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Ja, er lebt noch! Willkommen bei "Resident Evil 2". Bild: zvg

Warum du einmal im Leben "Resident Evil 2" gespielt haben musst

Simon Dick / watson.ch

Wir schreiben das Jahr 1998. Ich sitze in meinem abgedunkelten Jugendzimmer vor dem flimmernden Röhrenfernseher. Die Disc in der grauen Playstation rotiert. Als frischgebackener Polizist Leon S. Kennedy weiche ich den ersten Zombies in Raccoon City aus und versuche dabei Munition zu sparen, so wie es mir der erste Teil zwei Jahre zuvor brav beigebracht hat.

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Der Startbildschirm: Es geht gleich los... Bild: zvg

In der Stadt herrscht das Chaos. Ein für damalige Verhältnisse schlicht unglaubliches Intro demonstriert mir nicht nur die tödliche Gefahr in der Zombie-Metropole, sondern auch die Muskeln der ersten Playstation.

Das Wahnsinns-Intro aus dem Jahr 1998

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Video: YouTube/MerolaC

Verletzt, aber immer noch lebendig, erreiche ich mittels Flucht durch verseuchte Hinterhöfe und durch einen engen Bus mit Zombies die Polizeistation. Ich stoße die Türe auf und muss zuerst innehalten…

Die berühmten Klänge der Eingangshalle

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Video: YouTube/SilentWeaponsIII

Horror für die Ohren

Glocken erklingen, sanfte Klavierklänge dringen in mein Ohr, eine unheilvolle Atmosphäre steigt empor. Gänsehaut pur. Ich stehe einfach nur still. Minutenlang. Ich lausche dieser unglaublich dichten Musik und bewege mich nur sehr langsam in dieser riesigen Empfangshalle. Noch heute habe ich diese Klänge im Ohr.

Für den famosen Klangteppich von "Resident Evil 2" waren übrigens gleich drei Japaner verantwortlich: Masami Ueda, Shusaku Uchiyama und Shun Nishigaki kreierten gemeinsam viele Gänsehaut-Momente.

Der legendäre Soundtrack zu "Resident Evil 2"

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Video: YouTube/RockstarOST

Mit Zunge und Klauen

So irre ich denn durch das Polizeigebäude, versuche die anderen Mitglieder der Truppe zu retten und einen Ausweg aus der Horror-Hölle zu finden. Denn schlurfende Zombies sind das kleinste Problem. Da sind ja auch noch diese Licker mit einem Artdesign für die Ewigkeit. Eklige Monster mit langen Zungen und Klauen, die vor dem Fenster vorbeihuschen und dann plötzlich erscheinen. Die Hunde aus dem ersten Teil lassen grüßen. Dieser erste Schockmoment kommt zwar nicht ganz unerwartet, wird aber mit einer ekligen Zwischensequenz perfekt inszeniert. Die Überlegenheit des Gegners ist klar. Man fühlt sich klein. Flucht scheint die einzige Option zu sein. Außer man will jetzt schon seine Munition verpulvern.

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Ein Licker, der uns die Hölle heiß gemacht hat Bild: zvg

Ein kleines Familiendrama

Abseits der klassischen Zombie-Horror-Geschichte mit knackigen Schiebe-Rätseln und simpler Item-Suche wird aber noch mehr erzählt: Hinter dem wirklich ekligen Antagonisten William Birkin, der Typ, der den G-Virus entwickelt hat und ordentlich mutiert, steckt ein kleines Familiendrama. Denn dessen Tochter hat sich mit dem Virus infiziert, bleibt resistent und irrt herum. Das Opfer wird zum Heilsbringer. Und da sind ja noch die mysteriöse Agentin Ada Wong, korrupte Polizisten und eine große Verschwörung des Konzerns Umbrella. Alles mündet schließlich in einer unterirdischen Forschungsstation, wo das Ekelpaket William in seiner letzten Transformation auf seine Erlösung wartet.

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William Birkin, der immer mehr mutiert und uns durch die Gänge gejagt hat Bild: zvg

Wo ist der Bruder?

Die Motivation des Helden oder der Heldin, je nachdem für welche Figur man sich zu Beginn entscheidet, ist simpel: Leon will einfach nur überleben, aus der Hölle entkommen und so viele Überlebende wie möglich mitnehmen. Claire hingegen hat da schon mehr zu bieten. Diese sucht ihren verschollenen Bruder aus dem ersten Teil. Wo ist Chris Redfield? Eine klare Antwort darauf gibt es (noch) nicht, aber der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Und wie sich die beiden Storystränge immer wieder hübsch überschneiden, war damals der totale Wahnsinn.

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Claire und Leon laufen sich immer wieder über den Weg Bild: zvg

"Die Zwischensequenzen waren atemberaubend, das Leveldesign klug, die Motivation hoch und die beklemmende Atmosphäre wegweisend."

