Nachhaltigkeit
ARCHIV - 25.09.2020, Berlin: Klimasch

Die deutsche Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer bei einer Demonstration zum internationalen Klimaprotesttag im September 2020 in Berlin. Bild: dpa / Kay Nietfeld

"Komplette Negierung der Klimakrise": Neubauer kritisiert Merz nach CDU-Diskussion scharf

Die bekannteste deutsche Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer ist unzufrieden mit den klimapolitischen Vorschlägen der drei Kandidaten auf den CDU-Vorsitz. Neubauer zog am Freitagabend in einer gut zweistündigen Folge des Youtube-Fomats "Klimafrage" ein ernüchtertes Fazit zu den Vorschlägen von Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen. Die drei hatten zuvor anderthalb Stunden lang in einer von der CDU organisierten Diskussionsrunde eine halbe Stunde lang über Klimaschutz diskutiert.

In der "Klimafrage"-Folge, in der die Sprecherin von Fridays for Future Deutschland mit dem Moderator Tilo Jung und dem Energie-Professor Volker Quaschning sprach, sagte Neubauer zu den drei Kandidaten auf die Nachfolge von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer – und wahrscheinlich auch auf die von Bundeskanzlerin Angela Merkel:

"Es ist in der Klimafrage mehr als suboptimal, dass das jetzt die drei Kandidaten sind, die meinen, die aussichtsreichen Kandidaten zu sein für die Kanzlerschaft."

Scharfe Kritik an Friedrich Merz

Besonders schlecht kam in der Diskussion Friedrich Merz weg. Neubauer sagte, Merz habe in der Diskussion "hochproblematische Aussagen" getätigt. Die Aktivistin störte sich unter anderem daran, dass Merz gesagt hatte, für den Klimaschutz dürfe es, anders als zur Bewältigung der Corona-Pandemie, keine tiefen Grundrechtseingriffe geben. Laut Neubauer ist das "hochproblematisch", es sage "sehr viel darüber aus, was er eigentlich vorhat".

Merz, so Neubauers Vorwurf, gehe es um eine "strategische Diskreditierung der ganzen Problematik", um eine "komplette Negierung der Klimakrise". Merz stelle die Forderungen von Fridays for Future so da, "als ob wir Klimaschutz machen, weil wir sonst keine Hobbys haben". Energieforscher Quaschning ergänzte, Merz sei jemand, der "wie viele in der Partei das Problem der Klimakrise noch nicht verstanden hat."

Norbert Röttgen war der Kandidat, der in der Diskussionsrunde – in der sich in Wahrheit alle einig waren – noch am besten davonkam. Röttgen sei "in der Konstellation dann schon ein Mann der Zukunft", sagte Moderator Jung, ergänzte aber: "Ich würde davor zurückschrecken, Röttgen als den Heilsbringer darzustellen. Luisa Neubauer verwies aber immerhin darauf, dass Röttgen zumindest die Chancen sehe, die in einer strengeren Klimaschutzpolitik steckten.

Heuchelei-Vorwurf an Laschet

Ein weniger mildes Urteil fällten die drei dann über Armin Laschet, derzeit noch Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen. Mit Blick auf die Abholzung des Hambacher Forsts und den Braunkohle-Abbau in seinem Bundesland sagte Neubauer, Laschet sei "ein Mann, der in der Exekutive machen will, aber sich selbst im Weg steht". Neubauer warf Laschet Heuchelei vor. Der NRW-Landeschef mache zwar in Berlin den Eindruck, als würde er vor Ort in seinem Bundesland gut ankommen. Doch Neubauer sagte über ihn:

"Ich kenn' keinen Politiker, der vor Ort, wo er wirkt, auf so viel Aggressionen stößt wie Armin Laschet."

Gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland
zog die Klima-Aktivistin Luisa Neubauer insgesamt ein negatives Fazit über die drei Kandidaten.
Sie sagte, Fridays for Future habe bei den CDU-Vorsitzkandidaten anscheinend überhaupt keine Spuren hinterlassen. Neubauer wörtlich: "Zwei Jahre nach Beginn der Klimastreiks verhandeln die CDU-Kandidaten die Klimakrise wie ein Thema, bei dem man aus strategischen Gründen mitsprechen möchte, aber keinerlei Anspruch hat, wirkmächtige Konzepte vorzuweisen."

Daraus spreche ein "beängstigend großes Unverständnis über den Charakter der ökologischen Krisen." Dabei brauche es konservative Klimaschutzansätze dringend, sagte Neubauer.

(se)

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