In den Drogeriemärkten werden immer mehr Deos mit Nachhaltigkeitsversprechen angeboten. Doch wie viel umweltfreundlicher sind die Produkte tatsächlich?
In den Drogeriemärkten werden immer mehr Deos mit Nachhaltigkeitsversprechen angeboten. Doch wie viel umweltfreundlicher sind die Produkte tatsächlich? Bild: iStockphoto / Ridofranz
Im Test

Nachhaltige Deos im Test: Wie nachhaltig – und wie praktisch – sind Cremes, Sticks und Puder?

09.05.2022, 16:01

Kaum steht der Sommer mit hohen Temperaturen in den Startlöchern beginnt das große Schwitzen. Ein Glück, dass sich mit Deo etwas gegen Körpergeruch tun lässt – und viele das auch tun: In Deutschland nutzen rund 57 Millionen Menschen ab 14 Jahren täglich ein Deo, wie eine Erhebung von Statista (2021) ergab.

Deo-Produkte sind jedoch häufig mit schädlichen Aluminiumsalzen, Allergie auslösenden Duftstoffen oder Emulgatoren belastet. Diesem Problem versuchen einige Unternehmen zu begegnen, indem sie nachhaltige Produkte anbieten und versprechen, schädliche Stoffe auszuschließen.

Um euch Vor- und Nachteile dieser Produkte einmal näher zu bringen, hat watson-Autorin Luisa-Marie vier Deo-Produkte auf Geruch, Beschaffenheit und Praktikabilität getestet und im Preis-Leistungs-Verhältnis untersucht.

Extra-Kategorie: Verpackung

Mein erster Eindruck: Als ich die vier online bestellten "nachhaltigen" Deo-Produkte aus der Redaktion abhole, türmt sich ein riesiger Karton-Berg vor mir auf – damit hatte ich nicht gerechnet.

Alle getesteten Deo-Produkte wurden in unverhältnismäßig großen Verpackungen verschickt.
Alle getesteten Deo-Produkte wurden in unverhältnismäßig großen Verpackungen verschickt.privat

Um nicht jeder einzelnen Produkt-Bewertung von vorneherein einen Punkt abzuziehen, sei angemerkt, dass es noch einiges an Reduktions-Nachholbedarf gibt. Denn auch die Verpackung und Versendung der Artikel machen ein Produkt mehr oder weniger nachhaltig.

Deo als Creme

Das erste Produkt entstammt der Marke i+m, die sich auf ihrer Website "die Guten" nennen: Das Unternehmen setzt seit 1978 auf Naturkosmetik, die Müll und Tierleid vermeidet und die Umwelt schützt. Dafür wurde die Firma bereits mehrfach mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.

Die Deo-Creme "Floral Swing" der Marke i+m riecht nach Blüten und Kokos und verspricht lange zu halten.
Die Deo-Creme "Floral Swing" der Marke i+m riecht nach Blüten und Kokos und verspricht lange zu halten. i+m

Statt als Spray oder in Form eines Deorollers wird bei dem Produkt von i+m wird auf ein plastikfreies Behältnis und die "Creme-Technik" gesetzt. Das Konzentrat aus dem Glastiegel fühlt sich an wie eine festere, aber leicht streichfähige Bodylotion. Aufgetragen auf den Achseln hat man ein angenehmes Gefühl, die Haut eingecremt zu haben. Nach einem durchlebten Arbeitstag lässt sich sagen: die Wirkung des Deos hält an; unter den Armen duftet es weiterhin nach Lavendel und Kokos. Der Kommentar auf der Website: "Auch bereits entstandener Körpergeruch wird von der Floral Swing Deo Creme unverzüglich neutralisiert" kann damit bestätigt werden.

Auch hält sich ein Creme-Deo-Produkt dieser Größe tatsächlich etwa 4 Monate, wie ich selber ausprobieren konnte. Wenn man diesem Zeitraum den Preis von 10-11 Euro gegenüberstellt, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis für ein umweltfreundlicheres Produkt mehr als gegeben.

Von Natur aus wirksam sollen die Produkte von "i+m" sein, indem sie allesamt vegan sind und aus einer "Komposition von Kokos, Natron und Zink – ohne Aluminiumsalze, Alkohol oder Alaun" bestehen und über viele Stunden vor ungebetener Geruchsbildung schützten, ohne die schweißregulierende Hautfunktion zu beeinträchtigen, wie das Produktversprechen lautet. Die enthaltenen Bio-Öle stammen dabei aus angeblich fairem Anbau.

