Uber-Fahrer klagen gegen Funktion für mehr Sicherheit von Frauen
Egal, wo Frauen sich bewegen, sie müssen immer damit rechnen, von Männern belästigt zu werden. Taxis oder Fahrdienste wie Uber bilden da keine Ausnahme. Für viele Frauen ist eine Fahrt alleine im Auto mit einem Mann gar undenkbar. Abgesehen von der Gefahr von unangenehmen Gesprächen und sexueller Belästigung hat der Fahrer am Steuer auch noch die Kontrolle – und kann diese ausnutzen.
In Berlin gibt es daher bereits Fahrdienste nur für weibliche Fahrgäste, bei denen auch ausschließlich Fahrerinnen am Steuer sitzen. Uber und Lyft, ein Fahrdienst, der nur in den USA und Kanada aktiv ist, haben Funktionen eingeführt, bei denen Frauen weibliche Fahrgäste und Fahrerinnen priorisieren können.
Eine Maßnahme, die ihnen mehr Sicherheit bieten soll. Doch nun sorgt die Funktion für eine rechtliche Auseinandersetzung. Ausgerechnet mit männlichen Uber- und Lyft-Fahrern, die sich dadurch diskriminiert und benachteiligt fühlen.
Fahrer werfen Uber und Lyft Diskriminierung vor
Laut eines Berichts der "Time" soll es sich um zwei Sammelklagen gegen die Unternehmen handeln. Darin argumentieren die Männer, dass sie trotz guter Bewertungen durch die Funktion von Fahrten aufgrund ihres Geschlechts ausgeschlossen würden. Sie befürchten erhebliche Umsatzeinbußen, da Frauen rund die Hälfte aller Nutzer:innen der Fahrdienste ausmachen würden.
Zudem berufen sie sich auf das kalifornische Unruh Civil Rights Act, das geschlechtsbasierte Diskriminierung durch Unternehmen verbietet. Die Anwälte der Kläger werfen Uber und Lyft vor, stereotype Annahmen zu fördern – dass die männlichen Fahrer Frauen nicht genügend Sicherheit bieten könnten und Männer gefährlicher seien als Frauen.
Studien, die genau dies aber bestätigen, dass Männer gefährlicher sind als Frauen, lassen sie dabei außer Acht. Die Argumentation der männlichen Fahrer klingt also nach "not all men" (Deutsch: "nicht jeder Mann"). Ein Satz, der häufig dann von Männern gebraucht wird, wenn sie betonen wollen, dass sie selbst natürlich nicht mitgemeint sind. Als Antwort hat sich darauf der Zusatz "but always a man" (Deutsch: "aber immer ein Mann") entwickelt.
Uber und Lyft führten Funktion nach Belästigungen auf Fahrten ein
Die neuen Features wurden entwickelt, nachdem die Unternehmen wiederholt mit Vorwürfen von Belästigung und sexuellen Übergriffen konfrontiert waren. Zwischen 2021 und 2022 wurden bei Uber laut deren Sicherheitsdaten insgesamt 2717 Fälle von sexuellen Übergriffen gemeldet. Die schwerwiegendsten Vorfälle betrafen überwiegend Frauen, während Männer nur etwa acht Prozent der schwersten Fälle ausmachten.
Bei dem Fahrdienst Lyft sieht es ähnlich aus. Obwohl diese Vorfälle statistisch selten sind, sind Frauen überproportional häufig davon betroffen.
Lyft führte daraufhin 2023 das Feature "Women+Connect" ein; Uber folgte im August desselben Jahres mit der "Women Preferences"-Option, die inzwischen in 26 Märkten aktiv ist. Beide Fahrdienste stellen diese Funktionen auch non-binären und trans* Personen zur Verfügung.
Bei den weiblichen Fahrgästen kommt die Maßnahme jedenfalls gut an. "Ich fühle mich einfach sicherer und wohler mit einer Fahrerin", sagt eine Uber-Nutzerin gegenüber der "Time". Sie habe zuvor schon einige "unangenehme Erlebnisse" mit Fahrern gehabt. Die Klage bezeichnet sie als "fehlgeleitet".
"Als Frau geht es mir um meine Sicherheit und darum, ohne Zwischenfälle oder unerwünschte sexuelle Annäherungsversuche an mein Ziel zu kommen. Mit dieser Option fühle ich mich viel sicherer und habe keine Angst mehr, spät nach Hause zu kommen, oder mir Sorgen machen zu müssen, ob ich es überhaupt nach Hause schaffe", sagt sie.
Laut der Einschätzung von John Banzhaf, Professor für Rechtswissenschaften an der George Washington University, könnten die Fahrer mit ihrem Anliegen vor Gericht aber durchaus Erfolg haben. Eine mögliche Lösung wäre, den Fahrgästen die Namen oder Fotos der Fahrer:innen anzuzeigen, sodass sie selbst entscheiden können, ohne dass die Plattform die Wahl vorgibt. Dies könnte aber andere Formen von Diskriminierung fördern, sagt er.
