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Ein Fan von Borussia Dortmund haelt ein Schild mit dem Portrait von Praesident und Aufsichtsratvorsitzender Uli Hoeness (Muenchen) hoch mit dem Schriftzug Vorsicht: Explosionsgefahr! beim Spiel Borussia Dortmund vs. FC Bayern Muenchen, Fussball, 1. Bundesliga, 10.11.2018 DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND/OR QUASI-VIDEO Borussia Dortmund vs. FC Bayern Muenchen, Fussball, 1. Bundesliga, 10.11.2018 Dortmund *** A fan of Borussia Dortmund holds up a sign with the portrait of President and Chairman of the Supervisory Board Uli Hoeness Munich with the stroke Caution Risk of explosion during the game Borussia Dortmund vs. FC Bayern Muenchen Soccer 1 Bundesliga 10 11 2018 DFL REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS AS IMAGE SEQUENCES AND OR QUASI VIDEO Borussia Dortmund vs. FC Bayern Muenchen Soccer 1 Bundesliga 10 11 2018 Dortmund Copyright: xEIBNER/MarioxHommesx EP_EER

Bild: imago sportfotodienst

6 Gründe, weshalb der deutsche Fußball in einer tiefen Krise steckt

Nach Dortmund sind auch Schalke und Bayern in der Champions League gescheitert. Ein weiterer Rückschlag für den deutschen Fußball, der mittlerweile ganz unten angekommen ist. Doch es gibt etwas Licht am Ende des Tunnels.

Sandro Zappella / watson.ch

Der deutsche Fußball erlebt die dunkelsten Stunden der Neuzeit. Nach dem peinlichen Vorrunden-Aus bei der WM im letzten Sommer und dem Abstieg in der Nations League ist nun auch der Vereinsfußball am Tiefpunkt angelangt. Sämtliche deutschen Vertreter sind in der Champions League bereits im Achtelfinale gescheitert – das gab es zuletzt 2005/2006. Eintracht Frankfurt ist der letzte deutsche Vertreter in der Europa League – sie dürfen nach dem 0:0 im Heimspiel heute in Mailand gegen Inter nicht verlieren, sonst ist Deutschland Mitte März bereits nicht mehr europäisch vertreten.

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Nur die Frankfurter Eintracht sorgt in der Jubiläums-Saison für positive deutsche Schlagzeilen. Bild: www.imago-images.de

Noch 2013 gewann der FC Bayern im deutschen Finale gegen den BVB die Champions League, ein Jahr später wurde die DFB-Elf Weltmeister.

Eine Suche nach den Ursachen für den tiefen Absturz der so stolzen Fußball-Nation Deutschland.

Die Strebermentalität in der Jugendförderung

Durch die guten Ergebnisse bei den großen Turnieren seit 2006 kam in Deutschland nie die Debatte auf, ob die Jugendarbeit revolutioniert werden muss – so wie damals nach dem grandiosen Scheitern 2000. Das hat dazu geführt, dass es bei den Clubs und in der Nationalmannschaft kaum noch richtige "Typen" gibt. Keine Charakterspieler oder "Straßenfußballer" mehr. In Deutschland gibt es bloß noch Nachwuchsleistungszentrum-Spieler, die perfekt ausgebildet sind, aber kaum eigene Aspekte mit einbringen. In der Ausbildung wird den Spielern etwa das Dribbeln abgewöhnt.

"Talente haben wir viele in Deutschland. Aber aus diesen Talenten Ausnahmespieler zu machen, die in der Weltspitze bestehen können, das ist die große Herausforderung."

Oliver Bierhoff, Direktor Nationalmannschaften und Akademie

29.08.2018, Deutschland, Muenchen - Fussball - DFB Pressekonferenz. Im Bild Manager der Nationalmannschaft Oliver Bierhoff. DFB Pressekonferenz Muenchen *** 29 08 2018 Germany Muenchen Football DFB Press Conference In the picture Manager of the national team Oliver Bierhoff DFB Press Conference Muenchen Copyright: xEIBNER/ThomasxBachunx EP_TBN

Oliver Bierhoff hat die Probleme erkannt. Bild: imago/Eibner

Das führt dazu, dass ganz viele Passmaschinen wie Julian Weigl oder Toni Kroos, zur Verfügung stehen – aber eben keine eigenen Spieler, deren Spielfreude und Kreativität gefördert wurde. In Frankreich, Belgien und England wird seit Jahren darauf geachtet, dass Spieler auch eigene Attribute mitbringen.

"Dass die Belgier Spieler wie Kevin de Bruyne und die Engländer Spieler wie Jadon Sancho herausbringen, liegt schlichtweg daran, dass diesen der Hang zu Einzelaktionen nicht negativ ausgelegt wird. Im Gegenteil: Er wird von klein auf gefördert."