Fazit

Inhaltsstoffe und Duft des Produktes überzeugen, da von i+m der Fokus ausschließlich auf natürlichen Inhalt und den fairen Anbau von Pflanzen gelegt wird. Das Verstreichen des Produktes als Creme hinterlässt ein gutes Gefühl auf der Haut, ist jedoch leider auch Grund für einen Punktabzug, denn: Die angegebene "erbsengroße" Menge reicht nicht, um mich geruchsangenehm durch den Tag zu bringen.

Außerdem gehört es für mich zum bequemlichen Pro, wenn ich Deo mal eben schnell unter die Achseln bringen kann, ohne dabei mein Shirt ausziehen zu müssen. Beim Cremen geht das eher schlecht, da Finger als auch Achseln erstmal eingecremt sind und das Shirt oder der Pullover nur selten ohne Flecken zurückbleibt.

Ein weiterer Punkt, der nicht zu vergessen sein sollte: Haare! Wer sich diese unter den Achseln wachsen lässt, ist besser mit einem festeren Deo-Stick oder Sprüh-Produkt beraten. Bei exzellenten Inhaltstoffen und guter Idee scheitert es also bei diesem Produkt an der Praktikabilität, weshalb es einen dicken Punkt Abzug bekommt.

Watson-Bewertung: 4 von 5 Punkten
Watson-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Die Powder Deo Bar

Bei "Greendoor" kann man sich für unseren Deo-Test am "Deo Powder Bar" versuchen, also an Deo-Seife. "Greendoor" steht für nachhaltige Naturkosmetik aus der Manufaktur seit 2010, die die ehemalige Krankenschwester Sabine Puchmayr gründete, denn es war ihr "ein Bedürfnis, dass Menschen ihrer Haut nicht durch falsche Pflegeprodukte Schaden zufügen."

Die Deo Powder Bar ist ein "Deo-Stein", mit dem man die mit Wasser befeuchteten Achseln bestreicht.
Die Deo Powder Bar ist ein "Deo-Stein", mit dem man die mit Wasser befeuchteten Achseln bestreicht.privat

Die Produkte der Marke sind in zahlreichen Handelsgeschäften zu finden. Dem Unternehmen geht es vor allem darum, wasserfreie, feste und handgefertigte Naturkosmetika anzubieten. Der Grund zur "Wasserlosigkeit": wasserreiche Produkte wie Cremes oder Shampoos würden die Haut wieder austrocknen, da eine Rückfettung verhindert wird.

Dieser Artikel kommt mit einer kleinen Pappverpackung aus, durch die der Deo-Stein schon nach Seife duftet – für meinen Geschmack jedoch etwas zu stark. Nach Packungsanweisung muss man den Stein nach dem Duschen anwenden, wenn die Haut unter den Armen noch etwas feucht ist. Das klappt so weit ganz gut, auch wenn der Stein wenig Haftung hat. Nach der Anwendung sollte man das Deo auf ein kleines Taschentuch oder eine Ablage legen, die man leicht abwaschen kann, da der Stein sich sonst angenässt weiter auflöst und einen weißen Film hinterlässt.

Der weiße Film bleibt leider auch auf dem Shirt zurück, das ich danach überziehe. Dafür gibt es bereits einen Punkt Abzug. Effizienz kann dieses Deo jedoch: der Duft auf der Haut hält ganze 14 Stunden an.

Fazit

"Greendoor" gibt an, dass die Deos zuverlässig gegen Schweißgeruch helfen, hautverträglich und umweltfreundlich sind und bis zu 6 Monate halten. Gemessen am Einkaufswert von 7,70 Euro kann sich dieser Preis sehen lassen, er ist das günstigste Produkt aus unserer Deo-Testreihe. Am besten schneidet es zudem in Sachen Verpackung ab, da diese fast nicht vorhanden und noch dazu plastikfrei ist.

Trotzdem: weiße Flecken auf dem Shirt will nach der Deo-Benutzung niemand haben. Zudem benötigt man einiges an Wasser zur Reinigung, da man sich zunächst die Achseln befeuchten und dann die Hände wieder waschen muss, weil man den löslichen Stein direkt in der Hand hat. Ein Eincremen bei behaarten Achseln wird unseres Erachtens nach auch hier schwierig und ein gemütliches "mal eben Deo draufmachen" fällt bei dieser Variante ebenfalls weg. Deshalb verbleibt die watson-Bewertung bei drei von fünf Sternen.

