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Bibras Natkho (ISR), SEPTEMBER 5, 2017 - Football / Soccer : FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball Russia 2018 European Qualifier Group G match between Italy 1-0 Israel at Mapei Stadium in Reggio Emilia, Italy. Noxthirdxpartyxsales PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY (ptmb113226)

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Analyse

Olympiacos Piräus holt Israeli ins Team – jetzt hat sein iranischer Mitspieler ein Problem

Dominik Sliskovic
Dominik Sliskovic

Bibras Natcho wechselt ablösefrei von ZSKA Moskau zu Olympiacos Piräus. Eigentlich eine Meldung, die über die griechische Küstenstadt hinaus kaum der Erwähnung wert ist. Auch, dass es sich bei Natcho um den Kapitän der israelischen Nationalmannschaft handelt, ist zunächst einmal nicht mehr als eine nette Randnotiz. Brisant wird sie erst durch einen seiner (potenziellen) künftigen Teamkameraden: Ehsan Hajsafi ist Iraner.

Das Mullah-Regime in Hajsafis Heimatlands verbietet Iranern, mit Israelis Sport zu treiben. Noch nie spielten beide Nationalitäten gemeinsam für eine Mannschaft. Griechenlands Rekordmeister scheint sich des politischen Sprengstoffs nicht bewusst gewesen zu sein. Die Verantwortlichen haben in Natcho wohl nur das sportliche Schnäppchen mit Champions-League-Erfahrung gesehen.

Empörung und Protest aus Teheran wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Die iranische Führung sieht Israel als Erzfeind an, spricht dem Staat seine Daseinsberechtigung ab. Der in Deutschland geborene iranische Nationalspieler Ashkan Dejagah boykottierte als DFB-U-21-Kicker einen Einsatz gegen Israel und wurde in der Heimat seiner Eltern für seine vermeintlich patriotische Geste gefeiert. ("Rheinische Post")

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Dejagah wurde 2009 mit Deutschland U-21-Europameister Bild: imago sportfotodienst

Anti-Zionismus ist nicht nur ein iranisches Problem: Ein saudi-arabischer Judoka reiste von den Olympischen Spielen 2016 ab, weil er in der nächsten Runde gegen einen Israeli hätte antreten müssen. Der ägyptische Fußballstar Mo Salah verzichtete in einer Champions-League-Partei auf das obligatorische Abklatschen mit den sportlichen Gegnern aus Tel Aviv. "Eine ehrenhafte Haltung", nannte das 2013 die ägyptische Regierung. ("Sportschau")

Woher stammt der Israel-Hass?

Woher die Abscheu des iranischen Regimes gegenüber dem Staat Israel herrührt, lässt sich genau benennen.

1979 kam es im Iran zur Islamischen Revolution. Mit Generalstreiks und Demonstrationen vertrieb ein über Jahre gewachsenes Protestbündnis aus geistlichen und säkularen Kräften Schah Mohammad Reza Pahlavi ins ägyptische Exil. Der westlich orientierte Kurs des Monarchen war seit geraumer Zeit auf wenig Gegenliebe gestoßen. 

Pahlavi setzte seit seiner Amtseinführung 1941 auf multilaterale Zusammenarbeit. Er förderte Frauenrechte und die Modernisierung des Irans von einer Landwirtschaft- zur Industriegesellschaft. Besonders eine geplante Landreform, die Großgrundbesitz an Kleinbauern aufgeteilt hätte, die Abschaffung des weiblichen Heiratsalters von 9 Jahren und die Einführung des Frauenwahlrechts waren der revolutionären "Nationalen Front" ein Dorn im Auge. ("NOZ")

November 16, 1977 - Washington, DC, United States of America - Shah of Iran Mohammed Reza Pahlavi and his daughter Princess Farah prepare to depart from Andrews Air Force Base after a visit to the United States November 16, 1977 outside Washington, DC. Washington United States of America PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAp138

1977: Schah Mohammad Reza Pahlavi bei einem Staatsbesuch in den USA Bild: imago stock&people

Das Verrückte an der "Nationalen Front": Sie bestand nicht nur aus konservativen, revisionistischen Splitterparteien, sondern aus liberalen, sozialistischen, sozialdemokratischen Oppositionellen. Trotz aller ideologischen Unterschiede fanden sie im Abscheu gegenüber dem Schah-Regime zusammen. 

