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Das NBA-Märchen des Andre Ingram – die perfekte Hollywood-Inszenierung

Das Ende einer NBA-Saison ist eine sehr merkwürdige Phase. Schlechte Mannschaften verlieren absichtlich. Klubs, die sich in der Tabelle nicht mehr bewegen können, wollen ihre Stars nach gut 80 Spielen schonen. Und Franchises, die es noch in die Playoffs schaffen können, kämpfen bis aufs Blut. 

Die Los Angeles Lakers haben ihre semi-erfolgreiche Saison seit einigen Wochen entspannt auslaufen lassen. Doch für die letzten zwei Spiele der Regular Season schaffte das Team es sogar in die Sportteile deutscher Lokalzeitungen. 

Das liegt an einem Mann: Andre Ingram.

Ingram hat zehn Jahre in der Entwicklungs-Liga, der G-League, gespielt, immer mit der Hoffnung, dass ihn ein Team aus der NBA zu den Profis holt. Genau das passierte diese Woche. Mit 32 Jahren hat er nun sein erstes Spiel für die Lakers gemacht, und was für eins: 19 Punkte, vier Dreier und drei Steals gegen die Houston Rockets. Mehr Sport-Märchen geht nicht. Besonders schön für die Narrative der Geschichte: Ingram sieht mit seinen grauen Haaren sogar noch älter aus als 32.

Und alle wollen an der Feel-Good-Story des Jahres teilhaben. NBA-Stars wie Chris Paul beglückwünschen den sehr sympathischen Rookie auf Twitter und Instagram

Und auch bei der extrem populären NBA-Show "Inside the NBA" war er nach Abpfiff seines Traumdebüts zu Gast – und gab ein Interview, als ob er schon ewig bei den Profis dabei ist.

Ingram scheint ein sehr sympathischer Typ zu sein, den man es nur gönnen kann. Mit Blick auf seinen Statistik-Bogen (im zweiten Spiel gegen die Los Angeles Clippers erzielte er übrigens 5 Punkte, 6 Assists und 3 Steals) und den Umfang seines Bizeps, ist klar: Ingram ist bereit für die NBA.

Er gilt unter seinen Coaches als extrem beliebt und nach zehn Jahren in der Knochenmühle G-League es zu den Profis zu schaffen zeugt von purer Willenskraft. Einige NBA-Teams werden sich überlegen so einen vorbildlichen Charakter für ihren Locker-Room verpflichten zu wollen. 

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Lakers sich dieses PR-Goldstück nicht aus den Händen geben lassen wollen. Dafür wird Magic Johnson schon sorgen. 

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Earvin "Magic" Johnson Bild: imago sportfotodienst

"Magic" ist eine der größten Legenden der Lakers und rettete in den Achtzigern die NBA mit seinem ansteckenden Grinsen und seiner freundschaftlichen Rivalität mit Larry Bird von den Boston Celtics. Der 58-Jährige ist ein PR-Genie und seit 2017 "President of Basketball Operations" der Lakers. Er musste das glamouröse Franchise nach dem Rücktritt von Kobe Bryant wieder in die Spur bringen. Magic weiß, dass man in Los Angeles Geschichten sehen will und so machte er sich auf die Suche.

Er schreckte nicht davor zurück, vor dieser Saison Lonzo Ball an Platz 2 zu draften. Lonzo ist Sohn des ewig-keifenden Basketball-Papas LaVar Ball und kritisiert die Lakers fast jede Woche medienwirksam. Doch so bleiben die Lakers der "Talk of the Town". Immer wieder hat Magic auch geschickt das Thema "LeBron James" fallen lassen. Obwohl er sich nicht dazu äußern darf, wen er verpflichten möchte, ließ er immer wieder im Rahmen der Regeln durchblicken, dass er den besten Spieler der Welt gerne in Purple-Gold sehen würde.

Die Cinderella-Story von Ingram passt also perfekt in Magics Medien-Konzept. Und der sorgte dafür, dass sie medial ausgeschlachtet wird. Als Ingram erfuhr, dass die Lakers ihm eine Chance geben würden, war die Kamera natürlich dabei, ebenso wie Magic, der sich eine gute Kelle Dankbarkeit abholte.

Das ist alles schön und professionell ausgeschlachtet. Allerdings hat diese Verpflichtung Ingrams zwei Spiele vor dem Ende der Saison eigentlich keinen sportlichen Wert. Auch wird im Zusammenhang grundsätzlich nicht über die G-League (früher D-League) gesprochen. Dort werden Spieler gerne mal geparkt, wenn NBA-Trainer keine Verwendung mehr für sie haben und sie abstrafen wollen.

Was Nowitzki, Schröder und Co in der NBA so machen:

In kleinen Hallen für ein extrem niedriges Gehalt spielen dann die Fort Wayne Mad Ants (Farmteam der Indiana Pacers) gegen die Rio Grande Valley Vipers (Houston Rockets) eine unansehnliche Form des Ego-Balls. Nur, wer Würfe nimmt und trifft, macht die NBA-Teams auf sich aufmerksam. Die Folge ist: Extremer Leistungsdruck gepaart mit Unkollegialität und extremer Ausbeutung. 

Aber die Geschichte zu erzählen wäre wahrscheinlich nur Spielverderbertum und kommt auf Twitter nicht so gut. Das sollte Andre Ingram aber alles egal sein. Der Typ ist tatsächlich eine Inspiration.

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