Watson-Bewertung: 3 von 5 Punkten
Watson-Bewertung: 3 von 5 Punkten

Ein Deo-Stick zum Drehen

Nachhaltig, tierversuchsfrei und vegan: das deklariert die Firma Ben&Anna bei ihren Hygieneartikeln, unter anderem auch Deos.

Beim Öffnen der Papp-Dose kommt der eigentliche Deo-Stick zum Vorschein.
Beim Öffnen der Papp-Dose kommt der eigentliche Deo-Stick zum Vorschein.ben&anna

Ausgezeichnet wurde Ben&Anna, deren Produkte unter anderem in Drogeriemärkten wie dm oder Budni angeboten werden, mit dem "Vegan Beauty Award 2021" von der gemeinnützigen Tierschutz-Organisation PETA als beste nachhaltige Marke in 2021. "Alle Inhaltsstoffe sind natürlichen Ursprungs, entsprechend zertifiziert – und frei von Mikroplastik. Darüber hinaus sind alle Verpackungsmaterialien umweltverträglich, denn das Unternehmen verzichtet komplett auf Plastik", begründet PETA die Entscheidung.

Die "Plastik-Freiheit" fällt tatsächlich sofort auf, wenn man eines der Deo-Produkte in den Händen hält. Für unseren Deo-Test haben wir uns für das Deodorant der Sorte "Persian Lime" entschieden. Der Deo-Stick offenbart sich, wenn man die umhüllende Papprolle aufdreht. Zum Auftragen des Deos unter den Armen muss man den Stick, der nach Zitrone und Kräutern duftet, nach oben schieben. Das gestaltet sich etwas umständlich. Wenn man zudem trockene Achseln hat und das Deo dann dort auftragen möchte, bröselt viel an Stick-Masse an den Seiten herunter.

Mit dem Trick, die Achseln vorher ein bisschen mit Wasser zu befeuchten, wird der Stick geschmeidiger, die Masse löst sich und lässt sich besser unter den Armen verteilen. Danach hält das Deo aber für knappe 10 Stunden unangenehme Gerüche fern.

Fazit

Die ganzheitliche Vision der Marke, nachhaltige, plastikfreie, vegane und auch tierversuchsfreie Produkte herzustellen und zu vertreiben, beeindruckt mich. Ben&Anna zeigen, dass Kosmetik auch nachhaltig geht und das zu einem Preis von 5,49 Euro pro Deo. Wenn man davon ausgeht, dass auch dieses Deo an die vier Monate hält, stimmt der Preis für ein nachhaltig zertifiziertes Produkt allemal.

Trotzdem überzeugt der Stick in seiner Anwendung leider überhaupt nicht. Für das "Persian Lime Deo" ist bei der Beschreibung im Internet angegeben, dass es "kein Krümeln mehr" gebe, auch wird ein leichter Umgang durch "den Schiebemechanismus" versprochen. In unserem Test krümelt das Deo leider stark und lässt sich nicht ohne ein Befeuchten der Achseln auftragen. Zudem erschwert das stetige Hochschieben des Deo-Sticks den Gebrauch.

Bei diesen beiden Punkten sind herkömmliche Deos benutzerfreundlicher. Deshalb gibt es für das als nachhaltig ausgezeichnete Produkt in Sachen Praktikabilität und Beschaffenheit leider ordentlich Punktabzug.

Watson-Bewertung: 3 von 5 Punkten
Watson-Bewertung: 3 von 5 Punkten

Deodorant als Spray aus der Flasche

Junges Haut-Glück verspricht die Marke "Jungglück" mit Naturkosmetika, die nur aus natürlichen Inhaltsstoffen bestehen, in Glas statt in Plastikflaschen abgefüllt werden, vegan sind und ohne Zusatzstoffe auskommen. Zudem gibt das Unternehmen an, mit dem Verkauf jedes Produktes einen Baum zu pflanzen.