"Nutznießer" des Aufruhrs war Ruhollah Chomeini. Der schiitische Gelehrte lebte seit Mitte der 1960er-Jahre und agitierte unter anderem aus Frankreich gegen Schah Pahlavi. Chomeini propagierte den "Islamischen Staat", in dem Geistliche die politische Führung übernehmen. Die Pfeiler dieser neuen Staatsform sollten sein: die Anwendung der Scharia und der Dschihad gegen Nicht-Muslime.

Ajatollah Chomeini kehrt aus dem Exil zurück

Im Januar 1978 erschien in der iranischen Zeitung "Ettela'at" ein Schmäh-Artikel gegen den Exilanten. Chomeini, der 1963 – um ihn vor der Todesstrafe als Regimekritiker zu bewahren –  den wichtigsten schiitischen Religionstitel Ajatollah verliehen bekam, meldete sich daraufhin persönlich zu Wort:

"Der Schah ist ein Verräter und Rebell."

Die revolutionären Kräfte verbrüderten sich mit Chomeini und machten durch die Vertreibung des Schahs den Weg für seine Rückkehr in den Iran frei. ("bpb")

Feb. 01, 1979 - Iranian Ayatollah Khomeini Leaving France after 16 Years Exile PUBLICATIONxINxGERxONLY - ZUMAk09

Feb 01 1979 Iranian Ayatollah Khomeini leaving France After 16 Years Exile PUBLICATIONxINxGERxONLY ZUMAk09

Das letzte Foto Ajatollah Chomeinis aus dem französischen Exil Bild: imago stock&people

Im Februar 1979, keine zwei Wochen nach der Flucht Pahlavis, kehrte Chomeini nach mehr als 15 Jahren im Exil triumphierend nach Teheran zurück. Er organisierte eine Revolutionsregierung und ließ Ende März seine Mitbürger in einer Volksabstimmung über die Zukunft des Iran entscheiden. Die einzige Option auf den Wahlzetteln: die Errichtung einer Islamischen Republik.

Nach der Verabschiedung einer neuen Verfassung wurde am 1. April die Islamische Republik Iran ausgerufen – und Chomeini konnte als Führer der Theokratie seine Ideologie wahr werden lassen.

Iraner dürfen bis heute nicht nach Israel reisen

Er erklärte nicht nur die USA, die unter Präsident Jimmy Carter den Erhalt des Schah-Regimes anstrebten, sondern auch Israel zu den Erzfeinden des iranischen Volkes. Der Grund hierfür: Chomeini, der den Iran zu einer Art islamischen Hegemonialmacht in Vorderasien führen wollte, erkannte das israelische Territorium nicht an. Für ihn besaß Israel als Staat keine Daseinsberechtigung, da er auf besetztem palästinensischem Grund und Boden existiere – und damit Muslime vertreibe und unterdrücke.

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Khomeini and Arafat Political Iran and Palestine

Ajatollah Chomeini im Zwiegespräch mit Palästinenser-Führer Arafat Bild: imago stock&people

Bis heute trägt jeder iranische Reisepass einen Vermerk in sich: ""The holder of this passport is not entitled to travel to occupied Palestine." ("Zeit")

Diese völkerrechtliche Leugnung Israels zieht sich durch alle Bereiche des Lebens – und erreicht eben auch den Sport, wie nun der Fall Olympiacos Piräus zeigt.

Es ist weiterhin fraglich, wie die Griechen die selbsteingebrockte Suppe auslöffeln werden. Möglich, dass ihnen ausgerechnet ihr iranischer Linksverteidiger Hajsafi zur Hilfe kommt: Der 28-Jährige, der von 2015 bis 2016 für den FSV Frankfurt auflief, pfiff bereits einmal auf das Dogma der iranischen Führung: 2017 lief er mit Panionios Athen in der Europa League gegen Maccabi Tel Aviv auf. ("Sportschau")

MOSCOW REGION, RUSSIA - JUNE 6, 2018: Ehsan Hajsafi of the Iran national football team during a training session at Lokomotiv Bakovka Training Centre ahead of the 2018 FIFA World Cup WM Weltmeisterschaft Fussball in Russia. Sergei Bobylev/TASS PUBLICATIONxINxGERxAUTxONLY TS082DCD

Unter Druck: Ehsan Hajsafi Bild: imago sportfotodienst

Die Regierung in Teheran tobte, wollte Hajsafi nie wieder für die Nationalmannschaft kicken lassen – doch daraus wurde nichts. Bei der WM 2018 führte Hajsafi das "Team Melli" in zwei Partien gar als Kapitän aufs Feld. 

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