Joti Chatzialexiou, Verantwortlicher für die sportliche Leitung der deutschen Nationalmannschaften

Dieser Fokus auf die individuelle Schulung der Fußballer fehlt in Deutschland, dort hat mannschaftstaktisches Verhalten Priorität. Und so fehlt plötzlich der Ausgleich, die Ecken und Kanten fehlen den geschliffenen Talenten.

Und wenn ein junger deutscher Spieler wie Leroy Sané dann mal diese dringend benötigte, individuelle Klasse mitbringt, dann lässt ihn der Trainer zuhause, statt ihn zur WM mitzunehmen.

Die Bundesliga als Sprungbrett

Junge deutsche Talente kriegen in der Bundesliga kaum noch die Chance zu spielen. Es wird eher auf die Flut an Franzosen oder Engländer gesetzt. Als gutes Beispiel dienen Mainz auf mittlerer Ebene und Dortmund auf Spitzenebene. All die jungen Talente sehen die Bundesliga nur noch als Sprungbrett und sind nicht wie in England bereit, dort zu bleiben.

Speziell Dortmund hat das die letzten Jahre mit den Abgängen von Aubameyang, Dembélé und Pulisic zu spüren gekriegt. Die Bundesliga ist zur Ausbildungsliga geworden. Nicht mal mehr die deutschen Jungtalente entscheiden sich für einen Verbleib.

Soccer Football - Champions League Round of 16 First Leg - Tottenham Hotspur v Borussia Dortmund - Wembley Stadium, London, Britain - February 13, 2019  Tottenham's Son Heung-min in action with Borussia Dortmund's Dan-Axel Zagadou and Abdou Diallo   REUTERS/David Klein

Diallo und Zagadou: Dortmunds noch so junge Defensive kommt aus Frankreich. Bild: reuters

Ein Leroy Sané wechselt eben nicht mehr zu einem FC Bayern, sondern zu Manchester City, wo auch İlkay Gündoğan glücklich wurde. Mesut Özil und Toni Kroos haben Deutschland längst verlassen, wie auch der beste deutsche Torhüter, Marc-André ter Stegen. Thilo Kehrer und Julian Draxler ziehen gar die Ligue 1 der heimischen Liga vor.

Das Geld winkt im Ausland

Man kommt natürlich nicht darum herum, das Geld als zentralen Punkt zu berücksichtigen. England wedelt dank den neuen Fernsehverträgen mit Löhnen und Ablösesummen, da brauchen die deutschen Clubs gar nicht erst mitzubieten. Auch in Spanien, Italien und bei Paris Saint-Germain werden die Millionen im dreistelligen Bereich hin- und hergeschoben.

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In Deutschland gilt zudem noch immer die 50+1-Regel. Dadurch ist es Kapitalanlegern nicht möglich, die Stimmenmehrheit zu erhalten. Kurzum: Ein reicher Investor haut seine Millionen nicht in Deutschland raus, da er sowieso nicht alleine entscheiden darf, wie dies in England, Frankreich oder Italien der Fall ist.

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Die Video-Erklärung zur 50+1-Regel. Video: YouTube/tagesschau

Dennoch kann der Erfolg mit dem Geld alleine weiterhin nicht gekauft werden. Das merkt PSG Jahr für Jahr. Und dass man mit selbst ausgebildeten Spielern und gutem Scouting weit kommen kann, haben dieses Jahr Ajax und Porto bewiesen.

Der verpasste Umbruch und das Klumpenrisiko

Die Bayern sind das Zugpferd des deutschen Vereinsfußballs. Auf sie war in der Champions League immer Verlass, seit 2011/12 waren sie immer unter den letzten acht. Doch genau diese Bayern haben den Umbruch verpasst und stehen jetzt in einer schwierigen Umbruch-Saison. Arjen Robben und Franck Ribéry sind alt und verletzungsanfällig. Mittlerweile haben die Bayern zwar nachgerüstet, doch Kingsley Coman, Serge Gnabry, Leon Goretzka und Co. brauchen noch Zeit, um zur Weltklasse zu reifen. Das kann schon mal ein bis zwei Jahre dauern – Zeit, die man beim Rekordmeister eigentlich nicht hat.

l-r: Torjubel von Leon Goretzka 18 (FC Bayern Muenchen), Serge Gnabry 22 (FC Bayern Muenchen), Joshua Kimmich 32 (FC Bayern Muenchen) zum 3:1, FC Bayern Muenchen vs. FC Schalke 04, Fussball, 1.Bundesliga, 09.02.2019, DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video Muenchen Bayern Deutschland *** l r Torjubel von Leon Goretzka 18 FC Bayern Muenchen Serge Gnabry 22 FC Bayern Muenchen Joshua Kimmich 32 FC Bayern Muenchen zum 3 1 FC Bayern Muenchen vs. FC Schalke 04 Football 1 Bundesliga 09 02 2019 DFB regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video Muenchen Bayern Germany Copyright: xkolbert-press/ChristianxKolbertx