Das Deo ist dieses Mal in Glasflaschen-Form anstelle eines Sprays in einer Aluminium Flasche.
Das Deo ist dieses Mal in Glasflaschen-Form anstelle eines Sprays in einer Aluminium Flasche.jungglück

Bislang sind die Fläschchen von "Jungglück", die verschiedene Seren, Cremes und eben auch Deos beinhalten, nur im Online-Shop erhältlich. Die Marke gibt auf der eigenen Website jedoch an, dass der Versand nach Österreich, in die Schweiz und nach Deutschland klimaneutral verläuft.

Beim Partner für das Pflanzen der Bäume pro verkauftes Kosmetik-Produkt setzt "Jungglück" auf die "Eden Reforestation Projects". Wie wir hier bei watson bereits einige Male aufgegriffen hatten, ist jedoch nicht jedes Baumpflanzprojekt sinnvoll: Bei "Eden" handelt es sich um ein nicht-zertifiziertes Projekt. Deshalb kann man die Kooperation mit dem Projekt zunächst nicht wirklich als Pluspunkt werten.

Das Deo-Produkt selbst ist das ästhetisch ansprechendste unter unseren bestellten Deodorants im Test. Die Sprüh-Funktion kennt man vom konventionellen Deo, dadurch ist es auch einfach, sich das Deo mal eben unter den Armen aufzutragen, auch wenn man das Shirt noch an hat. Die Essenz duftet auf der Haut satt nach Sandelholz und Kiefern. Das ist nach über 12 Stunden auch immer noch so.

Fazit

Da die Sprühflüssigkeit leicht ölig ist, sollte man beim Auftragen ein wenig aufpassen, damit sich auch hier keine Flecken auf der Kleidung bilden. Ansonsten überzeugt dieses Deo in unserem Test am meisten – durch den angenehmen Duft, seine Langlebigkeit und die praktische Handhabung. Der Preis von gut 13 Euro bewegt sich dabei in der höheren Preisklasse. Ausgegangen davon, dass das Deo 3-4 Monate halten soll, normalisiert sich die Ausgabe jedoch wieder.

Wenn es die Flaschen jetzt noch in den freien Handel schaffen und damit die Transportwege pro Produkt sinken würden, stünde einer 5-Sterne-Bewertung nichts mehr im Wege. Bis dahin verbleibe ich mit einem schmalen Punkt weniger.

Watson-Bewertung: 4 von 5 Punkten
Watson-Bewertung: 4 von 5 Punkten

Lohnt es sich, seine Gewohnheiten für eine nachhaltige Deo-Variante umzuwandeln?

Last but not least lautet die abschließende Frage: Sollte man seine Deo-Routine am Morgen überdenken und sich lieber auf eine nachhaltige Alternative setzen? Im Hinblick auf Gesundheit und Umwelt: Ganz klar Ja! An dieser Stelle solltet ihr das alte Produkt trotzdem zuhause noch aufbrauchen, damit nichts ungenutzt weggeschmissen wird.

Die Beispiele im Test zeigen jedoch, dass sich in der Kosmetikbranche gerade so einiges tut, um realistische Alternativen zu konventionellen, plastikreichen und mitunter Tierversuch-lastigen Deo-Artikel aus dem Drogeriemarkt zu bieten. Wer seinen nachhaltigen Deo-Lieblings-Artikel gefunden hat, hat in jedem Fall lange etwas davon und spart damit nicht nur Umweltressourcen, sondern auch Geld. Sieger für uns ist an dieser Stelle klar das "Jungglück"-Deo, da es als einziger Artikel des Test durch den Sprüheffekt in der Praktikabilität keine Punkte einbüßt.

Aber auch für die anderen nachhaltigen Deos besteht noch Hoffnung: Anhand vom Feedback ihrer Kunden überarbeiten bereits einige Unternehmen ihre Rezepturen stetig. Bald könnte es also auch im Drogeriemarkt ein gut sortiertes Deo-Regal geben.

0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Große Mehrheit für raschen Ausbau von Windparks in der Nordsee

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger halten einer Umfrage zufolge Pläne für richtig, deutlich mehr Energie mit Windparks in der Nordsee zu erzeugen. 69 Prozent der Befragten befürworten das Vorhaben von Deutschland, Dänemark, Belgien und den Niederlanden, ihre Offshore-Leistung bis zum Jahr 2030 zu vervierfachen und bis 2050 zu verzehnfachen. Das geht aus einer YouGov-Umfrage hervorgeht, die am Freitag veröffentlicht wurde.

Zur Story