Eine beklemmende Atmosphäre

"Resident Evil 2" hat damals das noch junge Genre Survival-Horror bereits perfektioniert. Im Vergleich zum Vorgänger wurde überall nochmals eine Zombie-Schippe draufgelegt. Die Geschichte hatte mit ihren verschiedenen (Neben-)Figuren eine unglaubliche Dichte. Für damalige Verhältnisse natürlich. Die Zwischensequenzen waren atemberaubend, das Leveldesign klug, die Motivation des Spielers hoch und die beklemmende Atmosphäre, wo man unter Dauerstress stehen konnte, wegweisend. Auch wenn viele Rätsel aus heutiger Sicht einfach nur dumm und unlogisch sind (warum hat eine Polizeistation so viele versteckte Gegenstände in den Gemäuern und überall Geheimgänge?), sie sorgten für die perfekte Abwechslung, um sich vom Monsterstress ein bisschen zu erholen.

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Enge Räume und stöhnende Zombies waren keine Seltenheit. Bild: zvg

Keine voyeuristische Freiheit

Klar, die Steuerung ist aus heutiger Sicht ein Murks, aber spielt man es in der Gegenwart nochmals, ist es erstaunlich, wie schnell man sie wieder intus hat. Auch die starre Kamera gefällt immer noch. Dadurch wird dem Spieler zwar die voyeuristische Freiheit genommen, sorgt aber auch gleichzeitig für eine Beklemmung. Was erwartet mich hinter der nächsten Ecke? Nur wer mutig genug vorwärts schreitet, wird es erfahren und vielleicht auch sofort in den Marmorboden beissen.

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Manchmal war es einfach nur klug, wenn man davonlief. Bild: zvg

"Leon schleifte sich bei niedriger Energie regelrecht durch die Gänge und wurde langsamer."

Mr. Bean war auch da

Das Horrorspiel punktete auch mit vielen liebevollen Details: Zum ersten Mal sah man die Verletzungen des Helden, der Heldin. Leon schleifte sich beispielsweise bei niedriger Energie regelrecht durch die Gänge und wurde langsamer. Der Hauptbösewicht veränderte sich auch Schritt für Schritt, wurde noch ekliger, die Musik unterstützte die beklemmenden Momente perfekt und die Innenräume verzückten mit vielen Details und versteckten Anspielungen. Natürlich gab es auch viele Schockmomente. Doch diese traten eher in niedriger Dosis auf, waren meist nicht vorhersehbar und gingen daher noch mehr unter die Haut. Und auch ein paar nette Easter Eggs konnten entdeckt werden. Ist euch das Auto von Mister Bean zu Beginn des Spiels in einem Hinterhof auch aufgefallen?

"Es ist nicht erstaunlich, dass Capcom ein Remake auf den Markt bringt."

Leon hat bald die Haare schön

Auch wenn der Horror-Titel bereits 20 Jahre auf dem Buckel hat, die Fangemeinde ist immer noch riesig. Da ist es nicht erstaunlich, dass Capcom ein Remake auf den Markt bringt. Am 25. Januar 2019 ist es endlich soweit. Dann darf man mit einem aufpolierten Leon wieder auf Zombie-Jagd gehen. Mit überarbeitetem Gameplay und schicker Optik sollen nicht nur die Veteranen, sondern auch Neulinge beglückt werden. Die Fachpresse ist jetzt schon ganz aus dem Häuschen (so wie ich). Denn an der letzten E3 in Los Angeles gewann dieser Titel prompt einen Award und wurde als bestes Spiel an der Game-Messe ausgezeichnet. Wenn das nicht ein gutes Omen ist.

Der Horror bleibt zeitlos

Fazit: Über den Horror-Klassiker "Resident Evil 2" könnte man eine ganze Masterarbeit schreiben. Es gibt unzählige Gründe, warum dieses Videospiel bei vielen einen besonders wichtigen Stellenwert besitzt. Atmosphäre, spannende Geschichte, knackiges Gameplay und diese gruselige Musik haben sich bei uns ins Langzeitgedächtnis gebrannt. Und da das Spiel damals in Deutschland indiziert wurde, war es umso verlockender in diesen Zombie-Horror abzutauchen. Das Spiel kann man auch heute noch genießen. Trotz der mittlerweile grobkörnigen Optik und etwas zäher Steuerung macht das immer noch sehr viel Spaß und weckt ganz viele Erinnerungen. Oder, um es mit den Worten von Leon S. Kennedy abzuschließen: "Hey, it's up to us to take out Umbrella!"   

"Resident Evil 2" ist erhältlich für Playstation 1, Nintendo 64, Dreamcast, GameCube und PC. Freigegeben ab 16 Jahren.

Welche Erinnerungen habt ihr an diesen Horror-Klassiker? Schreibt sie uns in den Kommentaren

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