Die neuen jungen Wilden: Leon Goretzka, Serge Gnabry und Joshua Kimmich. Bild: imago sportfotodienst

In Dortmund brach nach den erfolgreichen Klopp- und Tuchel-Jahren eine kleine Trainer-Flaute an. Das Peter-Bosz-System funktionierte nicht, Peter Stöger war sowieso nur als Übergang gedacht. Mit Lucien Favre folgte der Neustart. Mit vielen jungen Spielern ist der Schweizer sensationell in die Saison gestartet, mittlerweile steckt sein BVB aber etwas in einem Formtief – was völlig normal ist.

Hinter Bayern und Dortmund – und das war schon immer ein Problem – gibt es kaum einen deutschen Vertreter, der international für gute Ergebnisse sorgen kann. Vereinzelt haben Schalke, Leverkusen oder Wolfsburg mal positiv überrascht, das war aber eher die Ausnahme als die Regel. Wenn die Trümpfe Bayern und Dortmund nicht stechen, dann wird es schwierig.

Unruhe in Fußball-Deutschland

Seit der verkorksten WM herrscht in Deutschland Fußball-Panik. Jogi Löw hat mit der Ausbootung der Bayern-Stars Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller für Aufregung gesorgt, welche gerade Müller mit seiner Video-Abrechnung weiter verstärkte.

Ein weiteres Problem ist, dass beim DFB seit Jahren Jogi Löw, Oliver Bierhoff und Co das Sagen haben. Sie verwalten nur und revolutionieren nicht, neue Ideen sind ebenfalls Fehlanzeige. Sie sind dadurch mitverantwortlich für die negative Entwicklung des DFB-Teams in den letzten Jahren.

Der Interview-Abbruch von DFB-Präsident Reinhard Grindel wegen unangenehmen Fragen passt da perfekt ins Bild des verunsicherten deutschen Fußball-Funktionärs.

Die Nervosität steigt und sie ist nach dem gestrigen Auftritt von Bayern nicht kleiner geworden. Das macht es auch für die Spieler auf dem Platz nicht einfacher, wenn im ganzen Verband Unruhe herrscht und diese sich dann auch noch auf die Clubs verlagert.

Das Hadern mit der Dominanz

Sechs Mal in Serie haben die Bayern die Meisterschaft geholt. Fußball-Deutschland langweilt sich, die Liga ist durch ihre Einseitigkeit unattraktiv geworden. Die Konkurrenten suchen eher nach Ausreden, beklagen sich, dass die Bayern zu reich sind, statt die Lücke mit kreativen Ideen zu füllen.

Die Bayern hingegen werden auf nationaler Ebene zu wenig gefordert und sind folglich international überfordert. Es kommt nicht von Zufall, dass die Bayern just in der Saison 2013 die Champions League gewonnen haben, als Dortmund ein ebenbürtiger Konkurrent war. Das gleiche Phänomen sehen wir übrigens in Italien und Frankreich. Dort dominieren Juventus und PSG die Meisterschaften – die Konkurrenten verzweifeln und den Dominatoren selbst will der große internationale Wurf bisher einfach nicht gelingen.

08.02.2019, xpsx, Fussball 1.Bundesliga, 1.FSV Mainz 05 - Bayer 04 Leverkusen v.l. celebrate the goal, Torjubel zum 1:2 fuer leverkusen Kai Havertz (Bayer Leverkusen)torschuetze Julian Brandt (Bayer Leverkusen) (DFL/DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and/or QUASI-VIDEO) Foto Jan Huebner/Scheiber Mainz *** 08 02 2019 xpsx Football 1 Bundesliga 1 FSV Mainz 05 Bayer 04 Leverkusen v l celebrate the goal Goal celebration to 1 2 for leverkusen Kai Havertz Bayer Leverkusen Leverkusen goalscorer Julian Brandt Bayer Leverkusen DFL DFB REGULATIONS PROHIBIT ANY USE OF PHOTOGRAPHS as IMAGE SEQUENCES and or QUASI VIDEO Photo Jan Huebner Scheiber Mainz

Bild: imago sportfotodienst

Für die Zukunft sieht es in Deutschland dann aber doch nicht so schlecht aus. Klubs wie Freiburg oder Leverkusen gehen mit gutem Beispiel voran und setzen auf die eigene Jugend. Gerade bei Bayer sind mit Kai Havertz und Julian Brandt zwei junge Mega-Talente auf dem Sprung, absolute Ausnahmespieler zu werden. Wenn sie denn richtig gefördert werden, sonst entpuppt sich das Licht am Ende des Tunnels plötzlich als dasjenige eines entgegenkommenden Zuges.

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