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Suci lebt sei Februar 2019 in New York und stammt ursprünglich aus Indonesien. Bild: Instagram / sucimarliani07

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Augenzeugin aus New York: "Gefühlt stellt sich gerade jeder gegen jeden"

suci m.

Wut ist das Gefühl, das die aktuelle Stimmung in den USA dominiert: Wütend sind die, die nach dem Tod George Floyds gegen die andauernde Polizeigewalt in den Staaten protestieren, die vor allem People of Color trifft. Wütend ist auch Präsident Donald Trump, der nun mit dem Militär gegen die Demonstranten vorgeht.

Neben dem 46-jährigen Floyd, der am 25. Mai bei einem gewalttätigen Polizeieinsatz ums Leben kam, starben bisher mindestens fünf Menschen bei den darauffolgenden Unruhen. Viele fürchten sich nun vor einer weiteren Eskalation – so auch die 28-jährige Suci. Die gebürtige Indonesierin lebt in New York und wurde nicht nur Zeugin der jüngsten Proteste, sondern selbst auch Opfer einer rassistisch motivierten Attacke. Im Protokoll bei watson spricht sie darüber, wie sie die aktuelle Situation erlebt.

"Weiße gegen schwarze gegen asiatische Menschen, Demonstranten gegen Polizisten – gefühlt stellt sich gerade jeder gegen jeden. Es ist beängstigend."

Ein Erlebnis am vergangenen Samstag in der New Yorker U-Bahn bewies mir noch einmal eindringlich, wie angespannt die Lage hierzulande gerade ist: Ich fuhr mit meinem Mann die Rolltreppe hinunter, als mich plötzlich eine schwarze Frau von hinten schubste und beschimpfte: "Bitch, du mit deinem verdammten Corona, Scheiß-Asiatin, geh zurück in dein Land!"

Nur kurze Zeit später geriet ich zufällig in eine Gruppe Demonstranten, die Gerechtigkeit für George Floyd forderten. Ich sah Helikopter am Himmel über unseren Köpfen kreisen und bekam ein mulmiges Gefühl. Erst als ich wieder zu Hause war erreichten mich die Bilder vom Union Square Park, wo unter anderem die Proteste eskaliert sind.

Weiße gegen schwarze gegen asiatische Menschen, Demonstranten gegen Polizisten – gefühlt stellt sich gerade jeder gegen jeden. Es ist beängstigend – und das in einer Zeit, wo wir nach den jüngsten Vorfällen um George Floyd doch alle zusammenhalten sollten.

Ich verstehe die Wut der Menschen – aber ich fürchte mich auch

Ich komme ursprünglich aus Indonesien und bin im Februar 2019 nach New York gekommen, weil mein Mann zu diesem Zeitpunkt hier an der Columbia University studierte. Zwei Monate später fing ich meinen Job als Bankerin an der Wall Street an. Als ich das Video von George Floyds Tod zum ersten Mal sah, war ich natürlich betroffen. Vor allem aber war ich nervös: Was würde nun passieren?

"Auch wenn ich die Wut nachvollziehen kann, fürchte ich mich vor den teils gewaltvollen Aufständen und der Randale. Ich fühle mich unsicher."

Ich kann die Menschen, die nun Gerechtigkeit für George Floyd wollen, absolut nachvollziehen und unterstütze die Bewegung, die nun entstanden ist, sowie die afroamerikanische Community allgemein. Nicht nur ich, viele Menschen in New York sind jetzt aufgebracht. Bei einigen entlädt sich die Wut auf die jüngsten Ereignisse und die Polizeigewalt in den USA generell nun in den Protesten auf den Straßen.

Auch wenn ich die Wut nachvollziehen kann, fürchte ich mich vor den teils gewaltvollen Aufständen und der Randale. Ich fühle mich unsicher. Ich fürchte ich mich teilweise sogar, meine Wohnung zu verlassen. Dennoch muss ich zur Arbeit gehen. Wegen der Pandemie muss ich zwar nur zwei Tage pro Woche ins Büro, dennoch fühlt sich die Wall Street gerade nicht wie ein sicherer Ort an. Mein Arbeitgeber hat sich bisher auch noch nicht geäußert, wie es nun weitergehen soll, das verunsichert mich zusätzlich.

Trump setzt nun das Militär ein, anstatt die Menschen zu beruhigen

Ich glaube, Rassismus ist in den USA immer noch allgegenwärtig. Das zeigte mir die Corona-Pandemie und die Feindseligkeit gegen mich und meine asiatischen Freunde – das zeigt mir aber auch der tragische Tod von George Floyd. Trumps Reaktion auf die Tumulte empfinde ich, wie immer eigentlich, als unvorhersehbar. Ich hatte gehofft, dass er die Menschen beruhigen und für Sicherheit sorgen würde. Stattdessen setzt er jetzt Militärkräfte gegen die Demonstranten ein.

"Wir sind alle gleich – es gibt keinen Unterschied zwischen Schwarz oder Weiß, wir sollten alle gleich behandelt werden."

Ich denke, dass die Regierung die Gesetze und vor allem die Ausbildung der Polizisten ändern sollte, damit alle sich wieder sicher fühlen können. Ich hoffe, dass der Konflikt so bald wie möglich gelöst werden kann – denn die ganze Lage ist wirklich beängstigend. Ich hätte niemals gedacht, dass so etwas heutzutage in den USA noch passieren könnte.

Wir sind alle gleich – es gibt keinen Unterschied zwischen Schwarz oder Weiß, wir sollten alle gleich behandelt werden. Solange das aber nicht der Fall ist, werden sich solche Aufstände wie in den vergangenen Tagen in den USA immer wiederholen.

Protokoll: Agatha Kremplewski

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