wie das bestmögliche Destillat aus "Dr. House", "Sherlock" und ein wenig "Downton Abbey". Und nach der Miniserie "Parade's End", in der Cumberbatch einen traumatisierten Erst-Weltkriegs-Veteranen spielt, und "Sherlock" sowas wie Cumberbatchs dritter und überaus britischer serieller Geniestreich. Wow. 

"Patrick Melrose" läuft ab 29. Mai immer dienstags um 20.15 Uhr auf dem deutschen Sender Sky 1. Seit dem 12. Mai läuft die Serie immer samstags auf dem amerikanischen Bezahlsender Showtime. 

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