Leben

"Team Wallraff" droht weiterer juristischer Ärger nach Psychatrie-Sendung

Die am Montagabend ausgestrahlte Folge von "Team Wallraff – Reporter undercover" (RTL/20.15 Uhr) sorgt weiter für Wirbel und hatte bereits im Vorfeld für viel Arbeit bei der Rechtsabteilung des TV-Senders gesorgt. "Wir haben bis kurz vor der Sendung fast 30 juristische Eingaben erhalten", erklärte RTL-Rechtsanwältin Eva Pipke auf Nachfrage des Portals meedia.

Der Sender entschloss sich die brisante Sendung trotzdem auszustrahlen und sieht jetzt möglichen Klagen entgegen. So äußerte sich die Vivantes Klinik gegenüber der Bild: "Einige Aspekte der gezeigten TV-Szenen entsprechen nicht den Ansprüchen von Vivantes an eine gute psychiatrische Versorgung. Vivantes hat daher umgehend mit der Aufarbeitung der konkreten Einzelfälle begonnen. Diese stellen sich bei genauerer Betrachtung zum Teil völlig anders dar, als in der skandalisierenden Berichterstattung von RTL suggeriert wird." Die Klinik rechnet nach eigenen Angaben rechtlichen Schritten zahlreicher Patienten und Mitarbeiter gegen den Sender.

Im Zentrum der Sendung, die auf Missstände aufmerksam machen will, steht Enthüllungsjournalist Günter Wallraff. Bei "Team Wallraff" ging es schon um viele heikle Themen: um unmenschlichen Umgang mit Senioren ihn Pflege-Kliniken, um Abzocke an Autobahn-Raststätten oder fragwürdige Security-Unternehmen.

"Wir senden jetzt erst recht"

Worum es in der Sendung vom Montag nun gehen sollte, hielt RTL fast bis zu Beginn der Sendung geheim.

In einem Video auf Facebook sagte Wallraff: "Es ist bisher noch nie in dieser Massivität versucht worden, die Sendung im Vorhinein zu verhindern. Aber wir senden jetzt erst recht." Das Thema der Sendung sei sehr brisant, sagte Wallraff. So viele Anwaltsschreiben habe man vor Ausstrahlung noch nie bekommen.

Darum ging es bei "Team Wallraff" am Montag:

Dass so viele juristische Drohungen auf das Team zukamen, hat laut RTL auch damit zu tun, dass einer der Undercover-Reporter aufgeflogen sei.

Wie der Sender erst kurz vor der Ausstrahlung bekannt gab, waren die Reporter für die Montagsausgabe in deutschen Psychatrien unterwegs, wo sie auf "menschenverachtende Zustände" gestoßen seien. In einer Einrichtung für Jugendlichen und Erwachsene in der Eifel würden Bewohner demnach in einen "Deeskalationsraum" eingesperrt werden – ohne Fenster, ohne Toilette und ohne Notknopf, heißt es seitens RTL.

"Team Wallraff" bekommt regelmäßig Klagen ab

In den vergangenen Jahren hatten betroffene Unternehmen wiederholt versucht, die Ausstrahlung durch Klagen zu verhindern, als sie Wind davon bekamen, dass Wallraff undercover bei ihnen ermittelt hatte.

Im November 2018 erst endete ein langer Rechtsstreit vor dem Oberlandesgericht in Hamburg. Es ging um eine Krankenhaus-Reportage.

RTL gewann erst kürzlich einen Rechtsstreit um eine Sendung von Günter Wallraff

Für den Beitrag "Katastrophale Missstände in deutschen Krankenhäusern" hatte das "Team Wallraff" in einer Wiesbadener Klinik des Helios-Konzerns gefilmt. Die Sendung war im Januar 2016 auf RTL zu sehen gewesen. In einer ersten Stellungnahme nach der Ausstrahlung hatte die Klinik Missstände eingeräumt und diese mit dem damals noch laufenden Integrationsprozess des Krankenhauses in den Helios-Konzern begründet.

Doch dann klagte der Klinik-Konzern – und siegte zunächst. Das Hamburger Landgericht untersagte der RTL Television GmbH und der Produktionsfirma "Infonetwork" im Juni 2016, das mit versteckter Kamera aufgenommene Filmmaterial erneut zu verbreiten.

Erst im November 2018 kassierte das Oberlandesgericht in Hamburg dieses Urteil wieder ein.

Günter Wallraff kommentierte damals:

"Das ist ein guter Tag für den aufklärenden, investigativen Journalismus und ein schlechter Tag für all die, die sich aus der Verantwortung stehlen und stattdessen mit ihren Klagen die Pressefreiheit einschränken wollen."

(hau/mit dpa)

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